02Jun
Till Westermayer in: Grünzeug am Mittwoch.
Ich bin ja – Jahrgang 1975 – ein Kind der 80er. Mit der alten Bundesrepublik verbinde ich im Nachhinein das Gefühl von Stabilität – und wenn’s auch bleischwere Stabilität war. Die letzten Tage fühlen sich dagegen eher an wie aus einem Science-Fiction-Szenario (na gut, wir schreiben inzwischen ja auch schon 2010). Landtagswahlen mit extrem knappen Ergebnissen und gruseligen Koalitionsverhandlungen. Angriffe von SpekulantInnen auf die EU. Eine schwarz-gelbe Bundesregierung (ja, wie damals, in den 80ern), die innerhalb weniger Monate nackt dasteht. Ein schwarzer US-Präsident, als Hoffnungsträger gestartet, dessen größtes Problem inzwischen BP heißt. Ein Ministerpräsident, der mir nichts, dir nichts zurücktritt. Vulkanausbrüche mit globalen Konsequenzen. Eine Bundeskanzlerin, die nicht regiert. Militärische Dummheiten in Afghanistan. EU-Staaten, die kurz vor dem Bankrott stehen. EU-Staaten, die politisch eher an Kabarett erinnern. Ein Grüner auf Platz zwei einer südamerikanischen Präsidentenwahl. Gaza, Iran, Nordkorea. Und ein Bundespräsident, der spontan beleidigt zurücktritt (und damit eine Debatte darüber auslöst, ob wir das Amt überhaupt noch brauchen). Ob die Regierung Merkel am Jahresende noch steht? (Ich würde nicht darauf wetten.) Und das alles im Minutentakt der Twitter-Meldungen.
Stabil ist das nicht. Aber vielleicht ist das ganz gut so. Und auch darüber hinaus wird deutlich, dass tiefgreifende Veränderungen möglich sind. Unsichere Zeiten. Und allemal interessante Zeiten.
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04Aug
Till Westermayer in: Grünzeug am Mittwoch.
Grüne 1 Mio., LINKE 2 Mio, SPD 4 Mio. Was ist das? Genau, Steinmeiers persönlicher „Deutschlandplan“. Passend dazu gibt’s heute drei Urlaubslesetipps aus dem Bereich politischer Science-Fiction.
Kim Stanley Robinson schreibt eher literarisch orientierte Science-Fiction. In der Trilogie Science in the Capital (Forty Signs of Rain, Fifty Degrees Below und Sixty Days and Counting) spielen wie schon in früheren Werke Umweltfragen eine große Rolle – hier gekoppelt mit dem Blick auf Verquickungen zwischen Politik und Wissenschaft. Die Trilogie zeichnet den Aufstieg des US-Senators Phil Chase zum globalen Ökopräsidenten nach – geschrieben vor dem Obama-Wahlkampf!
Der zweite Tipp ist eher netzpolitisch spannend: Charles Stross widmet sich in seinem Thriller Halting State einer Welt in naher Zukunft, in dem das organisierte Verbrechen innerhalb von Online-Welten stattfindet, und die Computerspiele auf der Straße – und koppelt das mit dem Seelenleben von FinanzjongleurInnen. Ähnlich, nur noch etwas wilder und in Südafrika statt Großbritannien angesiedelt, Lauren Beukes Moxyland.
Zum Schluss noch was deutschsprachiges: Alien Earth – drei dicke Bände des Freiburger Perry-Rhodan-Autors Frank Borsch (hatte übrigens für die Grünen kommunal kandidiert). Vor dystopischem Hintergrund (Deutschland treibt Hartz-IV auf die Spitze, Gedankenverbrechen werden bestraft, die Großmacht heißt Vereinigte Staaten von Amerika und Arabien) entwickelt Borsch eine packende Geschiche um gentechnische Mutanten und geheimnisvolle Außerirdische.
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