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Hypo Real Estate
27Mrz

Aufklären, um zu retten

Nun wird die Finanzkrise zum Gegenstand eines Untersuchungsausschusses. Gemeinsam mit den Fraktionen von FDP und Linkspartei haben wir die Einsetzung eines kleinen Untersuchungsausschusses beantragt, der Antworten auf Fragen bringen soll, die Finanzminister Peer Steinbrück bislang schuldig geblieben ist. Die restriktiven „Auskünfte“ seines Ministeriums über die Umstände, die zur Rettung der Immobilienbank Hypo Real Estate geführt haben, haben einen Untersuchungsausschuss geradezu provoziert. Heute wird im Bundestag über unseren Antrag entschieden, das nötige Quorum dafür steht; die Regierungsfraktionen können allerdings die Einsetzung noch ein wenig herauszögern.

Schon im Mai 2008 habe ich gemeinsam mit den finanzpolitischen Sprechern der anderen Oppositionsparteien zahlreiche Fragen zur Bankenaufsicht und zum Krisenmanagement der Bundesregierung formuliert. Die Antworten der Regierung sind mehr als dürftig ausgefallen. Während Steinbrück sich als internationaler Krisenmanager inszenierte, blieben zu Hause die Aufgaben liegen. Folge: Es wurden jede Menge vermeidbarer Fehler gemacht. Offenbar sind an der wichtigen Schnittschnelle zwischen Bankenaufsicht – also BaFin und Bundesbank – und Bundesfinanzministerium Informationen liegengeblieben. Ich bin sicher, der Untersuchungsausschuss wird Fehler und Schwachstellen aufdecken – und damit vor allem einem Ziel dienen: Das Krisenmanagement für die Zukunft zu verbessern.

Wird es nur Wahlkampf oder Politshow? Ich sag’s mal so: Die FDP hat ihr Interesse am Untersuchungsausschuss ja sehr plötzlich wiederentdeckt, nachdem sie im letzten Sommer von einem solchen Ausschuss nichts wissen wollte. Das macht misstrauisch. Wir Grünen haben dagegen eine parlamentarische Untersuchung schon damals für richtig gehalten. Da war die Bundestagswahl noch nicht in Sicht. Und jetzt haben wir nun einmal einen konkreten Aufklärungsbedarf in einem Fall, der wegen seiner Größenordnung über alle anderen hinausgeht. Es geht um 87 Milliarden Euro und vielleicht noch mehr Steuergelder. Ich meine, dass man – Wahlkampfzeiten hin oder her – als Parlamentarier hier verpflichtet ist, eine effektive Aufklärung zu leisten.

Die SPD reagiert gereizt und wirft uns vor, nachdem reihenweise unsere Fragen im Ausschuss und im Plenum nicht beantwortet wurden, wir würden die Rettungsbemühungen erschweren. Das ist Quatsch. Es geht nicht um die Frage: Aufklären oder retten? Sondern es geht um Aufklärung, um in Zukunft besser retten zu können.


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23Feb

Scheindebatte

Der Fall Hypo Real Estate oder: Wie eine Problem-Bank ordnungspolitische Scheindebatten entfacht. Es geht um einen konkreten Fall staatlichen Eingreifens in die Wirtschaft. Es geht darum, eine Bank vor dem Zusammenbruch und damit das Land vor einer möglichen fatalen Kettenreaktion zu bewahren. Es geht um die geordnete Abwicklung der HRE. Nicht um weniger, aber auch nicht um mehr. Wenn jetzt Union und FDP eine Debatte anzetteln und ideologisch aufheizen, den Staatssozialismus kommen und die deutsche Wirtschaftsordnung den Bach runter gehen sehen – dann machen sie den gleichen Fehler wie im vergangenen Herbst, als wochenlange Grundsatzdiskussionen unter Billigung einer schweigenden Kanzlerin eine schnelle und günstigere Lösung verhindert haben. Jetzt geht es darum, den letzten greifbaren Gegenwert für unvorstellbar hohe Bürgschaften in die Hand zu bekommen. Die Übertragung der Aktien an den Staat ist nur die letzte Konsequenz einer noch nie da gewesenen Hilfsaktion. Die Enteignung der HRE-Aktionäre folgt also einer marktwirtschaftlichen Logik – Und der Logik der Rettungsaktion selbst. Ohne staatliches Eingreifen wäre der Wert der Aktien eh schon bei Null. Getrieben von der FDP versucht die Union jetzt irgendwie wirtschaftspolitisches Profil wiederzugewinnen. Ich glaube, mit plumper Ludwig-Erhard-Rhetorik wird das nicht gelingen. Dazu braucht es einen wirtschaftspolitischen Kompass, den die Union schon lange verloren hat. Traurig.


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