Weiter zum Inhalt
Frauen
08Mrz

Grüner Antrag zum Internationalen Frauentag: Frauen verdienen mehr – Entgeltdiskriminierung verhindern

Eine Frau ist genau so gut ausgebildet, hat die gleichen beruflichen Erfahrungen, macht den gleichen Job wie ihr männlicher Kollege und geht trotzdem mit weniger Lohn nach Hause. Das ist ungerecht. Wäre die Situation umgekehrt – würde ein Aufschrei der Empörung durchs Land gehen. Vor allem hätte die Männerwelt schon längst für gesetzliche Regelungen gesorgt. Aber es sind die Frauen, die weniger verdienen. Freiwilligkeit und Selbstverpflichtungen haben zu nichts geführt. Wir brauchen also endlich wirksame gesetzliche Regelungen. Der Grundsatz „gleiches Geld für gleiche und gleichwertige Arbeit“ muss umgesetzt werden. Mit der Entgeltdiskriminierung muss endlich Schluss sein – im 21. Jahrhundert.

Heute haben wir Grünen deswegen einen Antrag in den Bundestag eingebracht. Tarifpartner und Betriebe müssen prüfen, dass ihre tariflichen und nichttariflichen Entgeltregelungen und die Umsetzung diskriminierungsfrei sind. Dabei setzen wir – anders als Bundesministerin Schröder – auf ein analytisches Prüfverfahren. Entscheidend ist, dass die Entgeltregelungen und Umsetzungspraxis  transparent und nachvollziehbar sind, die Tätigkeiten „ihrem Wesen nach“ bewertet werden und die Kriterien somit diskriminierungsfrei gewählt sind, also endlich für Frauen und Männer gleichermaßen gelten.

Selbstverständlich müssen entdeckte Diskriminierungen auch beseitigt werden. Wir brauchen daher eine effiziente Kontrolle. Deshalb soll die Antidiskriminierungsstelle des Bundes eine Kontrollbefugnis erhalten, damit sie stichprobenartig einzelne Tarifverträge und Entgeltregelungen auf Entgeltdiskriminierung kontrollieren kann. Wir brauchen auch insbesondere ein Verbandsklagerecht, denn nur so wird der Klageweg für Frauen erleichtert. Letztendlich müssen auch Verstöße gegen das Gesetz mit Sanktionen belegt werden, damit der Grundsatz „gleicher Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit“ verbindlich durchgesetzt wird.

Unseren Antrag findet ihr hier:

Antrag Frauen verdienen mehr – Entgeltdiskriminierung von Frauen verhindern 1708897


Artikel versenden: Post to Facebook Post to Twitter       Artikel kommentieren: Kommentar schreiben

07Mrz

Grünzeug am Mittwoch 142: Die Gemeinde mit den 100,7% Frauen

Morgen ist ja internationaler Frauentag, was zu einer Flut entsprechender Veranstaltungen, Plenarreden und Zeitungsartikel führt und morgen geführt haben wird. Ich lasse das mit dem Bloggen dazu deswegen so halb, sondern nehme den Frauentag nur als Aufgabenstellung, um mal zu schauen, was der heute gestartete Open-Data-Prototyp des Landes Baden-Württemberg so kann.

Vielleicht noch ein paar Worte zu diesem Prototypen: In der Koalitionsvereinbarung steht unter anderem, dass Open Data und transparentes Regierungshandeln umgesetzt werden sollen. Der Prototyp ist nun genau das – ein vom baden-württembergischen Innenministerium entwickeltes Tool, mit dem Open Data ausprobiert werden kann. Eingespeist sind vor allem bereits vorhandene Datenbestände, etwa aus dem Statistischen Landesamt, die – so die Idee dahinter – in drei Formen präsentiert werden: als schlichter Katalog extern verfügbarer Datensätze, als eine Reihe von vordefinierten Anwendungen, die auf diesen Daten zugreifen, und schließlich unter dem Titel Werkzeugkasten als Zugriffsmöglichkeit auf die Urdaten samt einigen Tools, um diese darzustellen.

Warum Prototyp? Weil nur ein Bruchteil der tatsächlich existierenden Verwaltungsdaten eingespeist ist, weil es an einigen Stellen noch an Benutzerführung, Technik oder Nutzungsmöglichkeiten happert – und weil die Seite vor allem dazu dienen soll, einen Dialog über Open Data in Baden-Württemberg am konkreten Beispiel anzustoßen, um dann Mitte des Jahres Bilanz darüber ziehen zu können, ob/wie Open Data genutzt wird, und wie das „Serienmodell“ aussehen könnte. Über all dies kann in einem Forum auf service-bw.de diskutiert werden.

Soviel zum Thema Open Data – jetzt zum Frauentag. Ein Test für den Prototypen könnte darin bestehen, mal zu schauen, wie viel nach Geschlecht differenzierte Daten dort zu finden sind.

weiterlesen »


Artikel versenden: Post to Facebook Post to Twitter       Artikel kommentieren: Kommentar schreiben

08Mai

Freitags aus Freiburg Nr. 21: Von fitten Frauen und der Quotenfrauenmär

(naja, weder ist Freitag, noch bin ich in Freiburg, aber so heißt nun mal die Kolumne)
Ganz aktuell ein kleiner Erlebnisbericht vom heutigen Podium des Landesfrauenrats zu Frauenperspektiven in der Wirtschaftskrise. Schon der Einstieg war klasse, ein Referat von Prof. Dr. Gabriele Michalitsch, Politikwissenschaftlerin und Ökonomin aus Wien. Ich kannte sie schon vom Ladies Lunch der Böll-Stiftung in Berlin, auch diesmal war sie wieder präzise, klar und offensiv. Frei von Biologismen analysiert sie exakt Geschlechterungerechtigkeiten in Wirtschafts- und Arbeitswelt. Und stellt dar, das Frauen von der Krise zwar verzögert, aber dafür anhaltender betroffen sind und sein werden. Das bestätigte die ebenfalls sehr klare und gut vorbereitete Eva Strobel, Vorsitzende der Bundesagentur für Arbeit für Ba-Wü mit ihren Zahlen und Fakten.
Beim Podium selber gab es Überraschungen und Erwartbares. Zu den Überraschungen zählte Marion Johannsen von Südwestmetall: Engagiert plädierte sie z.B. für die Abschaffung des Ehegattensplittings als Fehlanreiz für Frauenerwerbstätigkeit und für mehr Ganztagsbetreuung. Mit diesen Forderungen habe sie sich schon sehr früh in die Nesseln gesetzt, das glaubt man ihr sofort. Marion von Wartenberg kannte ich schon, es ist aber immer noch eine große Freude, wie weiblich und feministisch der DGB auch erscheinen kann. Frauen in die Tarifkommissionen war ihr Plädoyer, genau! Schön ist auch, wenn der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Dr. Rainer Prewo, sich klar zur 40%-Quote in Aufsichtsräten bekennt. Leider eher Erwartbares kam von Dr. Hans-Ulrich Rülke, Fraktionsvorsitzender der FDP im Landtag. Zur Quote fiel ihm z.B. nur ein, dass seine Frau da dagegen sei, weil Frauen dann als Quotenfrauen nicht geachtet werden. Soll man da nun heulen oder lachen? Nach 24 Jahren erfolgreiche Quote kann man da als Grüne nur den Kopf schütteln.
Mein Plädoyer für gemischte Führungsgremien kam positiv an, schließlich ist der bessere wirtschaftliche Erfolg solcher Führungsstruktur inzwischen empirisch belegt. Gerade die jüngste Zeit zeigt doch, dass es z.B. in der männerdominierten Finanzwelt an Risiko- und Verantwortungsbewusstsein fehlt. Solche Qualitäten gedeihen aber nun mal nicht so sehr in Boys Clubs, sondern mehr, wenn unterschiedliche Sichtweisen kooperieren.
Souverän moderiert wurde das Podium von Dr. Susanne Kaufmann vom SWR. Ein Dank an den Landesfrauenrat für die gute Veranstaltung. Nach einem Tag mit so viel fitten Frauen kann frau trotz Krisen nur zuversichtlich in die Zukunft schauen.

P.S.: Typisch für Frauenwelten war dann aber auch, dass es in der Mittagspause mit mir noch eine Vorstandsfrau des Landesfrauenrats schnell ums Eck in den Bio-Supermarkt zog. Die Wochenendeinkäufe wollen schließlich auch erledigt sein!


Artikel versenden: Post to Facebook Post to Twitter       Artikel kommentieren: Kommentar schreiben

05Mai

Grünzeug am Mittwoch 065: Quote macht Quote

Um mal ein paar weit auseinanderliegende Themenfelder zusammenzubringen: Unter den 17 Abgeordneten in der heute gestarteten Internet-Enquete beträgt der Frauenanteil 4/17 = 23,5%. Davon sind 100 % in den Oppositionsfraktionen. Bei den Sachverständigen sieht’s etwas besser aus: 5/17 = 29,4%. Und auch hier: überwiegend sind es die Oppositionsfraktionen, die weibliche Sachverständige gefunden haben. Ob die Ergebnisse der Enquete anders aussehen würden, wenn sie quotiert wäre?

Die Hebammen für Deutschland starten heute ihre ePetition zum Problem der immens angestiegenen Versicherungskosten für Hebammen – und machen auch generell auf diesen oft unterschätzen Berufsstand aufmerksam. Um beim Thema Quote zu bleiben: Die Zahl männlicher Hebammen in Deutschland ist verschwindend gering. Dagegen hatte die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe bis heute – wenn ich das richtig sehe – nur männliche Vorsitzende (Zahlen zur Zahl der „weiblichen Frauenärzte“ habe ich leider auf die Schnelle nicht gefunden). Wie wirken Geschlecht, politische Rahmenbedingungen und berufliches Ansehen hier zusammen – und was würde eine Quote ändern?

Bald ist in NRW Landtagswahl. Die grüne Liste ist natürlich quotiert. Bis zur Landtagswahl in Baden-Württemberg ist es noch etwas hin. In den sieben bisher aufgestellten Wahlkreisen gibt es eine Frau und sechs Männer (Frauenanteil 14%). In der Fraktion sind 7/17 = 41,1% Frauen. Würde die Landtagspolitik anders aussehen, wenn landesweit eine quotierte Liste aufgestellt werden könnte? Oder eine Spitzenkandidatin?


Artikel versenden: Post to Facebook Post to Twitter       Artikel kommentieren: Ein Kommentar

14Apr

Grünzeug am Mittwoch 062: Männermanifest und Genderdebatte

Wie von Silke schon erwähnt, gibt es ein grünes Männermanifest (ergänzendes beim Mitunterzeichner Dieter Janecek). Vieles am Manifest gefällt mir sehr gut. Wobei: eigentlich brauchen wir statt einem Mannifest ein Gender_fest. Oder – die Wortspiele werden jetzt etwas peinlich – ein Gender_offen. Soll heißen: so wichtig es ist, die Relevanz von Feminismus, Gleichstellung und Geschlechtergerechtigkeit aus „Männersicht“ klar zu machen, so wichtig wäre es, in der Partei einen die Geschlechterkategorien übergreifenden, breiten Diskussionsprozess über moderne Geschlechterpolitik anzustoßen. Vielleicht ist es auch Zeit für eine für alle offene „BAG Geschlechterpolitik“.

Obwohl viel richtiges drinsteht, bleibt – bei der Perspektive kaum zu vermeiden – auch beim Männermanifest die Geschlechterpolarisierung nicht aus. Mir wäre es wichtig, dass der Ausgangspunkt für eine moderne grüne Geschlechterpolitik eben nicht die Biologie ist. Die bestehenden, mit Macht aufgeladenen Geschlechterverhältnisse – gesellschaftliche Strukturen, die Chancenungleichheit (meist zu Lasten von Frauen) herstellen und forttragen – müssen weiter Thema sein. Hier hilft z.B. die Quote. Quer dazu liegen lebenslagenspezifische Herausforderungen, wie beispielsweise das Leben mit Kindern und Karriere. Viele Probleme sind dabei unabhängig vom Geschlecht. Erschwerend – für Frauen und für Männer – kommen dominierende Rollenerwartungen hinzu.

Ziel wäre es letztlich, um das Manifest zu zitieren, „die Vision einer Gesellschaft verschiedenster Individuen, die unter gleichen Bedingungen zusammenleben“ politisch auszuformulieren.


Artikel versenden: Post to Facebook Post to Twitter       Artikel kommentieren: 3 Kommentare

09Apr

Freitags aus Freiburg Nr.18: Gut gemacht, Männer!

Sorry, aber das kann ich mir nicht verkneifen: Während Till und Jörg auf facebook besprechen, wer das neue grüne Männer-Manifest im Blog kommentiert, hier als erste einen Kommentar loszuwerden. Dafür aber auch nur kurz und knapp: Gut gemacht! Bin gespannt und freue mich auf die Debatte, die es auslöst,  auf weitere Blogbeiträge dazu und dass mein Co-Vorsitzender Mitunterzeichner ist. Von mir nur noch meine Lieblingspassage aus dem Manifest:

Wir sind Grüne Feministen und haben gute Erfahrungen gemacht, Macht und Einfluss zu teilen. Wir sind mit Quoten  und Doppelspitzen groß geworden. Wir kennen und schätzen gleiche Rechte und gleiche Pflichten sowie die Verantwortung, als Beispiel voranzugehen. Uns trägt die Vision einer Gesellschaft verschiedenster Individuen, die unter gleichen Bedingungen zusammenleben.

Wir sind keine Dinosaurier mehr. Wir wollen auch keine Alleinernährer sein. Wir wollen weniger Leistungsdruck, bessere gesundheitliche Prävention und mehr wertvolle Zeit. Wir wollen keine Helden der Arbeit sein, wir wollen leben. Wir wollen Macht, Verantwortung und Pflichten teilen und das Korsett alter Geschlechterrollen von uns reißen. Wir wollen neue Perspektiven für Männer im 21. Jahrhundert!


Artikel versenden: Post to Facebook Post to Twitter       Artikel kommentieren: Kommentar schreiben

26Mrz

Freitags aus Freiburg Nr. 16: Tagesaktuell

Freitags aus Freiburg heute zu einem Frauenthema. Nicht der Alliteration wegen, sondern weil heute der 26.3. ist. Und der ist dieses Jahr Equal Pay Day. Der Tag im Jahr also, an dem die Frauen zusammen soviel in der Lohntüte haben, wie die Männer als Gesamtjahresverdienst am 31.12. auf der Habenseite verbuchen konnten. Damit möglichst bald der Equal Pay Day an Silvester gefeiert wird, gibt es ein paar zündende grüne Ideen. Diese haben der baden-württembergische Landesvorstand, einige Abgeordnete und ich in ein Papier gepackt. Uns ist vorallem wichtig zu zeigen, dass die Lohnungleichheit zwischen Frauen und Männer ein paar klar benenn- und belegbare Ursachen hat und es auch konkrete politische Ideen gibt, wie diese beseitigt werden können. Für uns gilt am Equal Pay Day: Nicht nur beklagen, handeln. Wir sind dafür gerüstet. Hier unsere Konzepte.


Artikel versenden: Post to Facebook Post to Twitter       Artikel kommentieren: Kommentar schreiben

09Mrz

Grünzeug am Mittwoch 057/058: Frauen, Männer und 23 Prozent

Auch in grünen Wahlkämpfen wird – nach dem Motto „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ – eine Zahl immer wieder genannt: die Aussage, dass zwischen Frauen und Männern ein Unterschied von 23 Prozent in der Entlohnung besteht. Kurz vom dem Internationalen Frauentag am Montag wurden Daten der europäischen Statistikbehörde veröffentlicht, die diesen „gender pay gap“ noch einmal deutlich vorgeführt haben.

Recht ausführlich hat beispielsweise die FAZ darüber berichtet. Kurz die wichtigsten Zahlen (Bezugsjahr ist hier 2008): EU-weit beträgt die Differenz in der Entlohnung zwischen Frauen und Männern 18 Prozent, in Deutschland sind es 23 Prozent mit leicht steigender Tendenz, ganz vorne liegen Estland mit 30 und Tschechien mit 26 Prozent. Am geringsten fällt die Differenz in Italien aus – 5 Prozent.

Es ist jetzt allerdings leicht, diese Zahlen falsch zu verstehen – und sie sind trotzdem alarmierend. Was hier gemessen wird, ist die prozentuale Differenz des durchschnittlichen Bruttostundenverdiensts zwischen allen weiblichen und allen männlichen abhängig Beschäftigten in einem Land. Das bedeutet, dass die deutlich höhere weibliche Teilzeitquote direkt keine Rolle spielt: pro Stunde sollte der Lohn in einer 20-Stunden-Stelle bei gleicher Qualifikation etc. genauso hoch ausfallen wie der Stundenlohn in Vollzeit. Indirekt wirkt dies natürlich trotzdem, weil Führungspositionen immer noch sehr selten in Teilzeit vergeben werden. Wichtig ist, dass der „gender pay gap“ nicht Löhne in gleichen Branchen oder in gleichen Arbeitsverhältnissen vergleicht, sondern – vermutlich deutlich – durch typische Frauen- und typische Männerberufe beeinflusst wird. Nicht berücksichtigt ist zudem die Frauenerwerbsquote (das erklärt einige der niedrigen Werte).

Anders gesagt: die Aussage, dass in Deutschland 23 Prozent Unterschied im Durchschnittsstundenlohn bestehen, heißt nicht unbedingt, dass Frauen für die gleiche Arbeit schlechter bezahlt werden als Männer (auch das kommt vor, und ist noch immer ein Problem). Einen deutlich größeren Einfluss haben geschlechtsspezifische Berufswahlen: Frauen arbeiten häufiger in Bereichen, die schlechter bezahlt sind. So formuliert klingt das zunächst einmal nach individuellen Entscheidungen – die sind es aber nicht. Vielmehr spielen Stereotype (Mann verdient das Geld, Frau arbeitet nur nebenbei und erzieht die Kinder) und beispielsweise die verfügbare Infrastruktur in der Kinderbetreuung hierbei eine große Rolle – aber auch die Frage der Mindestlöhne als „untere Grenze“ kommt ins Spiel. Sehr viel genauer erklärt dies Friederike Maier (auch hier).

Fazit dieser Doppelnummer des Grünzeugs am Mittwoch: der „gender pay gap“ ist ein deutlicher Indikator für bestehende Ungleichheiten und große Baustellen für ein emanzipatorisch-feministisches Programm. Dahinter steht aber nicht an vorderster Stelle die ungleiche Bezahlung für gleiche Arbeit, sondern die strukturelle Ungleichheit in der Erwerbstätigkeit in Deutschland aus Gender-Perspektive. Und genau da kann und muss die Politik ansetzen.


Artikel versenden: Post to Facebook Post to Twitter       Artikel kommentieren: 67 Kommentare

26Mrz

Hemdsärmelig

Das Wort kommt mir bei so manchen Krisenrettungsaktionen der letzten Zeit in den Sinn. Hemdsärmelig: Das heißt, Jackett ausziehen und loslegen. Mit den Händen. Aber wäre es nicht besser, auch den Kopf mitwirken zu lassen? Hemdsärmelig heißt immer auch, jetzt muss es schnell gehen, hoppla hopp. Und was später draus wird, überlegen wir: – später.
Wenn es nun also die Abwrackprämie (ein sehr hemdsärmeliger Begriff) bis Jahresende gibt, waren wir wieder mal schnell und beherzt zugange. Nur: was kommt danach? Wir haben bewirkt, dass sich all diejenigen Menschen mit neuen Autos eindecken die – vielleicht mangels Geldmangel – ihre Autos lange nutzen (mind. neun Jahr). Blöderweise bedeutet es aber auch, dass genau diejenigen vermutlich einige Jahre lang keine Auto kaufen werden. Mit zweierlei bösen Folgen: der Autoabsatz dürfte auf niedrigem Niveau verharren. Schlecht für die Autoindustrie. Und auch für die Umwelt. Denn jetzt sind neue Kleinwagen zwar klimafreundlicher als der alte Ford Taunus , aber so richtig CO2-arm sind die meisten dann doch nicht. Strenge Klimaregeln für die Prämie gab es ja nicht. Genau in dieser Sparte dürften dann auf Jahre nicht viel neue Autos abzusetzten sein. Dabei hoffen wir doch alle, dass es bald einen CO2-Ausstoss senkenden Innovationsschub auch bei Kleinwagen gibt. Mit deutlichen energiesparenden Motoren oder anderen Antrieben. Aber wer soll die dann kaufen? Wird uns dann wieder erzählt, die Leute seien wohl doch nicht so interessiert am Ökoauto? Wie schon mal Matthias Wissmann (VdA): „Müsliautos interessieren keinen.“

Die Liste der Hemdsärmeligkeiten ließe sich fortsetzen, ich mache lieber einen Genderschwenk. Hemdsärmelig ist eindeutig männlich. Niemand verbände, wenn es ihn gäbe, mit dem Begriff blusenärmelig puren Tatendrang. Vielleicht deshalb, weil Frauen risikobewusster sind (siehe Anke Domscheit am 23.03.09 in der taz)?

Mehr zu Grüne, Umwelt, Autos und Mobilitiät unter http://www.gruen-macht-mobil.de/


Artikel versenden: Post to Facebook Post to Twitter       Artikel kommentieren: 4 Kommentare

20Mrz

Heute ist Equal Pay Day

Heute ist Equal Pay Day, was soviel heißt wie: „Gleicher Lohn für Gleiche Arbeit“.
Das ist eigentlich schon längst Gesetz und Frauen können sich genau wie Männer um Vorstandsposten bewerben. Die Ursachen, weswegen sie dennoch ein um 23 Prozent geringeres durchschnittliches Einkommen haben und selten die Karriereleitern bis ganz oben erklimmen, sind vielschichtig. Vom Minijob bis zur Vorstandsetage findet sich eine ganze Palette von Faktoren, die Einkommensunterschiede zementieren und Aufstiegschancen von Frauen einschränken. Es liegen genügend Instrumente auf der Hand, mit denen wir dagegen vorgehen können. So sind im Niedriglohnbereich vor allem Frauen beschäftigt. Doch branchenspezifische Mindestlöhne lassen weiter auf sich warten.

Frauentypische anspruchsvolle Arbeitsbereiche wie Sozialarbeit oder Erziehung werden auch im öffentlichen Dienst vergleichsweise viel zu schlecht bewertet. Hier sind die Tarifparteien gefragt: Sie müssen die Frage beantworten, warum eine Sozialpädagogin nach mehrjährigem Studium genauso bezahlt wird wie ein angelernter Müllwerker. Gerade die öffentlichen Arbeitgeber stehen hier in einer
besonderen Verantwortung. Denn die Politik kann nicht von den Unternehmen Gleichstellungsmaßnahmen einfordern, aber in ihrem eigenen Einflussbereich die Hände in den Schoß legen.

Fehlende Betreuungsmöglichkeiten, aber auch überkommene Rollenbilder bilden noch immer ein zentrales Hindernis bei der Frage der Vereinbarkeit von Familie und Karriere. Ein paar mehr Kindergartenplätze und flexible Arbeitszeiten sind keine ausreichende Antwort auf dieses Problem. So scheiden Frauen nach der Geburt eines Kindes im Durchschnitt immer noch für fünf Jahre aus dem Berufsleben aus. Durch diese langen Auszeiten verlieren sie den Anschluss im Unternehmen. Wenn sie dann zurückkehren, sind sie in Karriereleitern abgehängt. Arbeitgeber, die ein längeres Ausscheiden ihrer Mitarbeiterinnen fürchten, fördern eher die Karrieren der männlichen Kollegen. So stoßen selbst Frauen, die auf Kinder verzichten, früh an die berühmte „gläserne Decke“. Und fehlen dann in Aufsichtsräten, auf Professuren und in Unternehmensvorständen, weil sie noch immer aus Karrierewegen und Netzwerken ausgeschlossen werden. Erfolgreiche Einzelkämpferinnen reichen nicht, um daran langfristig etwas zu verändern. Auch eine Quote kann deswegen ein Mittel sein, um den Wandel zu beschleunigen. Doch das ist nicht das einzige sinnvolle Instrument: In Finnland sind Unternehmen längst verpflichtet, Gleichstellungspläne zu entwickeln, die Maßnahmen zur Bekämpfung von Lohnunterschiede und zur Gleichstellung enthalten.

In Zeiten des Fachkräftemangels wird eine chancengerechte und familienfreundliche Unternehmenskultur zum entscheidenden Vorteil im Wettbewerb um die besten Köpfe. Bei fast der Hälfte aller Unternehmen in Deutschland steht in den nächsten Jahren außerdem ein Generationswechsel an. Töchter kommen dabei aber oft nur dann zum Zug, wenn es keine Söhne gibt. Hier muss rechtzeitig umgedacht werden: Bei den Banken, in den Nachfolgeberatungen der Kammern und in den Chefetagen. Gesprochen wird schließlich schon seit Jahren. Klare gesetzliche Quoten für Aufsichtsräte, durchsetzbare Gleichstellungsvereinbarungen, echte Vereinbarkeit von Familie und Beruf und eine Bewertung von Arbeitsleistung, die auch pädagogische und kreative Leistungen anerkennt, müssen endlich Teil von Recht und öffentlicher Tarifpolitik werden.


Artikel versenden: Post to Facebook Post to Twitter       Artikel kommentieren: Ein Kommentar

Valides XHTML & CSS. Realisiert mit Wordpress und dem Blum-O-Matic -Theme von kre8tiv.
57 Datenbankanfragen in 1,564 Sekunden · Anmelden