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Finanzen
18Dez

Freitags aus Freiburg Nr.2: Das liebe Geld

Heute mal mit thematischem Schwerpunkt: Das liebe Geld. Ich will gar nicht leugnen, dass es auch grünen PolitikerInnen i.d.R. leichter fällt, sich sinnvolle Maßnahmen unter Einsatz von Finanzmitteln auszudenken, als harte Einschnitte zu vertreten. Zu Gute will ich uns halten, dass die Einsicht in die Notwendigkeit konsequenter Haushaltskonsolidierung groß ist und ebenso die Bereitschaft, auch unbequeme Wege zu beschreiten. Jedenfalls habe ich solche haarsträubenden Luftnummern wie in den Meldungen der letzten Tage von grüner Seite noch nie gehört.

Ein Beispiel: Um ihr Klientelzufriedenheitwachstumsgesetz durchzubekommen erwägt die Bundesregierung, die Länder bei der Finanzierung der Bildungsausgaben „zu unterstützen“. Dass hier ein erheblicher Investitionsbedarf besteht, der die Länder überfordert, ist unbestritten. Unglaublich ist es aber, wenn nun vorgeschlagen wird, dass sich die Länder fiktive Mietkosten für ihnen gehörende Immobilien auf die Erreichung des 10%- Ziels in der Bildung anrechnen dürfen (10% des Bruttoinlandsprodukts sollen in die Bildung fließen). Ein purer Rechentrick, der keine einzige Verbesserung der Bildungsstrukturen bewirkt. Dabei ist es allerhöchste Zeit, dass der oft genannten Priorität für Bildung endlich Taten folgen. Ich halte übrigens nach wie vor viel von unserer Idee, das Aufkommen in der Erbschaftssteuer (da gibt es noch Luft zum Niveau anderer Länder) zu erhöhen und diese Mittel für Bildungsausgaben zu verwenden. Da der Bildungserfolg in Deutschland sehr vom Geldbeutel der Eltern abhängt, wäre das ein guter Schritt auch zu mehr Chancengerechtigkeit. Zusammen mit dem Bildungssoli ließe sich damit schon einiges in die Wege leiten. Wir formulieren aber auch Prioritäten: Z.B. hat der quantitative und qualitative Ausbau der Kinderbetreuung Vorrang vor der Kostenfreiheit – solange über Gebührenstaffelung Kinderbetreuung für alle finanzierbar ist.

Weitere Beispiele: Stuttgart ringt um einen genehmigungsfähigen Haushalt, macht aber weiter beim lediglich schön gerechnet finanzierbaren Projekt S 21 mit. Die FDP in Ba-Wü verkündet, dass es nun wirklich mal an der Zeit wäre zu sparen – demnächst wäre das echt eine gute Idee. Welch tatkräftige Politik einer Regierungspartei – zu den unverantwortlichen Steuersenkungen: kein Wort. Zum Schuldenberg im Bundeshaushalt hat Alex alles gesagt.

Wenn wir nicht jede Gestaltungsmöglichkeit für die Generationen nach uns und für die Zukunftschancen der jetzigen verbauen wollen, müssen wir ran an eine ernsthafte Debatte über Prioritätensetzung. Bequem ist das nicht, aber dringend notwendig.


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03Jul

Die wundersame Welt der Steuersenker

Trotz Rekordverschuldung diskutiert die Republik plötzlich wieder über massive Steuersenkungen. Man könnte meinen, da will jemand eine Wahl gewinnen… Über was wir heute vor dem Hintergrund konkreter Milliardenlöcher wirklich diskutieren müssten sind die Fragen: Was sind ehrliche Ansagen gegenüber den Menschen? Auf welche Ansagen von Politik können sie sich verlassen? Wer traut sich das wahre Ausmaß der Verschuldung zu benennen und den langen Weg aus der Krise ehrlich zu beschreiben?

Dennoch gibt es Parteien, die meinen sie könnten Steuerentlastungen in Höhe von 15 Milliarden Euro versprechen. (Bei der FDP verliert man ein bisschen den Überblick. Sind die jetzt bei 50 Milliarden Euro Entlastung, 100 Milliarden oder gar keine Steuern mehr…?) Im Kern muss man all diejenigen, die Steuersenkungen versprechen, fragen: Wie soll das bewerkstelligt werden? Die Steuersenkungsversprecher sagen uns heute: Gegenfinanzierung braucht man nicht, wir machen das mit Wachstum. Mal ehrlich: Das hat noch nie funktioniert. Für Risiken und Nebenwirkungen fragen sie ihre Umwelt oder Enkel.

Denn Vorsicht: Man muss sich einmal anschauen, wie viel Phantasie bezüglich des künftigen Wachstums bereits in den Zahlen und Erwartungen der Bundesregierung steckt. Das Bundeskabinett hat diese Woche den Haushalt 2010 beschlossen. Im Finanzplan ist folgende Wachstumsentwicklung für diese Republik vorgesehen: dieses Jahr minus 6 Prozent, nächstes Jahr 0 Prozent. Ab dem Jahr 2011 und in den folgenden Jahren rechnen Merkel/Steinbrück dann durchgängig mit einem Wachstum von 1,9 Prozent.

Das ist mutig! Denn: Wer ist in der Lage, mehr als zwei der letzten 20 Jahre zu nennen, in denen Deutschland annähernd 2 Prozent Wachstum generiert hat? Die Koalition ist also der Auffassung, dass wir direkt nach der Krise für eine Rekordzahl von Jahren ein Rekordwachstum erzielen werden. Wie gesagt, einen Umfang an Wachstum, den wir in den letzten Jahrzehnten nur sehr selten erreicht haben! Nur indem sie diese Rechnung aufstellt, schafft es die Koalition den immensen Rekordbetrag zusätzlicher Verschuldung künstlich auf angeblich etwas über 300 Milliarden Euro bis 2013 zu begrenzen. Gleichzeitig erzählt uns nun die Kanzlerin und ihre Partei, sie sei in der Lage über dieses Rekordwachstum von 2 Prozent hinaus noch zusätzliches Wachstum zu generieren um Steuersenkungen zu finanzieren.

An dieser Stelle muss man sich die Zahlen noch einmal so ansehen, wie sie sind. Die Neuverschuldung des Bundes beträgt in diesem und im nächsten Jahr knapp 100 Milliarden Euro. Um die Relation im Blick zu behalten: Wir reden über einen Bundeshaushalt in der Größenordnung von etwas mehr als 300 Milliarden Euro. Da kann man bereits einschätzen, wie realistisch es ist, auf eine derart hohe Neuverschuldung zu reagieren, indem man die Einnahmen, die heute schon nicht reichen, steigert, indem man sie senkt. Das ist die „Logik“, die uns die Union vorexerzieren will.

Es ist spannend, sich vor Augen zu führen, was der Betrag von 310 Milliarden Euro, den der Finanzplan der Koalition als Neuverschuldung bis 2013 ausweist, bedeutet. Wenn man ausrechnet, welche zusätzliche Zinslast dieser Betrag zur Folge hat, heißt das, dass wir ab dem Jahre 2014 jedes Jahr etwa 11 Milliarden Euro zusätzliche Zinsen zu bezahlen haben. Das sind 11 Milliarden Euro, die, egal wer regiert, jedes Jahr für Investitionen fehlen werden und die man auf die bereits vorhandene jährliche Neuverschuldung noch obendrauf rechnen muss. Beim Betrag von 310 Milliarden verschweigt die Koalition allerdings noch die Kosten der Bankenrettung, die milliardenschwer auf dem Steuerzahler lastet, und die Kosten der in Schattenhaushalten versteckten Konjunkturpakete. Wenn man all dies mitberücksichtigt, kommt man auf den Finanzplan-Zeitraum, auf einen Betrag von 438 Milliarden Euro Neuverschuldung. Dann ist man bei einer zusätzlichen jährliche Zinsbelastung ab 2014, von genau 15 Milliarden Euro. Diesen Betrag wollen jetzt Leute durch Steuersenkungen verdoppeln. Das soll möglich sein Frau Merkel? Mit Verlaub, das glaubt Ihnen kein Mensch!


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