Weiter zum Inhalt
Daniel Mouratidis
25Dez

Freitags aus Freiburg Nr.3: Yorkshirepudding und Spätzle

Der neueste Trend in der Küchenpsychologie: Feiertagsbewältigungstipps für Patchworkfamilien. Jedenfalls sind mir einige Artikel aufgefallen, die sich mit diesem Thema beschäftigt haben. Seltsamerweise wurde in den Jahren davor vor Weihnachten geunkt, dass eigentlich jede Familie an den Feiertagen mit Stress rechnen muss: „Hohe Erwartungen an Feiertagsidylle schlagen schnell in Familienstreit um“ war zu lesen, ohne das besondere Familienformen gemeint waren. Richtig gefährlich sind Feiertage aber auch für Singles: Auch die wurden schon vor dem Festtagsblues gewarnt. Steht demnächst auf den Weihnachtsbäumen „Vorsicht, der Einsatz dieses Baumes kann zu Psychostress führen, warnt Ihre Familienministerin“?

Meiner Erfahrung nach macht man sich und anderen immer dann das Leben schwer, wenn man versucht, vorgegebenen Mustern gerecht zu werden und andere nach ihrer Normerfüllung beurteilt. Zufriedenheit entsteht im Miteinander eher, wenn man nach den Wegen sucht, die ganz individuell für die jeweils Beteiligten passen. Traditionen und Gewohnheiten geben Halt, es können aber auch die selbst um- oder neu geformten sein. Familie ist dort, wo Menschen füreinander Verantwortung übernehmen, sagen wir Grüne. Und natürlich miteinander feiert, erzählt, sich erholt und auch mal streitet. Darum geht es, Idealkonstellationen haben damit wenig zu tun.

Und was hat das Ganze mit Yorkshirepudding und Spätzle zu tun? In meiner Minifamilie mit englischen und deutschen Wurzeln gibt es zu Weihnachten traditionell Roastbeef (Bioland natürlich!), Yorkshirepudding und Sprouts (Rosenkohl). Typisch englisch sollte es sein, ganze Truthähne waren uns aber zu unpraktisch. Das griechisch-deutsche Elternhaus von Daniel Mouratidis hat sich – auf Facebook war es zu lesen – für Spätzle entschieden. Kleine Beispiele dafür, sich einfach eigene, stimmige Traditionen zu schaffen. In diesem Sinne: Allen kunterbunte Feiertage!


Artikel versenden: Post to Facebook Post to Twitter       Artikel kommentieren: Ein Kommentar

26Okt

Grünzeug am Mittwoch 038: KandidatInnen im Netzprofil

Irgendwie habe ich gerade so gar keine Lust, mir den Koalitionsvertrag vorzunehmen. Ich schaue lieber mal nach, wie die GLV-KandidatInnen (also die Kandidaten und Kandidatinnen für den geschäftsführenden Landesvorstand, der am 21./22.11.2009 gewählt wird) im Netznutzungsprofil so drauf sind. Diesmal mit 100% Überlänge.

GLV-1 ist die Bewerbung von Silke Krebs aus Freiburg, die Landesvorsitzende anstatt der Landesvorsitzenden werden will. Pünktlich zur Bewerbung gibt es ihre Website www.silke-krebs.de, aus der vielleicht eines Tages noch ein Blog wird. Sie twittert nicht; bei Facebook (126 Kontakte) outet sie sich als Douglas-Adams-Fan und Joggerin. Das letzte Update – Antiatom-Flashmob vor der CDU Stuttgart – ist wenige Minuten her.*

Ganz ähnlich GLV-2Chris Kühn aus Tübingen will Landesvorsitzender werden. Auch seine Seite www.chriskuehn.de erscheint eher statisch. Sein Facebook-Profil (271 Kontakte) ist polit-aktivistisch geprägt. Das letzte Statusupdate ist eine Woche her.

Der dritte Herausforderer ist GLV-3 Max Burger, der es vor zwei Jahren schon einmal versucht hat. Er wirbt auf einer Typo3-Standardseite des Landesverbands (wie auch Silke und Chris sehr textlastig). Ebenso ist er bei Facebook (362 Kontakte) und informiert dort umfangreich über politische und kulturelle Präferenzen. Statusupdates gibt es selten (das letzte ist vom 8.10.).

Der aktuelle Vorsitzende Daniel Mouratidis (seit 2005) geht unter GLV-4 ins Rennen. Er bloggt auf www.mouratidis.de Politisches aus Backnang, aus Baden-Württemberg und aus dem Bund, aber auch „Faits divers“, etwa zu Rolltreppen in Stuttgart. Bei Twitter (436 Follower, 941 Tweets) ist er rege aktiv, bei Facebook hat er 622 Kontakte. Dabei geht es sowohl um Politik wie auch um Spätzle und Knusperflocken. Zur Vollständigkeit: XING.

Auf GLV-5 schließlich die aktuelle Landesvorsitzende Petra Selg (seit 2005). www.petra-selg.de heißt ihre Seite, hier bloggt sie seit Mai 2009 vorwiegend Politisches, etwa aus dem Wahlkampf. Ihr Facebook-Profil erscheint dagegen noch recht leer und gesichtslos.

Wie ist das nun zu bewerten? Ist es wichtig, dass PolitikerInnen in sozialen Netzwerken präsent sind und über ihre Weihnachtseinkäufe oder ihre Landesvorstandstelefonkonferenzen berichten? Muss ein Politiker bloggen, muss eine Politikerin twittern?

Nicht notwendigerweise, deswegen würde ich auch nicht vorschnell von Aktivität auf Eignung für das Amt des bzw. der Landesvorsitzenden schließen. Auch das politische Web2.0 balanciert auf einem Grat zwischen Nähe und Peinlichkeit, Zeitvertreib und nutzlosem Zeitaufwand.

Was mir persönlich an der Web-2.0-Präsenz gefällt, ist der kurze Draht. Natürlich verfügen alle KandidatInnen über eMail und Telefon. Eine Kommentar bei Facebook erscheint mir jedoch niedrigschwelliger: ein Rückkanal zu Basis und Wählerschaft. Damit wird neben der menschlichen Seite auch das politische Profil klarer. Und nach dem sollte die Landesdelegiertenkonferenz letztlich entscheiden.

*Redaktionsschluss: Montag, 22 Uhr.


Artikel versenden: Post to Facebook Post to Twitter       Artikel kommentieren: 2 Kommentare

17Sep

Firmen pfeifen auf den Datenschutz

So ist zumindest das Ergebnis von Anfragen an Firmen, welche die Landesarbeitsgemeinschaft Demokratie, Recht, Innere Sicherheit und Migration der Landes-Grünen durchgeführt hatte. Über die letzten Monate verteilt haben wir Firmen angeschrieben und um Auskunft gebeten, welche persönlichen Daten sie über uns gespeichert hatten und wie sie damit umgehen. Obwohl eine rechtliche Auskunftspflicht besteht, haben nur ein Drittel der angeschriebenen Firmen geantwortet – einige immerhin sehr ausführlich.
Das ist wirklich eine ernüchternde Bilanz. Und wahrscheinlich auch ein Indiz darauf, wie lax immer noch mit Daten umgegangen wird. Deswegen fordern wir schon seit längerem endlich ein wasserdichtes Arbeitnehmerdatenschutzgesetz. Skandale von Firmen, die massenhaft Daten über ihre Arbeitnehmer und deren persönliche Umgebung gesammelt und ausgewertet hatten, gab es in der jüngsten Vergangenheit einige – siehe Bahn oder Telekom. Doch Schwarz-Rot konnte sich nicht einigen. Ein weiterer Grund, sie am 27.9. abzuwählen!


Artikel versenden: Post to Facebook Post to Twitter       Artikel kommentieren: Kommentar schreiben

24Jul

Alkoholverkaufsverbot: Nicht zielführend

Nächste Woche steht im Landtag die Entscheidung über ein nächtliches Alkoholverkaufsverbot an. Es hat über ein Jahr gebraucht, bis sich die CDU/FDP Koalition darauf geeinigt hat. In der letzten Zeit haben mich einige Journalisten deswegen angerufen, hauptsächlich deshalb, weil ein vor über einem Jahr geschriebener Artikel in meinem Blog auf Platz eins der Googlesuche steht – und ich das Gesetz ablehne. Nun hat sich seit der Diskussion vor einem Jahr noch einiges geändert. Im Kern sieht der Entwurf zwei Dinge vor: Erstens das Verbot von „Flatrate“-Parties und zweitens ein Alkoholverkaufsverbot zwischen 22 und 5 Uhr. Ersteres unterstütze ich. Flatrate-Parties dienen nun wirklich nur dazu, sich in möglichst kurzer Zeit möglichst viel hinter die Binde zu kippen. Ein allgemeindes Verkaufsverbot lehne ich aber ab.
Man braucht gute Argumente, die besonders geschützte Gewerbefreiheit wie auch der Verkauf eines legalen Produktes einzuschränken. Die Argumentation für dieses Verkaufsverbot ist aber verwirrend. Laut Vorlage sollen „alkoholbeeinflusste Straftaten und Ordnungsstörungen im öffentlichen Raumm während der Nachtzeiten“ entgegengetreten werden. In der öffentlichen Meinung will man aber damit insbesondere sich ins Koma saufende Jugendliche treffen, wie das Beispiel in Heidelberg zeigt. Das im Artikel zitierte Massenbesäufnis von Realschülern fand aber „am hellichten Tag“ statt. Das deckt sich auch mit den Aussagen eines Referenten, der bei der Fachanhörung von Brigitte Lösch diesen Montag bestätigte, dass Jugendliche Alkohol hauptsächlich vor 20 Uhr kaufen und der Einkauf an Tankstellen so gut wie keine Rolle spiele. Eine Maßnahme gegen „Komasaufen“ unter Jugendlichen ist es also nicht.
Erwachsene können dagegen in Gaststätten weiterhin trinken. Die etwas höheren Preise im Vergleich zur Tankstelle können sie eher verkraften. Zudem sollen paradoxerweise die Sperrzeiten in der Gastronomie mit der Einführung des Verkaufsverbotes verkürzt werden. Das war der Deal für die Zustimmung durch die FDP.
Für Strassenfeste, Hoffeste und mehr gibt es übrigens Ausnahmeregelungen. Der Gassenverkauf von alkoholischen Getränken wird weiter erlaubt sein. Sprich: Es wird weitterhin möglich sein, das Bier zum Mitnehmen in der Kneipe zu kaufen. Ich sehe schon die Dollarzeichen in den Augen von Imbissbudenbesitzer, die werden wohl in Zukunft ein gutes Geschäft machen. Das neue Gesetz ist also reines Placebo. Es wird kaum erreicht werden, was es vorsieht. An einigen Tankstellen wird es in Zukunft wohl ruhiger zugehen – aber bereits bisher haben einige Tankstellen im Umkreis von Diskotheken den Alkoholverkauf früher eingestellt. Das Feierabendbier wird man sich in Zukunft wohl nicht mehr an der Tankstelle, sondern in Gaststätten oder Dönerimbissen kaufen werden.
Um die Ziele des neuen Gesetzes also wirklich zu erreichen, müsste man, wenn man in der Logik der Landesregierung bliebe, den Gassenverkauf verbieten, den Alkoholverkauf deutlich früher verbieten, und die Kneipen früher schließen lassen. Ich halte aber diese ganze Prohibitions-Logik für nicht zielführend.
Besser wäre ein Maßnahmen-Mix um die Grenze zwischen Alkoholgenuss und Missbrauch ziehen zu können. Warum wird beispielsweise das Jugendschutzgesetz nicht konsequent eingehalten? Im Monatsheft des Statistischen Landesamtes kommt man zur Erkenntnis, dass es „keinen nennenswerten Unterschied gibt zwischen denen, die noch nicht dürfen und denen, die schon dürfen“ – beispielsweise Spirituosen trinken. Dann ist es wirklich erstaunlich, dass es eine Flasche Wodka bereits für weniger als fünf Euro im Supermarkt zu kaufen gibt. Und schließlich sollten wir uns Gedanken machen, warum so viele junge – aber auch ältere Menschen – häufiger und heftiger zur Flasche greifen, als sie es aus gesundheitlicher Sicht sollten.


Artikel versenden: Post to Facebook Post to Twitter       Artikel kommentieren: 4 Kommentare

07Jul

Endlich Abschalten! Anti-AKW-Demo in Neckarwestheim


Artikel versenden: Post to Facebook Post to Twitter       Artikel kommentieren: Ein Kommentar

Valides XHTML & CSS. Realisiert mit Wordpress und dem Blum-O-Matic -Theme von kre8tiv.
59 Datenbankanfragen in 1.233 Sekunden · Anmelden