Weiter zum Inhalt
bundestag
10Nov

Grünzeug am Mittwoch 040: Posten und Positionen

Inzwischen ist klar, wie die Bundestagsausschüsse durch die grüne Fraktion beschickt werden, und auch, wer die fünf Fraktionsarbeitskreise koordiniert und damit aller Wahrscheinlichkeit nach im Fraktionsvorstand vertreten sein wird. Schon vorher war klar, dass der AK 1 – Wirtschaft/Haushalt/Finanzen – wohl durch einen Baden-Württemberger koordiniert werden würde. Bisher war dies Fritz Kuhn (Heidelberg), der dieses Amt weiterhin ausüben wird, nachdem Gerhard Schick (Mannheim) keine Mehrheit erhalten hat. Die stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden werden am Donnerstag gewählt. Aller Voraussicht nach wird der Fraktionsvorstand dann aus Renate Künast und Jürgen Trittin als Vorsitzenden, Volker Beck als Geschäftsführer sowie Fritz Kuhn, Bärbel Höhn, Josef Winkler, Frithjof Schmidt und Ekin Deligöz bestehen.

Bündnis 90/Die Grünen werden zudem zwei Ausschussvorsitzende stellen. Ersten Infos zufolge sind dies der Vorsitz im Menschenrechtsausschuss (Tom Koenigs) und im Verkehrsausschuss. Dafür ist Winne Hermann (Tübingen) im Gespräch. Nicht nur aus baden-württembergischer Sicht: eine gute Wahl!

The candidates II

Und so verteilen sich die baden-württembergischen Abgeordneten auf die Ausschüsse (thematische Sprecherposten stehen noch nicht fest):

  • Kerstin Andreae: Wirtschaft und Technologie
  • Fritz Kuhn: Wirtschaft und Technologie
  • Sylvia Kotting-Uhl: Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung
  • Gerhard Schick: Finanzen
  • Beate Müller-Gemmeke: Arbeit und Soziales
  • Winne Hermann: Verkehr, Bau und Stadtentwicklung; Sport
  • Biggi Bender: Gesundheit
  • Alex Bonde: Haushalt
  • Ingrid Hönlinger: Recht
  • Memet Kilic: Innen; Petitionen
  • Agnieszka Malczak: Verteidigung

Artikel versenden: Post to Facebook Post to Twitter       Artikel kommentieren: 5 Kommentare

01Okt

Ein Blick nach vorn

Zweitverwertung aus meinem Blog:

Der grüne Nachwuchs freut sich mit Künast und Trittin über das gute Wahlergebnis. Jetzt aber müssen auch neue Gesichter vor, sagen die Jüngeren

schreibt die taz am heutigen Donnerstag, 1. Oktober 2009. NUNja. Macht sich ja immer gut, so ein Artikel. Ein bißchen Terz in den Bundestagsfraktionen ist ja für alles Mögliche gut. Für viele überraschend: sind die GRÜNEN schon alt genug für eine personelle Erneuerung. Sind das nicht alles noch junge PolitikerInnen?

Ja, sind sie. Nichts gegen PolitikerInnen, die keine 30 mehr sind. Oder 43. Sylvia Kotting-Uhl fällt mir da spontan ein – oder Christian Ströbele, den sie wahrscheinlich irgendwann einmal mit den Füßen voraus aus dem Bundestag tragen, wenn er weiterhin so souveräne Wahlergebnisse einfährt wie am vergangenen Sonntag.

Aber – es wird tatsächlich Zeit, dass die Garde, die die rot-grüne Regierungszeit maßgeblich mitgeformt und mitgetragen hat (und sie tweilweise bis heute auch durchgängig verteidigt) den Weg für die frei macht, die noch nicht so lange im Bundestag sitzen. Ich fände es spannend, wenn Künast und Trittin von sich aus auf die SprecherInnenposten verzichten würden und als Stellvertreter noch mit Rat und Tat im Sinne der Fraktion zur Verfügung stünden, aber andere Menschen die Fraktion nach außen repräsentierten. Gerhard Schick ist da einer meiner Kandidaten, der durch eine hohe Sachkompetenz in Finanz- und Haushaltsfragen längst den unsäglichen Bertelsmannclon Oswald Metzger hat vergessen machen. Oder Ekin Deligöz, die eine ambitionierte Familienpolitik betreibt und als  “Mutter” der grünen Kindergrundsicherung auch für eine neue grüne Sozialpolitik steht.

Und auch die Arbeitskreiskoordination sind kein Erbhof und könnten spätestens in der Mitte der Legislatur mit “jungen” Nachrückern besetzt werden – Hermann Ott als Klimaexperte, Wolfgang Strengmann-Kuhn als ‘Verfechter des bedingslosen Grundeinkommens (jung im Sinne von “noch nicht so lange im Bundestag). Als kleinste Oppositionspartei, die zwei von drei Wahlzielen verfehlt hat – und das unwichtigste erreichte, nämlich zweistellig zu werden – kann man, nein muss man einen Neuanfang wagen. Die alten Rezepte funktionieren nicht mehr richtig. Mit der richtigen Mischung aus alt und neu erreichen wir sicher wieder eine andere Wahrnehmung. Auch das hilft, grüne Gräben zwischen Flügel zuzuschütten – eine meiner wichtigsten Ziele für die nächsten Monate und Jahre.


Artikel versenden: Post to Facebook Post to Twitter       Artikel kommentieren: Kommentar schreiben

22Sep

Diskutiere mit Kerstin Andreae und Fritz Kuhn im Chat!

Chat mit Kerstin Andreae und Fritz Kuhn
Die Bundestagswahl steht vor der Tür. Und damit die entscheidende Weichenstellung dafür, ob es endlich zu einem Politikwechsel in Deutschland kommt.

Du möchtest wissen, wofür die Grünen stehen: Wie sehen die grünen Rezepte zur Überwindung der Wirtschaftskrise aus? Was wollen die Grünen für den Klimaschutz tun? Wie wollen die Grünen mehr soziale Gerechtigkeit und Teilhabe verwirklichen? Wie lassen sich die Bürgerrechte und der Datenschutz stärken? Was sagen die Grünen zum Atomausstieg, und wie sieht die Energieversorgung der Zukunft aus?

Hast Du diese oder ganz andere Fragen an uns Grüne? Dann mach mit beim Chat mit Kerstin Andreae und Fritz Kuhn am 25. und 26. September jeweils um 19 Uhr! Unsere beiden baden-württembergischen SpitzenkandidatInnen stellen sich Deinen Fragen und diskutieren mit Dir:

www.chat.gruene-bw.de


Artikel versenden: Post to Facebook Post to Twitter       Artikel kommentieren: Kommentar schreiben

26Jun

Netzsperren und Kinderpornografie: Zwei Grüne Standpunkte

In der letzten Woche hat der Bundestag mit 389 Stimmen von CDU und SPD das sogenannte „Gesetz zur Erschwerung des Zugangs zu kinderpornographischen Inhalten in Kommunikationsnetzen“ beschlossen. Das umstrittene Gesetz soll den Zugang zu Webseiten mit Kinderpornografie im Netz erschweren. Es verpflichtet deutsche Provider, Internetangebote zu blockieren, die das Bundeskriminalamt (BKA) auf seine täglich aktualisierte Sperrliste setzt. Zugriffe auf die Seiten werden zu einem Stopp-Schild umgeleitet und anonymisiert an das BKA weitergeleitet. Ein fünfköpfiges Expertengremium, das beim Bundesdatenschutzbeauftragten angesiedelt ist, soll die Sperrlisten des BKA kontrollieren.

33 Abgeordnete von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN stimmten gegen das Gesetz, 15 grüne ParlamentarierInnen enthielten sich. Wir ducken uns angesichts dieses Ergebnisses nicht weg, sondern legen die unterschiedlichen Sichtweisen dar und laden zur Diskussion ein. Im Blog erklärt die Bundestagsabgeordnete Sylvia Kotting-Uhl, warum sie sich bei der Abstimmung enthalten hat. Landesvorsitzender Daniel Mouratidis lehnt das Gesetz ab und erläutert seine Position.

Sylvia Kotting-Uhl:

Das Gesetzesvorhaben bewegte sich von Anfang an in einem nicht aufzulösenden Spannungsverhältnis zwischen Schutz- und Freiheitsrechten. Kindern gebührt jeder Schutz, den eine Gesellschaft bieten kann. Kinderpornographie ist das widerwärtigste Verbrechen an Leib und Seele junger Menschen, das man sich vorstellen kann. Durch das Internet hat die Möglichkeit, kinderpornographisches Material anzubieten, enorm zugenommen. Die Möglichkeiten, hier gesetzgeberisch einzuschreiten, können damit nicht Schritt halten.

Das Gesetz hat entsprechend Defizite in der Schlagkraft und Wirksamkeit. Ich teile aber nicht die Einschätzung völliger Wirkungslosigkeit. Dass die vom Internet-Provider errichteten Hürden möglicherweise leicht zu umgehen sind und Angebote sich verlagern werden, bedeutet nicht zwangsläufig, dass sich an Zugriffsleichtigkeit und Zugriffszahlen nichts ändert. Genau das wird nach zwei Jahren evaluiert. Auch können technische Regelungen allein nicht genügen. So ist die bessere Ausstattung aller zuständigen Behörden mit Personal und Sachmitteln unerlässlich und wird von uns gefordert. Das Gesetz wird Kinderpornographie nicht verhindern, es ist bestenfalls ein Baustein im Kampf dagegen.

Zu Recht stellt sich die Frage, ob das den Preis wert ist. Der Preis ist ein Einschnitt in die Freiheit des Internet. Dieser Einschnitt muss nicht zwangsläufig andere Einschnitte nach sich ziehen, aber ich verstehe die Bedenken. Bürgerrechte, Freiheit und Demokratie sind grundlegende Werte. Freiheit und Teile der Bürgerrechte werden in einer Demokratie Einzelnen als Antwort auf bestimmtes Verhalten aber durchaus abgesprochen. Ebenso hat die Freiheit des Einzelnen immer da ihre Grenzen, wo es um die Freiheit des Anderen oder um den Schutz der Allgemeinheit geht. Diese Grenzen bei jeder neuen Herausforderung in gesellschaftlichen und parlamentarischen Prozessen erneut auszuhandeln ist eine Aufgabe, der wir Grünen uns im Allgemeinen mit herausragender Intensität annehmen. Im Vorfeld dieser konkreten Abstimmung haben wir das nicht getan. Wir haben das enorme Spannungsfeld zwischen Schutz- und Freiheitsrechten nicht ausreichend beachtet.

Die Zuspitzung der Kritik an dem „Gesetzentwurf zur Bekämpfung der Kinderpornographie in Kommunikationsstrukturen“ auf die Begriffsschöpfung „Zensursula“ war für mich nahezu unerträglich. Die Beurteilung der komplexen Thematik wurde radikal auf den Zusammenhang Kinderpornographie und Zensur verkürzt. Für alle jenseits der Internet-Community, die zu dem komplexen Argumentationshintergrund keinen Zugang haben, heißt das: Grüne wollen keine Zensur bei Kinderpornographie. Nicht unbedingt eine positive Botschaft.

Das Spannungsfeld Freiheit im Netz – Bekämpfung der Kinderpornographie mit ALLEN Mitteln ist ein klassischer Wertekonflikt. Ich stehe dazu, dass für mich Schutzrechte von Kindern über der Freiheit im Netz stehen. Ich habe dem Gesetz wegen seiner Defizite nicht zugestimmt – aber auch, weil Parteitagsbeschlüsse, auch wenn sie ohne angemessene Debatte zustande gekommen sind, Bindewirkung haben.

Daniel Mouratidis:

Kinderpornografie gehört zu den widerwärtigsten Verbrechen, die wir kennen. Hinter jedem Opfer steht ein erschütterndes, persönliches Schicksal. Wir sind uns einig darin, der Herstellung und Verbreitung dieser Materialien den Riegel vorzuschieben.
Das Grüne Abstimmungsergebnis im Bundestag ist ehrlicher als das der FDP und der Linkspartei. Während der Abstimmung war ein Drittel der Linkspartei-Fraktion nicht anwesend. Das war sicherlich kein Zufall.
Dennoch halte ich die Enthaltungen in der Grünen-Fraktion für falsch. Das von der schwarz-roten Koalition eingebrachte Gesetz ist nahezu wirkungslos, aber es wird eine verfassungsrechtlich höchst bedenkliche Infrastruktur zur Sperrung von Internetseiten aufgebaut. Deswegen hätte es aus meiner Sicht keine andere Möglichkeit gegeben, als es abzulehnen.
Menschen, die auf der Jagd nach solchem Material sind, stolpern nicht zufällig auf diese Seiten. Sie suchen gezielt danach. Durch die Stopp-Schilder werden aber nicht die Seiten gelöscht, sondern nur der einfachste Zugang – der durch eintippen des Seitennamens – blockiert. Es ist sehr einfach, das zu umgehen. Anleitungen für Laien finden sich problemlos im Internet. Auf dem letzten Grünen Parteitag formulierte es Markus Beckedahl treffend: „Man reißt Seiten aus einem Telefonbuch, aber die Telefone sind weiterhin erreichbar.“ Und, um im Bild zu bleiben: Durch einen Anruf bei der Auskunft erhält man die dazu notwendige Nummer.
Wir halten also fest: Diese Sperren taugen nichts. Deswegen heisst die Devise „Löschen statt Sperren“: Die Inhalte auf den Servern müssen gelöscht werden. Die meisten davon stehen in westlichen Ländern. Dazu muss man die internationale Zusammenarbeit stärken. Richtig ran will die Bundesregierung hier wohl nicht.
Allerdings sind Sperrlisten und der Aufbau der für die Sperrung notwendigen Infrastruktur aus mehreren Gründen bedenklich. Erstens soll die geheime Sperrliste vom BKA aufgestellt werden, und von Zeit zu Zeit von einem Expertengremium kontrolliert werden. Die Bundesregierung hat sich hierbei eine Kommission unter der Leitung des Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar ausgedacht. Der will das aber gar nicht machen. Zudem ist es verfassungsrechtlich höchst bedenklich, dass das BKA die Sperrungen anordnen kann. Ohne richterliche Anordnung. Schließlich ist es ohne weiteres möglich, diese Sperrungen für eine Vielzahl von anderen Fällen anzuwenden. Damit ist der Zensur des Internets Tür und Tor geöffnet. Erste Stimmen aus den Reihen der CDU gab es bereits.
Zusammenfassend: Dieses Gesetz taugt nicht für den Zweck, für welchen es bestimmt ist, ist aber verfassungsrechtlich mit sehr heißer Nadel gestrickt. Insofern ist es keine Abwägung von Schutz der Einen gegen die Freiheit der Anderen, sondern die Inkaufnahme von wahltaktischem Murks in Kombination mit einer Einschränkung der Freiheitsrechte. Für eine Bürgerrechtspartei gibt es keine andere Möglichkeit als an diesem Punkt NEIN zu sagen. Und stattdessen sich für die bessere und wirksame Lösung einzusetzen: Löschen statt Sperren, und viel mehr tun, damit erst gar keine Kinder Opfer werden.


Artikel versenden: Post to Facebook Post to Twitter       Artikel kommentieren: 37 Kommentare

24Apr

Mit Plauderrunden kommen wir nicht aus der Krise!

Am Mittwoch traf sich die (männliche!) Spitze von Wirtschaft, Finanzen und Gewerkschaft im Kanzleramt. Das Ergebnis kann ich nüchtern nur als düster bezeichnen. Viel Ratlosigkeit auf einen Haufen! Die ein oder andere weibliche Eingebung hätte der Runde sicherlich nicht geschadet. Aber es sollte ja auch bloß ein „Meinungsaustausch“ sein. Die Krisen spitzen sich immer weiter zu, ich finde wir können von unserer Bundesregierung mehr erwarten als Plauderrunden im Kanzleramt.

Während die „Wirtschaftselite“ im Lande Kaffee getrunken hat, haben wir in der Bundestagsfraktion ein Positionspapier zur grünen Industriepolitik erarbeitet.

Die Lösung der Wirtschaftskrise und Klimakrise heißt nämlich zweimal Öko: Nur wer Ökonomie und Ökologie zusammen denkt, geht gestärkt aus der Krise hervor. Jetzt ist der entscheidende Moment um die Weichen des weltweiten Wirtschaftens neu zu stellen. Die Hannover-Messe feiert die mögliche Erneuerung der Industrie. Wir zeigen den (grünen) Weg dahin.

Die industrielle Produktion ist das Fundament unserer wirtschaftlichen Stärke und damit der Schlüssel für eine nachhaltige Neuausrichtung. Die gesamte Industrie vom kleinen Maschinenbaubetrieb bis zum Großunternehmen der Chemieindustrie muss jetzt ökologisch modernisiert werden.

Doch ob beim Emissionshandel oder den CO2-Grenzwerten für Autos: Deutschland verspielt mit seiner Blockadepolitik die Vorreiterrolle der EU auf dem Weg in eine CO2-arme Weltwirtschaft. Der Staat muss in der Krise als Moderator und Krisenmanager auftreten, anstatt blind und bedingungslos Geld in die Erhaltung veralteter Industriestrukturen und Großunternehmen zu pumpen. Der Stern-Report hat gezeigt: Jeder Euro, der heute in Abwrackprämie und Steuernachlässe für dicke Limousinen fließt, fehlt nicht nur dem Klimaschutz, sondern auch der Volkswirtschaft langfristig zwanzigfach. Das können wir uns nicht leisten.


Artikel versenden: Post to Facebook Post to Twitter       Artikel kommentieren: 2 Kommentare

Valides XHTML & CSS. Realisiert mit Wordpress und dem Blum-O-Matic -Theme von kre8tiv.
58 Datenbankanfragen in 1.253 Sekunden · Anmelden