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Abwrackprämie
09Jun

Grünzeug am Mittwoch 018: Die Wahl in Zahlen

  • 32: Parteien, die zur Europawahl in Deutschland angetreten sind
  • 13: Parteien, die bei der Europawahl in Deutschland mindestens 0,5% der Stimmen erhalten haben
  • 6: Parteien, die bei der Europawahl in Deutschland die 5%-Hürde übersprungen haben
  • 0: darunter Parteien, die nicht im Bundestag vertreten sind
  • 14: Sitze, die die Grünen in Deutschland und „Europe Ecologie“ in Frankreich jeweils bei der Europawahl erringen konnten
  • 3.193.821: Menschen, die in Deutschland bei der Europawahl grün gewählt haben
  • 45.955: Mitglieder von Bündnis 90/Die Grünen am 5.6.2009
  • 68,5: grüne WählerInnen, die nicht Mitglied sind, je Mitglied
  • 34,1: Kommunalwahlergebnis der Grünen in der Gemeinde Merzhausen (bei Freiburg), in Prozent
  • 14: Zahl der Sitze der Grünen/AL im Tübinger Gemeinderat (von 40)
  • 12: Zahl der Sitze der Grünen im Freiburger Gemeinderat (von 48)
  • 1: Abstand der Grünen zur zweitgrößten Partei, der CDU, in Stuttgart bei der Kommunalwahl, in Prozent
  • 3.100.000.000: projektierte Kosten von Stuttgart 21, in Euro
  • 1.300.000.000: Mittel zur Sanierung von Bahnhöfen und zum Ausbau der Schieneninfrastruktur aus dem Konjunkturpaket, in Euro
  • 5.000.000.000: Abwrackprämie, in Euro
  • 1.000.000: Arbeitsplätze, die der „green new deal“ laut Wahlprogramm von Bündnis 90/Die Grünen für die Bundestagswahl bringen soll
  • 51: Abgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag in der laufenden Legislaturperiode
  • 2: Angehörige des grünen Spitzenduos für die Bundestagswahl, in Personen
  • 11: Aktuelle Prognose, Grüne, Bundestagswahl 2009, in Prozent
  • 8: Prognose zum selben Zeitpunkt 2005, in Prozent
  • 109: Tage bis zur Bundestagswahl

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26Apr

Koalition wrackt munter ab…

Das große Abwracken geht in die nächste Runde. Am vergangenen Freitag haben CDU und SPD die Erhöhung der Abwrackprämie auf 5 Milliarden Euro in den Bundestag eingebracht. Ganze 30 Minuten Diskussion am Ende der Sitzungswoche war der Koalition dieses Thema wert. In der nächsten Sitzungswoche soll das ganze dann endgültig Gesetz werden.

Titel der Operation ist „Sondervermögen Investitions- und Tilgungsfonds“. Ein interessanter Fall von Etikettenschwindel. Denn was hier „Sondervermögen“ genannt wird ist kein Vermögen, sondern schlicht Schulden außerhalb des Haushaltes. Der zweite und dritte Etikettenschwindel besteht darin, dass weder eine Investition getätigt wird noch eine wirkliche Tilgung stattfindet. Auch hier wird nur getrickst: Getilgt wird die Verschuldung außerhalb des Haushaltes dadurch, dass Teile des Bundesbankgewinns abgezweigt werden. Diese kommen dann nicht mehr dem regulären Haushalt zugute. Die Schulden entstehen dann doch wieder dort. Der vierte Etikettenschwindel ist die Bezeichnung Umweltprämie. Doch mit Umwelt hat das ganze nichts zu tun. Es handelt sich um eine Abwrackprämie. Teile der Autos, die heute abgewrackt werden, sind zwar alt, aber nicht ökologisch schädlicher als Teile der Autos, die jetzt gekauft werden. Meistens bedeutet das neue Auto nur mehr Gewicht und mehr PS. Das Programm enthält keinen ökologischen Impuls, im Gegenteil: Den Energie- und Ressourceneinsatz beim Neubau von Autos blendet die Koalition zudem aus. Auch das ist bezeichnend für die Umweltpolitik der Großen Koalition.

Das ganze ist aber auch wirtschaftspolitisch falsch. Wenn wir uns ansehen, in welcher Krise sich die deutsche Wirtschaft, die deutsche Exportwirtschaft und die Automobilindustrie, befinden, dann erkennen wir, dass wir es nicht nur mit einer Konjunkturkrise zu tun haben, sondern auch mit einer Strukturkrise. Gerade in dieser Art von Krise geht es jetzt darum, die richtigen Impulse zu setzen, damit die Industrie mit neuen Produkten, die tatsächlich in die Märkte von heute und morgen passen,
innovativ vorangehen kann. Umwelt- und Klimaschutz sind der entscheidende Schlüssel. Denn heute steht folgende Frage an: Stemmen wir die Strukturreform der Wirtschaft, stemmen wir eine dritte industrielle Revolution in Richtung Umwelt- und Klimatechnologie?

Mit der Abwrackprämie machen CDU und SPD genau das Gegenteil. Denn sie lassen staatlich gefördert Autos bzw. Werte vernichten und schieben jetzt verfügbare alte Autos hoch subventioniert in den Markt. Auf dem Markt für Kleinwagen entstehen gewollt Vorzieheffekte. Dies führt dazu, dass in den nächsten Jahren in diesem Bereich die Nachfrage zusätzlich deutlich abnimmt und die Automobilindustrie damit überhaupt keine Impulse hat in diesem wichtigen Segment die überfällige technologischen Modernisierung anzugehen. Denn was Energieeinsparung und Klimaschutz angeht ist gerade der Bereich der Kleinwagen –trotz der geringeren Gewichte- nicht immer gerade vorbildlich. Die Strategie der Bundesregierung verschläft den Strukturwandel der Automobilindustrie, anstatt in beherzt anzugehen. Das ist kurzsichtig, wird den strukturellen Herausforderungen der Automobilindustrie nicht gerecht und gefährdet Arbeitsplätze bei Industrie und Zulieferern.

Die Strategie der Koalition muss man auch hinsichtlich der Prioritätensetzung hinterfragen. Wir sprechen hier über 5 Milliarden Euro. Es mag sein, dass viele im herrschenden Milliardenwahn schon gar nicht mehr wissen, was das wert ist. Ich will es mal anhand von drei Ministerien, die wirkliche Zukunftsfelder verantworten, deutlich machen:
- Den Etat des Ministeriums für Bildung und Forschung könnte man mit diesen 5 Milliarden um etwa 50 Prozent steigern. Bildng und Forschung ist etwas, von dem wir wissen, dass unser Wohlstand und unsere Arbeitsplätze existenziell davon abhängen.
- Den Haushalts des Ministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend könnte man um fast 100 Prozent steigern mit dem Geld der Abwrackprämie.
- Und wenn man die 5 Milliarden Euro stattdessen dem Umweltminister geben würden, dann würde man den Etat des Umweltministeriums um etwa 250 Prozent erhöhen! Das wäre eine wirkliche Umweltprämie…

Bei der Politik von CDU und SPD fragt man sich langsam, was da wirklich noch alles abgewrackt werden soll. Übrigens: auch wenn Steinbrück durch Tricks die Zahlen versucht zu beschönigen, die ehrliche Verschuldung des Bundes für 2009 liegt inzwischen bereits bei 93 Milliarden…


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24Apr

Mit Plauderrunden kommen wir nicht aus der Krise!

Am Mittwoch traf sich die (männliche!) Spitze von Wirtschaft, Finanzen und Gewerkschaft im Kanzleramt. Das Ergebnis kann ich nüchtern nur als düster bezeichnen. Viel Ratlosigkeit auf einen Haufen! Die ein oder andere weibliche Eingebung hätte der Runde sicherlich nicht geschadet. Aber es sollte ja auch bloß ein „Meinungsaustausch“ sein. Die Krisen spitzen sich immer weiter zu, ich finde wir können von unserer Bundesregierung mehr erwarten als Plauderrunden im Kanzleramt.

Während die „Wirtschaftselite“ im Lande Kaffee getrunken hat, haben wir in der Bundestagsfraktion ein Positionspapier zur grünen Industriepolitik erarbeitet.

Die Lösung der Wirtschaftskrise und Klimakrise heißt nämlich zweimal Öko: Nur wer Ökonomie und Ökologie zusammen denkt, geht gestärkt aus der Krise hervor. Jetzt ist der entscheidende Moment um die Weichen des weltweiten Wirtschaftens neu zu stellen. Die Hannover-Messe feiert die mögliche Erneuerung der Industrie. Wir zeigen den (grünen) Weg dahin.

Die industrielle Produktion ist das Fundament unserer wirtschaftlichen Stärke und damit der Schlüssel für eine nachhaltige Neuausrichtung. Die gesamte Industrie vom kleinen Maschinenbaubetrieb bis zum Großunternehmen der Chemieindustrie muss jetzt ökologisch modernisiert werden.

Doch ob beim Emissionshandel oder den CO2-Grenzwerten für Autos: Deutschland verspielt mit seiner Blockadepolitik die Vorreiterrolle der EU auf dem Weg in eine CO2-arme Weltwirtschaft. Der Staat muss in der Krise als Moderator und Krisenmanager auftreten, anstatt blind und bedingungslos Geld in die Erhaltung veralteter Industriestrukturen und Großunternehmen zu pumpen. Der Stern-Report hat gezeigt: Jeder Euro, der heute in Abwrackprämie und Steuernachlässe für dicke Limousinen fließt, fehlt nicht nur dem Klimaschutz, sondern auch der Volkswirtschaft langfristig zwanzigfach. Das können wir uns nicht leisten.


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26Mrz

Hemdsärmelig

Das Wort kommt mir bei so manchen Krisenrettungsaktionen der letzten Zeit in den Sinn. Hemdsärmelig: Das heißt, Jackett ausziehen und loslegen. Mit den Händen. Aber wäre es nicht besser, auch den Kopf mitwirken zu lassen? Hemdsärmelig heißt immer auch, jetzt muss es schnell gehen, hoppla hopp. Und was später draus wird, überlegen wir: – später.
Wenn es nun also die Abwrackprämie (ein sehr hemdsärmeliger Begriff) bis Jahresende gibt, waren wir wieder mal schnell und beherzt zugange. Nur: was kommt danach? Wir haben bewirkt, dass sich all diejenigen Menschen mit neuen Autos eindecken die – vielleicht mangels Geldmangel – ihre Autos lange nutzen (mind. neun Jahr). Blöderweise bedeutet es aber auch, dass genau diejenigen vermutlich einige Jahre lang keine Auto kaufen werden. Mit zweierlei bösen Folgen: der Autoabsatz dürfte auf niedrigem Niveau verharren. Schlecht für die Autoindustrie. Und auch für die Umwelt. Denn jetzt sind neue Kleinwagen zwar klimafreundlicher als der alte Ford Taunus , aber so richtig CO2-arm sind die meisten dann doch nicht. Strenge Klimaregeln für die Prämie gab es ja nicht. Genau in dieser Sparte dürften dann auf Jahre nicht viel neue Autos abzusetzten sein. Dabei hoffen wir doch alle, dass es bald einen CO2-Ausstoss senkenden Innovationsschub auch bei Kleinwagen gibt. Mit deutlichen energiesparenden Motoren oder anderen Antrieben. Aber wer soll die dann kaufen? Wird uns dann wieder erzählt, die Leute seien wohl doch nicht so interessiert am Ökoauto? Wie schon mal Matthias Wissmann (VdA): „Müsliautos interessieren keinen.“

Die Liste der Hemdsärmeligkeiten ließe sich fortsetzen, ich mache lieber einen Genderschwenk. Hemdsärmelig ist eindeutig männlich. Niemand verbände, wenn es ihn gäbe, mit dem Begriff blusenärmelig puren Tatendrang. Vielleicht deshalb, weil Frauen risikobewusster sind (siehe Anke Domscheit am 23.03.09 in der taz)?

Mehr zu Grüne, Umwelt, Autos und Mobilitiät unter http://www.gruen-macht-mobil.de/


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23Mrz

Grüne Industriepolitik – Antwort auf die Krise?

Die ersten Wochen meiner Babypause habe ich genutzt, um mit meinen KollegInnen in Berlin an einem Positionspapier zur Grünen Industriepolitik zu arbeiten. Wir schließen damit eine programmatische Lücke, die uns immer mehr auf die Füße gefallen wäre, gerade jetzt im Superwahljahr.
Finanzmarkt- und Klimakrise sind systemische Krisen. Sie bieten aber auch die Chance zur nachhaltigen Modernisierung der Industrie. Wir müssen diese Chance nutzen, um die globale Wirtschaft auf eine CO2-arme Basis umzustellen. Material und Energie sparen: Das ist der Kern der jetzt anstehenden dritten industriellen Revolution. Mit den dafür notwendigen neuen Ideen erschließen wir neue Märkte. Dabei setzen wir auf zweimal Öko: Ökonomie und Ökologie. Wir wollen nicht ganze Industriezweige verlieren, sondern alle erneuern. Das ist grüne moderne Industriepolitik.
Die Industriepolitik der SPD und CDU/CSU setzt vor allem auf die Erhaltung der bestehenden industriellen Struktur und ist rein auf die Großindustrie ausgerichtet. Die grüne Industriepolitik setzt dagegen auf die aktive Gestaltung des Strukturwandels und nimmt alle Betriebe in den Blick. Nur so werden Arbeitsplätze in der Industrie und unternehmensnahen Dienstleistungen langfristig gesichert.

Der Staat ist jetzt als Krisenmanager und –moderator gefragt. Auch für die jetzt eingesetzten Mittel muss gelten, dass sie nicht nur einen kurzfristigen Konjunkturimpuls setzen, sondern auch einen langfristigen Nutzen zeitigen. Nach dem Stern-Report vermeidet jeder heute eingesetzte Euro für den Klimaschutz bis zu 20 € an Folgekosten durch Klimaschäden. Das bedeutet: jeder Euro, der heute in Abwrackprämie und Steuernachlässe für dicke Limousinen fließt, fehlt nicht nur dem Klimaschutz, sondern langfristig auch der Volkswirtschaft und zwar zwanzigfach.
Ich hoffe sehr, dass wir mit diesem Papier eine konstruktive Debatte in der Partei angestoßen haben.


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