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05Mrz

Freitags aus Freiburg Nr. 13: Aufwachen, die Herren Mappus, Westerwelle und Goll!

Es ist schon unglaublich, mit welchen Tatsachenverdrehungen derzeit ALG II-Empfänger_innen schlecht gemacht werden.

Ministerpräsident Mappus meint anmahnen zu müssen, dass „derjenige, der morgens aufsteht und arbeitet, mehr haben muss als der, der liegen bleibt“. Nun ist erstens der Alltag der wenigsten ALG II-EmpfängerInnen vom morgendlichen gemütlich im Bett bleiben geprägt, zweitens hat der Paritätische Wohlfahrtsverband gerade in einer Studie belegt, dass das sogenannte Lohnabstandsgebot in Deutschland erfüllt ist. Meine Replik auf Mappus findet ihr hier.

Vizekanzler Westerwelle meint zu wissen, es gebe „zu viele Fälle, in denen die Leistungen, die eigentlich für die Kinder gedacht sind, in einen neuen Fernseher investiert werden.“ Und das direkt nach dem Karlsruher Urteil, in dem festgestellt wurde, dass die bisherigen Regelsätze für Kinder keine gerechte Bildungsbeteiligung ermöglichen. Wer steht denn da der Chancengerechtigkeit im Wege?

Vizeministerpräsident Goll wiederum überwand mal kurz sein schweres Leiden an möglichen rechtlichen Risiken beim Kauf der Steuersünder_innen-CDs, um Westerwelle zur Seite zu springen. Politik würde nach dem Prinzip Brot und Spiele betrieben, der Staat könne nicht die Folgen jeder individuellen Lebensentscheidung abfedern. Am selben Tag war in der Zeitung zu lesen, die Insolvenzen in der Region Stuttgart seien im letzten Jahr um 20 Prozent gestiegen, vor allem betreffe es kleinere, von Zuliefern abhängige Betriebe. Deren Mitarbeiter hatten bestimmt individuell geplant, wg. riskanter Börsenspekulationen u.a. in den USA, der folgenden Finanz- und darauf folgenden Wirtschaftskrise ihren Job zu verlieren, oder?

Vielleicht sollten die schwarz-gelben Herren mal z.B. die Studie des IAB zum Engagement von ALG II-Empfänger_innen lesen.  Dort wird ihnen Aktivität und Flexibilität bescheinigt. Sich beim Forschungsinstitut der Arbeitsagentur schlau zu machen, bevor man mit haltlosen Argumenten auf andere einkloppt, könnte man von ausgeschlafenen Politiker_innen schon erwarten. Das haben die Herren aber wohl verpennt.

Wir werden sie wachrütteln,

Silke

P.S.: Selbstverständlich gibt es auch beim ALG II Leistungsmissbrauch, die Sanktionsrate liegt in Baden-Württemberg bei ca. 3%. Und es gibt Familien, die ihre Kinder nicht ausreichend fördern (können). Öffentliche Diffamierung aller durch Regierungschefs oder -mitglieder hilft da aber sicher nicht weiter. Zumindest den wirklichen finanziellen Schaden richten ganz andere an, siehe Steuersünder_innen-CD.

P.S.S: Hoffentlich ist die CD vom vielen hin- und her reichen jetzt nicht so verkratzt, dass die Daten nicht mehr auslesbar sind.


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26Feb

Freitags aus Freiburg Nr. 12: Tigerentenvirus in Stuttgart

Die meisten finden ja, der Tigerente wird bitteres Unrecht getan, wird sie in Zusammenhang mit dem zankenden Koalitionshaufen in Berlin gebracht. Doch nun droht ihr noch mehr Ungemach: Die baden-württembergische Tigerentenvariante nimmt sich aktuell ein Vorbild an der Berliner Kollegin. In Sachen Steuer-CD ist der Koalitionsfriede dahin. FDP-Goll (Justizminister) lehnt den Kauf strikt ab, weil er ihn rechtsstaatlich nicht für vertretbar hält. Es wirkt schon ein bisschen dramatisiert, wenn er den Kauf für Hehlerei hält, wird der rechtliche Rahmen vom Bund doch ganz anders eingeschätzt. Und er hätte ja auch einfach vor zwei Jahren den grünen Vorstoß anlässlich der Lichtensteinaffairen aufgreifen können und eine rechtliche Grundlage schaffen.
CDU-Stächele (Finanzminister) hält die rechtlichen Probleme für überwindbar und schließt sich der Argumentation des Bundes an, in der Abwägung zwischen illegaler Herkunft der Daten und dem Auftrag der Bekämpfung von Straftaten wie Steuerbetrug könne und solle man die CD kaufen.
Die gelben und schwarzen Streifen der Tigerente also auch hierzulande deutlich im Konflikt Dazwischen eingeklemmt: Stefan Mappus. Der hat nun nach längerem Hin und Her tatkräftig entscheiden: Da sollen sich mal besser andere die Finger schmutzig machen, die CD können ja vom Bund gekauft werden. Für diesen entscheidungsstarken Führungsstil hat er sich eigentlich den Angela-Merkel-Orden am Bande verdient.
Fazit, mit Renate Künast gesprochen: Aus diesen Ehen wird nichts mehr. Höchste Zeit, dass Tigerenten wieder für die Suche nach Panama (ist das nicht auch ein Steuerparadies?) stehen und das Regieren wieder anderen überlassen.


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19Feb

Freitags aus Freiburg Nr. 11: Hochliterarisch

Heute schwingt sich der Blogeintrag zwecks Krankheit zu literarischen Höhen auf: Er erscheint im hochmodernen Copy&Paste-Stil (früher nannte man das Plagiat, soll total in sein). Da ich es zugleich aber mit dem Minimalismus habe, werden die einzelnen Bausteine nicht ineinanderkopiert, sondern erscheinen als schlichte Links. Zen-Copy&Paste also. Und wie viele große Erfindungen wurde auch diese aus ganz pragmatischen Gründen erfunden: Die Erkältung  hindert mich am selber ausdenken, so verweise ich nur auf zwei Artikel aus der taz zum Thema Hartz IV, die im Niveau deutlichst andere Beiträge zur Debatte (zum Beispiel die des Vizekanzlers) übertreffen: Einmal Ralph Bollmann zu den historischen Hintergründen hier und einmal Barbara Dribbusch zur Sachlage hier. Absolut lesenswert ist beides!


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12Feb

Freitags aus Freiburg Nr. 10: Kunterbuntes

Kommt heute aus einer kurzen Pause im Cafe in Stuttgart. Diesmal als kunterbunter Wochenrückblick: Samstag stand ganz im Zeichen unseres ersten Kreisvorständetreffens. Bei mir ist besonders die hochmotivierte Stimmung hängen geblieben und so freu ich mich auf die gemeinsamen Demos und Aktionen gegen eine Laufzeitverlängerung für Neckarwestheim und auf die Programmdebatte und andere Vorbereitungen auf die Landtagswahl. Wir sind jetzt schon so gut im Schwung, das wird klasse!

Der Montag war der Abarbeitung der Todo-Liste gewidmet, abends ging es zur Klausur unserer Landesgeschäftsstelle. Zum geselligen Teil kommen die Vorsitzenden doch gerne! Dienstag ging’s dann dafür dort weiter mit arbeitsamer Wahlkampfvorbereitungen. Neben Ernsthaften haben wir aber auch über pfiffige Aktionen nachgedacht. By the way: Hat jemand eine tolle Idee für eine grüne Vorwahlkampfsilvesteraktion? Ich war für mit Konfetti gefüllte Handfeuerwerke (rein mechanisch). Vielleicht fällt jemand was besseres ein?

Der Mittwoch begann mit kalten Füßen und einer tollen Aktion zum Amtsantritt von Mappus. Richtig gruselig, wenn man über die Schulter blickt und hat elf Mappusse hinter sind. Darunter steckten aber hoch sympathische und tapfer der Kälte trotzende junge Grüne. Das Presseecho war klasse, bundesweit war zu lesen, dass Mappus kein mutiger Schritt in die Zukunft ist, wie in Baden-Württemberg dringend nötig hätte. Gestern war dann wieder unspektakulär, der GLV hat die letzten Vorbereitungen für die heutige Landesvorstandssitzung getroffen, eilig an Vorlagen gestrickt und Termine geplant. Mit dem Landesvorstand geht es jetzt auch gleich los, Euch ein schönes Fasnetswochenende. Narri!


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05Feb

Freitags aus Freiburg Nr. 9: Des Kultusministers Starrsinn

Heute aus Hohenlohe, denn dort waren Chris und ich gestern auf Vor-Ort-Tour. Und konnten uns anschauen, was des Kultusministers Starrsinn anzurichten droht. Die Gemeinde Mainhardt hat vor drei Jahren auch auf Anraten des Landes über 3 Mio. in den Ausbau ihres Schulzentrums investiert. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: schöne Mensa (so schön, dass der Gemeinderat jetzt lieber dort tagt), helle, bunte, gut eingerichtete Betreuungsräume für die Ganztagsbetreuung, die mit viel ehrenamtlichem Einsatz angeboten wird. Man merkt dem Rektor und dem Schulzentrum (das aus Grund- Haupt- und Realschule besteht) an, mit wie viel Engagement hier ein lebendiges Schulleben gestaltet wird. Und dem Bürgermeister, wie stolz er zurecht darauf ist. Denn auch da ist Mainhardt vorbildlich: Hier wird mit der Priorität für Bildung ernst gemacht und kräftig investiert.

Wie kommt jetzt der Kultusminister ins Spiel? Es ist mal wieder das Werkrealschulkonzept, das reingrätscht. Es wird immer deutlicher, dass es gerade für den ländlichen Raum genau wie befürchtet ein Hauptschulschließungskonzept ist. Eine vor Ort gewollte Kooperationsvariante mit der Nachbarhauptschule in Wüstenrot wird den beiden einzügigen Hauptschulen vom Kultusministerium verwehrt, nun versuchen sich beide alleine durchs Konzept zu hangeln, das wird mindestens in einem, wenn nicht in beiden Fällen auf kurz oder lang an den Vorgaben zu den Schüler_innenzahlen scheitern. So wird einem lebendigen Schulzentrum die Zukunft verbaut, um ein paar Paragraphen eines unsinnigen Gesetzes glücklich zu machen. Oder dessen Autor Minister Rau. Dabei ist doch klar, dass gerade im Ländlichen Raum die Zukunft der Schulen und der Dörfer in neuen Schulmodellen mit mehreren Abschlüssen im Angebot liegt. Und Mainhardt ist kein Einzelfall, vieler Orten hört man ähnliche Geschichten. Wir dürfen nicht zulassen, dass dem starrsinnigen Festhalten Raus und der CDU am drei-, eigentlich vier (mit Förderschulen) und nun 4,5-gliedrigen (mit Werkrealschule) Schulsystem flächendeckend die ländlichen Schulen geopfert werden, statt sie durch mehr Flexibilität für die Zukunft zu stärken!


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