Darauf gibt es mehrere Antworten.
Ein Grund zum Jubeln, weil mit dem heutigen Verbot durch die Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner die Felder in Deutschland dieses Jahr weitesgehend gentechnikfrei bleiben (Ausnahme: räumlich begrenzte Freilandexperimente mit Gentech-Pflanzen). Kurz vor der Maisaussaat hat die Ministerin die schon lange umstrittene Maissorte MON 810, die die von der EU einzig genehmigte genetisch veränderte Pflanze zum kommerziellen Anbau ist, ihr offizielles Aus erhalten. Auch andere EU-Staaten sind hier bereits ausgeschert: Österreich, Ungarn, Frankreich, Griechenland und jüngst Luxemburg. Ein Schlag ins Gesicht des US-Biotechkonzerns Monsanto, der permanent in der Kritik steht: Gentechnik, Unterdrücken kritischer Stimmen, Patente auf Leben, Strategien um Bauern in nicht so entwickelten Ländern in eine Abhängigkeit durch Terminatorsaatgut zu treiben. Soweit so gut: eine faktische Absage an die Grüne Gentechnik für das nächste Jahr jedenfalls.
Ein Grund zum Jubeln auch, weil die jahrelangen intensiven Proteste und bunten Gegenaktionen, die Ablehnung der Mehrheit der Bevölkerung und auch die Forderungen der Grünen endlich Früchte tragen. Sozusagen ist die Saat der GentechnikgegnerInnen endlich aufgegangen. Engagieren kann sich also doch lohnen.
Allerdings ganz sorglos jubeln kann man nicht, denn es stellt sich die Frage, ob das Verbot von MON 810 nicht auch ein Wahlgeschenk ähnlich der Abwrackprämie ist. Schließlich konnte man schon beim Ex-Landwirtschaftsminister Seehofer beobachten, wie wankelmütig er ist: hatte er MON 810 selbst zugelassen (und so einen der Verdienste der grünen Ministerin für Verbraucherschutz Renate Künast zu zerstören versucht), hat er mittlerweile eine 180° Kehrtwende gemacht seit er CSU-Vorsitzender und Ministerpräsident von Bayern ist, weil es dort eine ziemlich starke Stimmung gegen die grüne Gentechnik gibt, auch und gerade im konservativen Milieu. Und die CSU fürchtet natürlich angesichts der 5%-Hürde um ihren Einzug ins Europaparlament.
Auch die Landwirtschaftsministerin Aigner taugt nicht als Ikone der Proteste gegen die grüne Gentechnik. Sie betont immer wieder „es sei keine politische Entscheidung“ und verweist auf Studien, die eine Schädigung der Umwelt belegen. Es handle sich also nur um eine Einzelfallentscheidung. Das Sinnbild der konsequenten Ablehnung grüner Gentechnik ist das nicht, die Sachentscheidung als solche ist aber natürlich trotzdem zu begrüßen.
Ärgerlich ist auch die Kurzfristigkeit des Verbotes, denn viele Bauern haben sich natürlich schon mit Saatgut eingedeckt, das jetzt verboten ist.
Und als Grüne fühlt man sich wieder selbst bestätigt und kann doch ein kleines Gefühl des Ärgers nicht unterdrücken. Denn wir fordern so häufig etwas, wofür wir jahrelang als SpinnerInnen abgetan werden, bis es auf einmal Konsens ist und alle anderen Parteien, das angeblich immer schon wollten.
Sei´s drum: Wir freuen uns über Felder frei vom Gendreck.
Wer sich weiter zum Thema Gentechnik informieren will, kann das zum Beispiel bei der Grünen Bundestagsfraktion tun.
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