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09Mrz

Grünzeug am Mittwoch 057/058: Frauen, Männer und 23 Prozent

Auch in grünen Wahlkämpfen wird – nach dem Motto „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ – eine Zahl immer wieder genannt: die Aussage, dass zwischen Frauen und Männern ein Unterschied von 23 Prozent in der Entlohnung besteht. Kurz vom dem Internationalen Frauentag am Montag wurden Daten der europäischen Statistikbehörde veröffentlicht, die diesen „gender pay gap“ noch einmal deutlich vorgeführt haben.

Recht ausführlich hat beispielsweise die FAZ darüber berichtet. Kurz die wichtigsten Zahlen (Bezugsjahr ist hier 2008): EU-weit beträgt die Differenz in der Entlohnung zwischen Frauen und Männern 18 Prozent, in Deutschland sind es 23 Prozent mit leicht steigender Tendenz, ganz vorne liegen Estland mit 30 und Tschechien mit 26 Prozent. Am geringsten fällt die Differenz in Italien aus – 5 Prozent.

Es ist jetzt allerdings leicht, diese Zahlen falsch zu verstehen – und sie sind trotzdem alarmierend. Was hier gemessen wird, ist die prozentuale Differenz des durchschnittlichen Bruttostundenverdiensts zwischen allen weiblichen und allen männlichen abhängig Beschäftigten in einem Land. Das bedeutet, dass die deutlich höhere weibliche Teilzeitquote direkt keine Rolle spielt: pro Stunde sollte der Lohn in einer 20-Stunden-Stelle bei gleicher Qualifikation etc. genauso hoch ausfallen wie der Stundenlohn in Vollzeit. Indirekt wirkt dies natürlich trotzdem, weil Führungspositionen immer noch sehr selten in Teilzeit vergeben werden. Wichtig ist, dass der „gender pay gap“ nicht Löhne in gleichen Branchen oder in gleichen Arbeitsverhältnissen vergleicht, sondern – vermutlich deutlich – durch typische Frauen- und typische Männerberufe beeinflusst wird. Nicht berücksichtigt ist zudem die Frauenerwerbsquote (das erklärt einige der niedrigen Werte).

Anders gesagt: die Aussage, dass in Deutschland 23 Prozent Unterschied im Durchschnittsstundenlohn bestehen, heißt nicht unbedingt, dass Frauen für die gleiche Arbeit schlechter bezahlt werden als Männer (auch das kommt vor, und ist noch immer ein Problem). Einen deutlich größeren Einfluss haben geschlechtsspezifische Berufswahlen: Frauen arbeiten häufiger in Bereichen, die schlechter bezahlt sind. So formuliert klingt das zunächst einmal nach individuellen Entscheidungen – die sind es aber nicht. Vielmehr spielen Stereotype (Mann verdient das Geld, Frau arbeitet nur nebenbei und erzieht die Kinder) und beispielsweise die verfügbare Infrastruktur in der Kinderbetreuung hierbei eine große Rolle – aber auch die Frage der Mindestlöhne als „untere Grenze“ kommt ins Spiel. Sehr viel genauer erklärt dies Friederike Maier (auch hier).

Fazit dieser Doppelnummer des Grünzeugs am Mittwoch: der „gender pay gap“ ist ein deutlicher Indikator für bestehende Ungleichheiten und große Baustellen für ein emanzipatorisch-feministisches Programm. Dahinter steht aber nicht an vorderster Stelle die ungleiche Bezahlung für gleiche Arbeit, sondern die strukturelle Ungleichheit in der Erwerbstätigkeit in Deutschland aus Gender-Perspektive. Und genau da kann und muss die Politik ansetzen.


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02Mrz

Grünzeug am Mittwoch 056: Linda, Amflora, Xynthia und die Piratinnen

Die Tage sind kürzer geworden. Nicht der Frühling, der hat, mal abgesehen von Xynthia, den umgekehrten Effekt, sondern das Erdbeben in Chile. Sagt jedenfalls die NASA – es geht um Mikrosekunden. Apropos Frühling: der IPCC-Bericht enthält zwar Fehler – aber keine, die den Klimawandel als solchen in Frage stellen. Weshalb, erklärt Hermann Ott. Welche Aussagen der IPCC-Bericht zur Kartoffelernte enthält, ist mir nicht bekannt. Kartoffeln sind allerdings heute durchaus Thema. Weil die EU-Kommission den Anbau der BASF-Genkartoffel Amflora genehmigt hat. Es gibt aber auch gute Nachrichten: Linda is back – und darf jetzt lizenzfrei angebaut und vermehrt werden. Statt vom Kartoffelacker zu Ackermann und von da zu Westerwelle zu kommen (Wie wär’s mit einem Gesetz zur genauen Offenlegung aller Parteieinnahmen?) – springe ich lieber von der bisher im Fall Linda notwendigen Biopiraterie zur Piratenpartei. Deren Parteigründungsprozess macht Fortschritte. Nach „Junge-Freiheit“-Interviews und Kriegsfans im Bundesvorstand sorgt jetzt die Gender-Thematik für Furore. Trotz der Ausheblung jeglicher real existierender Diskriminierungen per Satzungsdefinition („der Pirat hat kein Geschlecht“), wurde vorgeschlagen, eine Mailingliste nur für weibliche Mitglieder einzurichten. Aus grüner Sicht ein ganz normaler Vorgang – bei Piratens Auslöser einer Löschdebatte, die es bis in den Spiegel schaffte. Und beim Herzensthema Vorratsdatenspeicherung? Da jubeln Piraten noch, wo Grüne schon analysieren.


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12Aug

Grünzeug am Mittwoch 027: Zeitpolitik

Zeitverwendung in den USA 2008Vor einigen Tagen bin ich auf ein interessantes Diagramm gestoßen: eine interaktive Visualisierung der Ergebnisse einer Untersuchung über die Zeitverwendung in den USA (wie üblich für großartige interaktive Visualisierungen: in der New York Times). Dargestellt ist – über 24 Stunden hinweg – der Anteil der AmerikanerInnen, die zu jedem Zeitpunkt bestimmten Aktivitäten (Schlafen, Hausarbeit, Erwerbsarbeit, usw.) nachgehen. Beispielsweise schlafen um 10 Uhr morgens 9% der amerikanischen Bevölkerung, 32% gehen einer Erwerbstätigkeit nach und 13% sind im Haushalt tätig. Besonders interessant ist dieses Diagramm, weil sich sowohl einzelne Dimensionen im Detail betrachten lassen als auch einzelne Gruppen nach Geschlecht, Erwerbsstatus, Alter usw. ausgewählt und betrachtet werden können.

Was hat das nun mit Politik zu tun? Auch wenn für Deutschland nur gröbere Daten vorliegen, so zeigen sich doch Auch für Deutschland (Zeitbudgeterhebung 2001/2002) zeigen sich ganz deutliche Unterschiede in der Zeitverwendung zwischen verschiedenen sozialen Gruppen. Plakativ und bekannt sind die Unterschiede nach Geschlecht, wenn es um die Erwerbsarbeitszeit und die Zeit für Hausarbeit und Kinderbetreuung geht. In der US-Studie wird z.B. deutlich, wie Fernsehkonsum und Bildungsgrad zusammenspielen.

Letztlich werfen solche Darstellungen die definitiv politische Frage danach auf, wie eine Gesellschaft organisiert sein muss, damit alle sinnerfüllenden Tätigkeiten nachgehen können, aber auch Zeit haben für familiäre und gesellschaftliche Pflichten, für „Freizeit“ – und nicht zuletzt für genügend Schlaf.

Nachtrag: Dank an Bernd W. für den Hinweis darauf, dass auch die Zeitbudgetstudien des Statistischen Bundesamts auf Erhebungen im 10-Minuten-Takt basieren. Insofern ist es natürlich Unsinn, davon zu sprechen, dass für Deutschland nur gröbere Daten vorliegen – eine Visualisierung wie die aus den USA ist mir allerdings trotzdem bisher nicht bekannt.


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14Jul

Die Freie Union und ihre Frauenbeauftragte

Es hat schon einen komischen Beigeschmack, wenn Kader Loth zur Frauenbeaufragte der Frauen Union Freien Union ernannt wird. Den meisten dürfte der Name nicht sehr geläufig sein. Die ehemalige „Miss Penthouse“ ist in den vergangenen Jahren vor allem durch ihre Auftritte in Reality-Shows des Privatfernsehens und durch etliche BILD-Artikel einem gewissen Publikum bekannt geworden. Sie hat sich allerdings in der Vergangenheit weder durch ein besonderes Interesse für Politik im Allgemeinen, noch durch ein besonderes Engagement für die Rechte der Frauen im Besonderen ausgezeichnet. Nun übernimmt sie einen Posten in der Freien Union.

Diese Partei ist nur für ihre Parteivorsitzende und -gründerin Gabriele Pauli bekannt und nicht für irgendwelche Inhalte. Und ausgerechnet jetzt, knapp zweieinhalb Monaten vor der Wahl, wird eine C-Prominente öffentlichkeitswirksam zur Frauenbeauftragten ernannt.

Traurig, dass der Posten der Frauenbeauftragten für so einen billigen PR-Coup herhalten muss.


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09Mrz

Grüne Aktivitäten zum Weltfrauentag

Zum diesjährigen Weltfrauentag waren wir Grünen wieder auf den verschiedenen Ebenen aktiv. Meine Co-Vorsitzende Petra Selg nahm sich das Thema Lohngerechtigkeit vor. Es ist völlig unverständlich, warum Frauen für gleichwertige Arbeit immer noch rund 23% weniger Lohn erhalten als Männer.

Brigitte Lösch, die frauenpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion, setzte sich für mehr Frauen in den Kommunalparlamenten und in Führungspositionen ein und fordert: „Die Zeit der hehren Worte ist vorbei. Wir wollen Taten sehen!“ Die Landtagsfraktion lud in diesem Zusammenhang letzte Woche ein zum Thema „Der gläserne Aufzug – warum bleiben die Frauen stecken?“, um deutlich zu machen, dass wir nicht zufrieden sind mit nur 18% Frauen in den Führungsetagen des Landes.

Die Grüne Jugend mahnte  an, dass eine demokratische Gesellschaft ohne tatsächlich realisierte Geschlechtergerechtigkeit unvollständig bleibt. Mit einer Aktion in Karlsruhe unterstrichen sie dieses Anliegen.

Aber auch die Grünen Männer setzten unter dem Motto „Genderpolitik ist jedermanns Sache“ Zeichen: Eine ganze Reihe von Landesvorsitzenden, Bundes- und Kommunalpolitiker fordern auf Inititative von Jan Philipp Albrecht die Männer zu mehr Engagement für Gleichstellungspolitik auf. Mir hat dieser Aufruf sehr zugesprochen – und deswegen gehöre ich auch zu den Unterzeichnern.

Viele Grüne haben im gesamten Bundesgebiet Veranstaltungen besucht und durchgeführt – auch in Backnang, wo beispielsweise die desiginierte Bundestagskandidatin Ulrike Sturm mit dabei war.

Welche Veranstaltungen gab es bei Euch anlässlich des Weltfrauentags? Schreibt doch bitte mittels  der Kommentarfunktion, was es im Land noch alles stattfand!


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