08Mai
Silke Krebs in: Frauenpolitik,Freitags aus Freiburg,Wirtschaft & Soziales.
(naja, weder ist Freitag, noch bin ich in Freiburg, aber so heißt nun mal die Kolumne)
Ganz aktuell ein kleiner Erlebnisbericht vom heutigen Podium des Landesfrauenrats zu Frauenperspektiven in der Wirtschaftskrise. Schon der Einstieg war klasse, ein Referat von Prof. Dr. Gabriele Michalitsch, Politikwissenschaftlerin und Ökonomin aus Wien. Ich kannte sie schon vom Ladies Lunch der Böll-Stiftung in Berlin, auch diesmal war sie wieder präzise, klar und offensiv. Frei von Biologismen analysiert sie exakt Geschlechterungerechtigkeiten in Wirtschafts- und Arbeitswelt. Und stellt dar, das Frauen von der Krise zwar verzögert, aber dafür anhaltender betroffen sind und sein werden. Das bestätigte die ebenfalls sehr klare und gut vorbereitete Eva Strobel, Vorsitzende der Bundesagentur für Arbeit für Ba-Wü mit ihren Zahlen und Fakten.
Beim Podium selber gab es Überraschungen und Erwartbares. Zu den Überraschungen zählte Marion Johannsen von Südwestmetall: Engagiert plädierte sie z.B. für die Abschaffung des Ehegattensplittings als Fehlanreiz für Frauenerwerbstätigkeit und für mehr Ganztagsbetreuung. Mit diesen Forderungen habe sie sich schon sehr früh in die Nesseln gesetzt, das glaubt man ihr sofort. Marion von Wartenberg kannte ich schon, es ist aber immer noch eine große Freude, wie weiblich und feministisch der DGB auch erscheinen kann. Frauen in die Tarifkommissionen war ihr Plädoyer, genau! Schön ist auch, wenn der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Dr. Rainer Prewo, sich klar zur 40%-Quote in Aufsichtsräten bekennt. Leider eher Erwartbares kam von Dr. Hans-Ulrich Rülke, Fraktionsvorsitzender der FDP im Landtag. Zur Quote fiel ihm z.B. nur ein, dass seine Frau da dagegen sei, weil Frauen dann als Quotenfrauen nicht geachtet werden. Soll man da nun heulen oder lachen? Nach 24 Jahren erfolgreiche Quote kann man da als Grüne nur den Kopf schütteln.
Mein Plädoyer für gemischte Führungsgremien kam positiv an, schließlich ist der bessere wirtschaftliche Erfolg solcher Führungsstruktur inzwischen empirisch belegt. Gerade die jüngste Zeit zeigt doch, dass es z.B. in der männerdominierten Finanzwelt an Risiko- und Verantwortungsbewusstsein fehlt. Solche Qualitäten gedeihen aber nun mal nicht so sehr in Boys Clubs, sondern mehr, wenn unterschiedliche Sichtweisen kooperieren.
Souverän moderiert wurde das Podium von Dr. Susanne Kaufmann vom SWR. Ein Dank an den Landesfrauenrat für die gute Veranstaltung. Nach einem Tag mit so viel fitten Frauen kann frau trotz Krisen nur zuversichtlich in die Zukunft schauen.
P.S.: Typisch für Frauenwelten war dann aber auch, dass es in der Mittagspause mit mir noch eine Vorstandsfrau des Landesfrauenrats schnell ums Eck in den Bio-Supermarkt zog. Die Wochenendeinkäufe wollen schließlich auch erledigt sein!
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05Mai
Till Westermayer in: Das Netz,Frauenpolitik,Grünes,Grünzeug am Mittwoch.
Um mal ein paar weit auseinanderliegende Themenfelder zusammenzubringen: Unter den 17 Abgeordneten in der heute gestarteten Internet-Enquete beträgt der Frauenanteil 4/17 = 23,5%. Davon sind 100 % in den Oppositionsfraktionen. Bei den Sachverständigen sieht’s etwas besser aus: 5/17 = 29,4%. Und auch hier: überwiegend sind es die Oppositionsfraktionen, die weibliche Sachverständige gefunden haben. Ob die Ergebnisse der Enquete anders aussehen würden, wenn sie quotiert wäre?
Die Hebammen für Deutschland starten heute ihre ePetition zum Problem der immens angestiegenen Versicherungskosten für Hebammen – und machen auch generell auf diesen oft unterschätzen Berufsstand aufmerksam. Um beim Thema Quote zu bleiben: Die Zahl männlicher Hebammen in Deutschland ist verschwindend gering. Dagegen hatte die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe bis heute – wenn ich das richtig sehe – nur männliche Vorsitzende (Zahlen zur Zahl der „weiblichen Frauenärzte“ habe ich leider auf die Schnelle nicht gefunden). Wie wirken Geschlecht, politische Rahmenbedingungen und berufliches Ansehen hier zusammen – und was würde eine Quote ändern?
Bald ist in NRW Landtagswahl. Die grüne Liste ist natürlich quotiert. Bis zur Landtagswahl in Baden-Württemberg ist es noch etwas hin. In den sieben bisher aufgestellten Wahlkreisen gibt es eine Frau und sechs Männer (Frauenanteil 14%). In der Fraktion sind 7/17 = 41,1% Frauen. Würde die Landtagspolitik anders aussehen, wenn landesweit eine quotierte Liste aufgestellt werden könnte? Oder eine Spitzenkandidatin?
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14Apr
Till Westermayer in: Familienpolitik,Frauenpolitik,Grünes,Grünzeug am Mittwoch,Wirtschaft & Soziales.
Wie von Silke schon erwähnt, gibt es ein grünes Männermanifest (ergänzendes beim Mitunterzeichner Dieter Janecek). Vieles am Manifest gefällt mir sehr gut. Wobei: eigentlich brauchen wir statt einem Mannifest ein Gender_fest. Oder – die Wortspiele werden jetzt etwas peinlich – ein Gender_offen. Soll heißen: so wichtig es ist, die Relevanz von Feminismus, Gleichstellung und Geschlechtergerechtigkeit aus „Männersicht“ klar zu machen, so wichtig wäre es, in der Partei einen die Geschlechterkategorien übergreifenden, breiten Diskussionsprozess über moderne Geschlechterpolitik anzustoßen. Vielleicht ist es auch Zeit für eine für alle offene „BAG Geschlechterpolitik“.
Obwohl viel richtiges drinsteht, bleibt – bei der Perspektive kaum zu vermeiden – auch beim Männermanifest die Geschlechterpolarisierung nicht aus. Mir wäre es wichtig, dass der Ausgangspunkt für eine moderne grüne Geschlechterpolitik eben nicht die Biologie ist. Die bestehenden, mit Macht aufgeladenen Geschlechterverhältnisse – gesellschaftliche Strukturen, die Chancenungleichheit (meist zu Lasten von Frauen) herstellen und forttragen – müssen weiter Thema sein. Hier hilft z.B. die Quote. Quer dazu liegen lebenslagenspezifische Herausforderungen, wie beispielsweise das Leben mit Kindern und Karriere. Viele Probleme sind dabei unabhängig vom Geschlecht. Erschwerend – für Frauen und für Männer – kommen dominierende Rollenerwartungen hinzu.
Ziel wäre es letztlich, um das Manifest zu zitieren, „die Vision einer Gesellschaft verschiedenster Individuen, die unter gleichen Bedingungen zusammenleben“ politisch auszuformulieren.
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26Mrz
Silke Krebs in: Frauenpolitik,Freitags aus Freiburg,Wirtschaft & Soziales.
Freitags aus Freiburg heute zu einem Frauenthema. Nicht der Alliteration wegen, sondern weil heute der 26.3. ist. Und der ist dieses Jahr Equal Pay Day. Der Tag im Jahr also, an dem die Frauen zusammen soviel in der Lohntüte haben, wie die Männer als Gesamtjahresverdienst am 31.12. auf der Habenseite verbuchen konnten. Damit möglichst bald der Equal Pay Day an Silvester gefeiert wird, gibt es ein paar zündende grüne Ideen. Diese haben der baden-württembergische Landesvorstand, einige Abgeordnete und ich in ein Papier gepackt. Uns ist vorallem wichtig zu zeigen, dass die Lohnungleichheit zwischen Frauen und Männer ein paar klar benenn- und belegbare Ursachen hat und es auch konkrete politische Ideen gibt, wie diese beseitigt werden können. Für uns gilt am Equal Pay Day: Nicht nur beklagen, handeln. Wir sind dafür gerüstet. Hier unsere Konzepte.
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23Mrz
Till Westermayer in: Die Anderen,Frauenpolitik,Grünzeug am Mittwoch,Wirtschaft & Soziales.
Die heutige taz berichtet, dass SPD-Chef Gabriel auf einer Versammlung von Betriebsräten gesprochen hat (siehe auch meinen Leserbrief dazu).
In dem Artikel heißt es, dass die SPD prekäre Arbeit „bekämpfen“ und dafür sorgen will, dass der »unbefristete, sozialversicherungspflichtige Vollzeitjob“ wieder zur Regel wird. Meine Interpretation: die SPD hat aus Hartz-IV gelernt, verkennt aber die gegenwärtigen Realitäten und vor allem den ökologischen Imperativ, der – trotz Green New Deal – einem ungehinderten Wachstum Grenzen setzt. Leitbild der SPD scheint die „gute alte Zeit“ der „fordistischen“ 1960er und 1970er Jahre zu sein. Mal abgesehen davon, dass die damalige Vollbeschäftigung vor allem Männer meinte, und dass Sorge- und Familienarbeit von Frauen im Hintergrund den „Vollzeitjob“ der Männer erst möglich machte, ignoriert die SPD, dass Globalisierung und technische Rationalisierung heute eine Situation herbeigeführt haben, in der die gut bezahlte standardisierte Fabrikarbeit nicht mehr Maß der Dinge sein kann.
Statt zurück in die Vergangenheit zu blicken, müsste es eher darum gehen, wie prekäre Beschäftigungsformen (Befristung, Teilzeit, Minijob) in einer solidarischen Moderne sozial abgesichert werden können, und unter welchen Rahmenbedingungen Flexibilisierung mehr Freiheit für alle Beschäftigten bedeuten kann. Ich persönlich präferiere da ein Grundeinkommen, sehe aber auch andere Wege. Ein Verbot prekärer Beschäftigung schafft jedenfalls eher Probleme als Arbeitsplätze.
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