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16Feb

Grünzeug am Mittwoch 054: Wie transparent soll eine Partei sein?

Wie transparent soll – oder kann – eine Partei sein? Der grüne Anspruch an die Öffentlichkeit politischer Versammlungen ist recht hoch. Beispielsweise ist es in der Regel überhaupt kein Problem, auch als Nichtmitglied an örtlichen Mitgliederversammlungen, Landes- oder Bundesparteitagen teilzunehmen. Zwar ohne Stimmrecht, aber mit der Möglichkeit, den Abschluss der Meinungsbildungsprozesse live zu erleben. Ein Beispiel für politische Transparenz im grünen Umfeld sind die finanziellen Rechenschaftsberichte einzelner Abgeordneter.

DIE GRÜNEN wurden gegründet, bevor das Internet als Medium existierte. Lange war die Grundhaltung stark technikskeptisch. So wurden noch im Orwelljahr 1984 ISDN und Glasfaser politischen abgelehnt, weil Überwachungsmöglichkeiten und Arbeitsplatzverluste befürchtet wurden. Erst mit der massenhaften Verbreitung von PCs und mit dem Aufschwung des Internet kam ein Wechsel in der Grundhaltung zustande. Unter den Bundestagsparteien sind wir seit Jahren die mit der größten Netznutzung (pdf). Es gibt das Wurzelwerk. Wir hatten mal nen virtuellen Parteitag. Trotzdem: zwischen dem Parteiinnenleben und dem, was darüber im Netz zugänglich ist, besteht nach wie vor ein Bruch.

Ganz anders die PIRATEN – das Wiki der Piratenpartei ist ein zentrales Medium, in dem Parteitage vorbereitet werden, die Mitgliederentwicklung detailliert dokumentiert ist und Anträge entstehen. Alles öffentlich (sichtbar). In diesem Wiki herumzustöbern ist für Politjunkies spannend. Zuviel der Transparenz – oder ein Vorbild für uns?


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05Jan

Grünzeug am Mittwoch 048/049: Verfahren in Software gegossen

Diesmal mal als Doppelnummer in Überlänge …

Heute stand bei heise, dass der Berliner Landesverband der PIRATEN mit der Software LiquidFeedback das Konzept der „Liquid Democracy“ (mehr hier) in Software gießen und als Tool zur Vorbereitung von Parteitagen und Abstimmungen ausprobieren möchte.

Ich habe mir das Tool mal kurz angeschaut, natürlich mit dem Blick darauf, ob es zur Vorbereitung grüner Parteitage tauglich wäre. Bisher bin ich eher skeptisch – zum einen wirkt einiges am Interface noch nicht so ganz ausgereift. Das größere Problem sehe ich aber darin, dass hier letztlich der komplette Vorlauf der Antragsstellung fast 1:1 in Software umgesetzt wird (statt Komplexität zu reduzieren, wird Komplexität abgebildet), und dass insbesondere die Grundidee der jederzeit beendbaren themenspezifischen Delegation sich mit dem status quo grüner Antragserstellungsverfahren beißt. Die Hürden für dieses Tool sind also technisch wie politisch hoch.

Was aber wäre notwendig, um den Prozess z.B. der Erstellung eines Landtagswahlprogramms partizipativer zu gestalten? Das letztlich von einem Parteitag beschlossene Programm ist ein Text. Auch Änderungsanträge sind ausformulierte Texte (und manchmal wird dann um das sprichwörtliche Komma gerungen). Sie werden von einer offenen Gruppe von AntragstellerInnen eingebracht. Ein Tool zur gemeinsamen Arbeit am Programmtext müsste demnach den Erstentwurf oder zumindest eine thematische Gliederung anzeigen. In einer zweiten Spalte müsste es dann möglich sein, mit Bezug auf bestimmte Textteile des Originals in Gruppen an Alternativtexten zu arbeiten, zu kommunizieren (Forum/Chat) und Entscheidungen zu treffen. Fertige Änderungsanträge mit genügend UnterstützerInnen können dann „eingefroren“ werden – und würden an der passende Stelle im Erstentwurf als solche angezeigt. Wie und für wen der Diskussionsprozess sichtbar ist, müsste diskutiert werden.*

Ich bin mir ziemlich sicher, dass es genau dieses Tool bisher nicht gibt, die einzelnen Bestandteile existieren aber bereits (und notfalls kann auch ein für das Verfahren überhaupt nicht passendes Tool – wie z.B. ein Wiki, ein Forensystem (wie der Virtuelle Parteitag 2000) oder auch ein Blog – entsprechend umgenutzt werden, wenn die Software nicht zu viele „technische“ Einschränkungen macht). Es gibt Versionsverwaltungen, es gibt kooperative Texteditoren, es gibt mitgliedsorientierte Web-2.0-Tools. Es gibt Abstimmungstools und Chats. Wenn Wurzelwerk so toll wäre, wie es sein könnte, würde es ein Tool zur antragsorientierten Textarbeit anbieten. Tut es aber nicht, und die Nutzungshürden für das Wurzelwerk erscheinen mir auch zu groß, um darauf aufzubauen.

Als Fazit: 1. Liquid Feedback ist zu sehr einem bestimmten Konzept von Demokratie verschrieben, um aktuell sehr nützlich zu sein. 2. Ein technisches System sollte kein bestimmtes Verfahren vorschreiben, um sich auf Anträge zu einigen. 3. Programmerstellung ist Textarbeit – im Kern geht es darum, unterschiedliche Änderungsvorschläge zu einem (langen) Text zu verwalten – und dafür ein möglichst hürdenfreies System bereit zu stellen. 4. Anträge müssen weiterhin auch „klassisch“ stellbar sein. 5. Ein solches System sollte nicht auf einen bestimmten Parteitag zugeschnitten sein, sondern Programmtexte jeder Art in definierten Zeiträumen bearbeiten können.
___
* Um es nochmal plastisch zu machen: Ausgangspunkt ist ein existierender Text, z.B. ein Kapitel zur Verkehrspolitik. Dort steht beispielsweise drinne, dass Stuttgart 21 weiterhin abgelehnt wird. Irgendwer sieht das anderes und macht den Vorschlag, über den Absatz Stuttgart 21 mit dem Ziel zu diskutieren, eine neutrale Position einzunehmen. Er oder sie richtet also eine „ÄnderungsantragsstellerInnen-Gruppe“ zu diesem Absatz ein. In der Gruppe wird per Forum, Chat und Multipersonentexteditor ein Änderungsantrag entworfen und solange darüber diskutiert und daran gefeilt, bis er fertig erscheint. Die Gruppe – zu der im Prozess weitere Aktive zustoßen können (und zwar per Mausklick, ohne kompliziertes Prozedere) – signalisiert (nach einer mehr oder weniger formalisierten Abstimmung), dass der Änderungsantrag fertig ist. Im Haupttext zur Verkehrspolitik steht am Rand am Anfang des Absatzes zu Stuttgart 21 nun ein Kästchen „Ä-350-3″, dass beim Anklicken den Änderungsantrag anzeigt, und Unterstützung bzw. Kommentare dazu zulässt.


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27Nov

Impressionen von der Landesdelegiertenkonferenz


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26Okt

Grünzeug am Mittwoch 038: KandidatInnen im Netzprofil

Irgendwie habe ich gerade so gar keine Lust, mir den Koalitionsvertrag vorzunehmen. Ich schaue lieber mal nach, wie die GLV-KandidatInnen (also die Kandidaten und Kandidatinnen für den geschäftsführenden Landesvorstand, der am 21./22.11.2009 gewählt wird) im Netznutzungsprofil so drauf sind. Diesmal mit 100% Überlänge.

GLV-1 ist die Bewerbung von Silke Krebs aus Freiburg, die Landesvorsitzende anstatt der Landesvorsitzenden werden will. Pünktlich zur Bewerbung gibt es ihre Website www.silke-krebs.de, aus der vielleicht eines Tages noch ein Blog wird. Sie twittert nicht; bei Facebook (126 Kontakte) outet sie sich als Douglas-Adams-Fan und Joggerin. Das letzte Update – Antiatom-Flashmob vor der CDU Stuttgart – ist wenige Minuten her.*

Ganz ähnlich GLV-2Chris Kühn aus Tübingen will Landesvorsitzender werden. Auch seine Seite www.chriskuehn.de erscheint eher statisch. Sein Facebook-Profil (271 Kontakte) ist polit-aktivistisch geprägt. Das letzte Statusupdate ist eine Woche her.

Der dritte Herausforderer ist GLV-3 Max Burger, der es vor zwei Jahren schon einmal versucht hat. Er wirbt auf einer Typo3-Standardseite des Landesverbands (wie auch Silke und Chris sehr textlastig). Ebenso ist er bei Facebook (362 Kontakte) und informiert dort umfangreich über politische und kulturelle Präferenzen. Statusupdates gibt es selten (das letzte ist vom 8.10.).

Der aktuelle Vorsitzende Daniel Mouratidis (seit 2005) geht unter GLV-4 ins Rennen. Er bloggt auf www.mouratidis.de Politisches aus Backnang, aus Baden-Württemberg und aus dem Bund, aber auch „Faits divers“, etwa zu Rolltreppen in Stuttgart. Bei Twitter (436 Follower, 941 Tweets) ist er rege aktiv, bei Facebook hat er 622 Kontakte. Dabei geht es sowohl um Politik wie auch um Spätzle und Knusperflocken. Zur Vollständigkeit: XING.

Auf GLV-5 schließlich die aktuelle Landesvorsitzende Petra Selg (seit 2005). www.petra-selg.de heißt ihre Seite, hier bloggt sie seit Mai 2009 vorwiegend Politisches, etwa aus dem Wahlkampf. Ihr Facebook-Profil erscheint dagegen noch recht leer und gesichtslos.

Wie ist das nun zu bewerten? Ist es wichtig, dass PolitikerInnen in sozialen Netzwerken präsent sind und über ihre Weihnachtseinkäufe oder ihre Landesvorstandstelefonkonferenzen berichten? Muss ein Politiker bloggen, muss eine Politikerin twittern?

Nicht notwendigerweise, deswegen würde ich auch nicht vorschnell von Aktivität auf Eignung für das Amt des bzw. der Landesvorsitzenden schließen. Auch das politische Web2.0 balanciert auf einem Grat zwischen Nähe und Peinlichkeit, Zeitvertreib und nutzlosem Zeitaufwand.

Was mir persönlich an der Web-2.0-Präsenz gefällt, ist der kurze Draht. Natürlich verfügen alle KandidatInnen über eMail und Telefon. Eine Kommentar bei Facebook erscheint mir jedoch niedrigschwelliger: ein Rückkanal zu Basis und Wählerschaft. Damit wird neben der menschlichen Seite auch das politische Profil klarer. Und nach dem sollte die Landesdelegiertenkonferenz letztlich entscheiden.

*Redaktionsschluss: Montag, 22 Uhr.


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25Sep

Twitter-Aktion: „Ich wähle GRÜN, weil…“

Twitter-Aktion: Ich wähle Grün!Du wählst bei den Bundestagswahlen GRÜN? Dafür gibt es viele gute Gründe. Sag Deinen Followern per Tweet, warum Du GRÜN wählst – und unterstütze uns damit in den letzten 72 Stunden vor der Wahl! Über unser Aktions-Tool kannst Du einen der vielen guten Gründe verschicken.

Wenn Du aus einem ganz anderen Grund GRÜN wählst, dann poste den doch einfach in einem individuellen Tweet und hänge das Hashtag #iwg09 an.

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