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21Feb

Freiheit im 21. Jahrhundert

In einem Interview mit der ZEIT sinniert der FDP General über den Liberalismus von heute. Darin kritisiert er mit Seitenhieb in Richtung der Grünen, dass das Labeln von Lebensmitteln mit grünen, gelben oder roten Punkten Zensur gleich kommt – und damit unfrei macht. Ich hatte Lindner, der sich ja als ein Vertreter des „mitfühlenden Liberalismus“ versteht, stets als liberalen Vordenker der FDP wahrgenommen, der auch wegen seines jungen Alters in der Lage ist, Fluch und Segen des Liberalismus für eine moderne Gesellschaft zu beschreiben. Da habe ich mich aber offensichtlich getäuscht, denn Lindner sieht noch immer einzig und allein im Staat den gierigen Leviathan, den nur der Markt in seine Schranken weisen kann. Wer nach wie vor an diesem Dogma hängt, hat nicht verstanden, was Freiheit im 21. Jahrhundert bedeutet: Dezentrale Energieversorgung statt Oligopolen, faire Bildungschancen als Bürgerrecht oder einen starken Verbraucherschutz beispielsweise als Antwort auf einen intransparenten und hoch komplexen Markt von Lebensmitteln bis hin zu sozialen Netzwerken. Und schnell wird klar, dass der (nicht erst seit der Revolution am Nil) hohe Wert der Freiheit bei den Grünen besser vertreten wird als beim deutschen Steuersenkungs-Tea-Party-Pendant der FDP. Die FDP steht in Umfragen nicht deswegen so schlecht da, weil sich die Leute vom Liberalismus abwenden, sondern weil sie die FDP nicht (mehr) als treibende Kraft für eine freie, offene und tolerante Gesellschaft sehen. Auch deswegen dürfen die Grünen der FDP künftig nicht mehr die Deutungshoheit über den Begriff der Freiheit überlassen!


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08Feb

Grünzeug am Mittwoch 105: Landtagswahl-Hitparade (Teil II)

Ich habe ja einen kurzen Moment lang darüber nachgedacht, ob ich statt grüner Inhalte lieber was zu den sieben Sündenfällen Mappus‘ schreiben soll. Aber die Inhalte haben gesiegt. In Fortsetzung von Teil I geht es hier also weiter mit meiner subjektiven Auswahl der besten Punkte aus dem Landtagswahlprogramm. Und zwar aus dem Bildungsteil.

Über Bildung ganz allgemein: „Bildung ist für uns GRÜNE mehr als der bloße Erwerb von Qualifikationen für den Arbeitsmarkt. Bildung bedeutet auch, die Persönlichkeit zu entfalten, soziale Kompetenzen zu erlernen und die Demokratie wertzuschätzen.“ (S. 93)

Über Kleinkinderbetreuung: „Wir GRÜNEN setzen uns für die vollständige Umsetzung des Rechtsanspruchs auf einen Platz in einer Betreuungs- und Bildungseinrichtung für Kinder unter drei Jahren (U3) ab 2013 ein. Dafür müssen in den nächsten Jahren erhebliche zusätzliche Mittel eingesetzt werden.“ (S. 95)

Über den Übergang in die Schule: „Wir wollen aber Kinder nicht ’schulreif‘ trimmen, vielmehr sollen Lehrkräfte und ErzieherInnen in gemeinsamer Verantwortung den Übergang jedes Kindes von der Kita in die Grundschule konzeptionell vorbereiten und begleiten.“ (S. 96)

Über Gender im Kindergarten: „Da der Anteil des männlichen Personals aktuell bei nur 2 Prozent liegt, müssen gezielt junge Männer als Erzieher angeworben werden.“ (S. 98)

Über die Schulmodelle: „Die Landesregierung blockiert bislang rigoros alle innovativen Schulentwicklungsinitiativen […]. Dies ist Ausdruck der bürokratischen Verkrustung unseres Bildungswesens sowie der Angst vor einer neuen freiheitlichen und lebendigen Schulkultur. Wir GRÜNEN stehen für eine Schulentwicklung von unten und wollen dafür die notwendigen Freiräume schaffen.“ (S. 100)

Über Ethikunterricht: „Wir wollen neben Religion Ethik als gleichberechtigtes Wahlpflichtfach ab der 1. Klasse anbieten. Dies wollen wir im Schulgesetz verbindlich verankern.“ (S. 115)

Über Qualität in der Breite an Hochschulen: „Das einseitige Schielen auf die ‚Elite‘ führt hochschulpolitisch in die Irre. Wir GRÜNEN möchten die Förderung für alle Hochschulen des Landes verbessern,
um Spitzenleistungen an vielen Orten zu ermöglichen.“ (S. 125)

Über weiter geöffnete Hochschulen: „Wir wollen mehr beruflich Qualifizierte, mehr Menschen mit Migrationshintergrund, mehr Arbeiterkinder und mehr ausländische Studierende an unseren Hochschulen. Wir brauchen mehr Teilzeitstudiengänge, weil das berufsbegleitende Studium oder auch das Studieren mit Kindern zunimmt.“ (S. 126)

Über Arbeit an Hochschulen: „Wir wollen die Zahl fester Beschäftigungsverhältnisse im Mittelbau erhöhen und wissenschaftliche Karrieren neben der Professur ermöglichen. […] Wir setzen uns für gute Arbeitsbedingungen an den Hochschulen ein – unabhängig davon, ob jemand befristet oder unbefristet, im wissenschaftlichen Bereich oder in der Verwaltung tätig ist.“ (S. 127)

Über Demokratie: „Zu Recht haben Studierende in den vergangenen Semestern mehr Mitsprache und Demokratie an den Hochschulen gefordert.“ (S. 129)

Über Bologna: „Neue Eckpunkte für eine Reform der Bachelor- und Masterstudiengänge sollen landesweit in einem vom Land moderierten Prozess erarbeitet werden. Hierbei sollen – neben Regierung und Parlament – die HochschulmitarbeiterInnen und insbesondere die Studierenden beteiligt werden.“ (S. 131)

Über Forschung: „Wir treten dafür ein, dass Grundlagenforschung und langfristiges Denken gestärkt werden. Interdisziplinarität und problemlösungsorientierte Forschung wollen wir stärken und dabei den Erkenntnissen aus den Sozial- und Geisteswissenschaften wieder mehr Geltung verschaffen – im Austausch mit den Natur- und Technikwissenschaften.“ (S. 133)

Über Open Access: „Nachhaltige Wissenschaft sucht die Auseinandersetzung mit der Öffentlichkeit, weil sie an der Anwendung ihrer Ergebnisse interessiert ist. Deshalb treten wir dafür ein, dass die Ergebnisse aller öffentlich geförderten Forschungsvorhaben umgehend auch öffentlich zugänglich gemacht werden.“ (S. 135)

Über Hochschulfinanzierung: „Kürzungen der Etats der verschiedenen Hochschulen gegenüber dem heutigen Stand wird es angesichts des enormen zusätzlichen Bedarfs an Studienplätzen und Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung in der Lehre mit uns GRÜNEN in der Legislaturperiode 2011–2016 nicht geben.“ (S. 137)

Über Studiengebühren: „Das Studium muss – unabhängig vom Einkommen der Eltern – für alle Studierwilligen möglich sein; deshalb fordern wir GRÜNEN ein gebührenfreies Erststudium bis zum Masterabschluss bzw. bis zum derzeit noch existierenden Staatsexamen.“ (S. 137)


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29Dez

Grünzeug am Mittwoch 099: Fünf Fragen an … Winfried Kretschmann

Wie bereits 2006 ziehen Bündnis 90/Die Grünen Baden-Württemberg wieder mit dem Fraktionsvorsitzenden Winfried Kretschmann als Spitzenkandidaten in den Wahlkampf. Anders als 2006 ist er aber diesmal mehr als nur die grüne Identifikationsfigur – diesmal könnte es mit Grün-Rot klappen, und damit ist der Spitzenkandidat auch der grüne Vorschlag für den Ministerpräsidenten. Entsprechend groß ist das Interesse überregionaler Medien (z.B. taz, ZEIT oder SPIEGEL).

In meiner kleinen Vorstellungsrunde zum Spitzenpersonals darf der Spitzenkandidat natürlich nicht fehlen. Die Eckdaten sind bekannt: bis 1977 Studium an der Uni Hohenheim „in linksradikalen K-Gruppen“, seit 1980 – mit Unterbrechungen – Mitglied des Landtags, seit 2002 grüner Fraktionsvorsitzender. Daneben über viele Jahre als Lehrer für Biologie, Chemie und Ethik tätig, und bis heute vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken bis zum Schützenverein Laiz vielfach ehrenamtlich engagiert. Mehr dazu, zu seiner Biographie und zu seinen politischen Positionen ist auf winfried-kretschmann.de zu finden.

Damit zu meinen fünf Fragen:

Du bist seit 1980 Mitglied der Grünen, hast sie mit gegründet. Wie bist du zu den Grünen gekommen – und was hat dich bewogen, dabei zu bleiben?

Die spätere Landeschatzmeisterin Irmgard Bonlis hat mich geworben. Die grüne Idee wurde im 20. Jahrhundert geboren, entwickelte sich dann so dynamisch bis heute, so dass jetzt zur zentralen politischen Idee des 21. Jahrhunderts geworden ist.

Unser aktuell gültiges Grundsatzprogramm trägt das Jahr 2020 im Titel – welcher grüne Grundwert, welches grüne Prinzip muss für dich in zehn Jahren auf jeden Fall noch gültig sein, damit die Grünen die Grünen bleiben?

Das Prinzip der Nachhaltigkeit auf allen Gebieten der Politik, sei es in der Finanzpolitik, in der Wirtschaftspolitik, beim Verkehr oder in der Bildung oder natürlich in der Ökologie ­- das Prinzip lässt sich auf alle relevanten Politikfelder übertragen.

Was siehst du als deinen größten grünen Erfolg bisher an?

Das letzte Wahlergebnis am 26.3.06 mit 11,7%, bei dem ich die Ehre hatte, Spitzenkandidat zu sein. Das war für uns damals ein sehr gutes Wahlergebnis.

Auf anderem Gebiet ist es sicherlich die Tatsache, dass es zur Schlichtung auf Augenhöhe zu Stuttgart21 kam, ein großer Erfolg der Bewegung und der Grünen. Jetzt geht’s darum: Welche Schlüsse ergeben sich daraus? Machen wir aus den Trampelpfaden für die Bürgergesellschaft in die Institutionen hinein Autobahnen, wie sie für die traditionellen Lobbyisten und Interessengruppen bereits ausgebaut sind?

Als Spitzenkandidat stehst du insbesondere auch für die Themen Wirtschaft und Bildung. Wo brennt es da in Baden-Württemberg – was muss sich als erstes ändern?

Die Wirtschaft beginnt zu „grünen“, aber schwarz-gelb bremst. In der Bildungspolitik muss sich das Schulsystem für Kreativität von unten öffnen. Individuelle Förderung und die Entkoppelung von Bildungsaufstieg und Herkunft sind dabei zentrale Anliegen.

Abschließend noch die Frage: welches Buch hast du zuletzt gelesen – und wem würdest du es gerne weiterempfehlen?

„Lust auf Barock: Himmel trifft Erde in Oberschwaben“ von Manfred Thierer. Das ist die passende und höchste aufschlussreiche Einstiegslektüre für alle die, die Oberschwaben noch nicht kennen.

Vielen Dank!

*

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23Sep

Grünzeug am Mittwoch 085: Wissenschaft als Beruf

Wir – die baden-württembergischen Grünen – sind ja gerade dabei, das Programm zu erarbeiten, für die Landtagswahl 2011. Beschlossen wird es Anfang Dezember auf einem Parteitag in Bruchsal, der off- und online diskutierte Entwurf wird jetzt vom Landesvorstand noch ein letztes Mal überarbeitet und antragsschick gemacht. Das alles wird nicht einfacher dadurch, dass zu den unzähligen Einzelinteressen jetzt noch das Kriterium „sollte auch als Regierungsprogramm taugen“ dazu kommt. Ich bin aber zuversichtlich, dass da eine runde Sache bei rauskommt.

An einem Punkt würde ich mich um Input freuen. Und zwar geht es um die Frage, in welcher Form wir im Programm auf das Thema Wissenschaft als Beruf eingehen. Damit meine ich die Personalstruktur, den Anteil Lehre vs. Forschung, die Bedeutung von Juniorprofessuren, aber auch ganz prinzipiell die Frage, wie (extern finanzierte) befristete Projektstellen und (aus dem Landeshaushalt finanzierte) feste Mittelbaustellen gewichtet werden sollen. Und dann natürlich um z.B. Familienverträglichkeit.

Wer in der Wissenschaft arbeitet, weiss vermutlich aus eigener Erfahrung, dass es gar nicht so einfach ist, hier widerstrebende Ansprüche sinnvoll zu vereinen. Sind Befristungen ein Problem oder gehören sie zur hohen Flexibilität einfach dazu? Wie lässt sich die Abhängigkeit von ProfessorInnen für NachwuchswissenschaftlerInnen reduzieren? Was ist mit der Promotionsphase? Und wie müsste eine wissenschaftliche Karriere eigentlich aussehen?

Hier bin ich auf euren Input gespannt – vor allem eben auch im Hinblick darauf, wie die verschiedenen Ansprüche und Erwartungen tatsächlich landespolitisch umgesetzt werden können und wo Stellschrauben zu finden sind.


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23Feb

Grünzeug am Mittwoch 055: Wer kennt schon die Landesregierung?

Nach dem Weggang von Günther „englisch“ Oettinger nach Brüssel ist jetzt tatsächlich der alte AKW-Fan Stefan Mappus baden-württembergischer Ministerpräsident. Heute wurde das umgebildete Kabinett vorgestellt. Auch die relativ guten CDU-Umfragewerte täuschen nicht darüber hinweg: ein politischer Frühling ist das neue Kabinett nicht.

Was hat sich geändert? Gundolf „Kies“ Fleischer hat mehr oder weniger freiwillig den Staatssekretärsposten im Finanzministerium abgegeben. Der Finanzminister Stächele jedoch bleibt. Eine Rochade gibt es zwischen Fraktionsvorsitz der CDU, Agrarministerium und dem Verkehrsstaatssekretärsposten. Ob der bisherige Agrarminister Peter Hauk die beste Wahl als CDU-Ministerpräsidentenkandidat in spe ist – angeblich mit dem Amt des CDU-Fraktionschefs verbunden – muss sich erst noch zeigen.

Zunächst interessant wirkt der Wechsel des bisherigen Kultusministers Helmut Rau ins Staatsministerium. Seine Nachfolgerin wird Prof. Dr. Marion Schick, Mitglied im Vorstand der Fraunhofer-Gesellschaft. Dies und auch ihre Vita deuten eher auf Erfahrungen in der Hochschul- und Forschungspolitik hin – die wird aber weiter von Wissenschaftminister Frankenberg „betreut“. Inhaltliche Bezüge zur neuen Aufgabe gibt es dadurch, dass Schick urprünglich einmal ein Studium als Diplomhandelslehrerin und ein Berufsschul-Referendariat absolviert hat. Sie hat bereits angekündigt, an den „gefällten Strukturentscheidungen“ festhalten zu wollen. Große Hoffnungen, dass Baden-Württemberg von Hamburg lernt, bestehen also nicht, auch wenn Rau jetzt nicht mehr für die Dreigliedrigkeit zuständig ist.


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05Feb

Freitags aus Freiburg Nr. 9: Des Kultusministers Starrsinn

Heute aus Hohenlohe, denn dort waren Chris und ich gestern auf Vor-Ort-Tour. Und konnten uns anschauen, was des Kultusministers Starrsinn anzurichten droht. Die Gemeinde Mainhardt hat vor drei Jahren auch auf Anraten des Landes über 3 Mio. in den Ausbau ihres Schulzentrums investiert. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: schöne Mensa (so schön, dass der Gemeinderat jetzt lieber dort tagt), helle, bunte, gut eingerichtete Betreuungsräume für die Ganztagsbetreuung, die mit viel ehrenamtlichem Einsatz angeboten wird. Man merkt dem Rektor und dem Schulzentrum (das aus Grund- Haupt- und Realschule besteht) an, mit wie viel Engagement hier ein lebendiges Schulleben gestaltet wird. Und dem Bürgermeister, wie stolz er zurecht darauf ist. Denn auch da ist Mainhardt vorbildlich: Hier wird mit der Priorität für Bildung ernst gemacht und kräftig investiert.

Wie kommt jetzt der Kultusminister ins Spiel? Es ist mal wieder das Werkrealschulkonzept, das reingrätscht. Es wird immer deutlicher, dass es gerade für den ländlichen Raum genau wie befürchtet ein Hauptschulschließungskonzept ist. Eine vor Ort gewollte Kooperationsvariante mit der Nachbarhauptschule in Wüstenrot wird den beiden einzügigen Hauptschulen vom Kultusministerium verwehrt, nun versuchen sich beide alleine durchs Konzept zu hangeln, das wird mindestens in einem, wenn nicht in beiden Fällen auf kurz oder lang an den Vorgaben zu den Schüler_innenzahlen scheitern. So wird einem lebendigen Schulzentrum die Zukunft verbaut, um ein paar Paragraphen eines unsinnigen Gesetzes glücklich zu machen. Oder dessen Autor Minister Rau. Dabei ist doch klar, dass gerade im Ländlichen Raum die Zukunft der Schulen und der Dörfer in neuen Schulmodellen mit mehreren Abschlüssen im Angebot liegt. Und Mainhardt ist kein Einzelfall, vieler Orten hört man ähnliche Geschichten. Wir dürfen nicht zulassen, dass dem starrsinnigen Festhalten Raus und der CDU am drei-, eigentlich vier (mit Förderschulen) und nun 4,5-gliedrigen (mit Werkrealschule) Schulsystem flächendeckend die ländlichen Schulen geopfert werden, statt sie durch mehr Flexibilität für die Zukunft zu stärken!


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20Jan

Für einen Paradigmenwechsel in der Bildungspolitik


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18Dez

Freitags aus Freiburg Nr.2: Das liebe Geld

Heute mal mit thematischem Schwerpunkt: Das liebe Geld. Ich will gar nicht leugnen, dass es auch grünen PolitikerInnen i.d.R. leichter fällt, sich sinnvolle Maßnahmen unter Einsatz von Finanzmitteln auszudenken, als harte Einschnitte zu vertreten. Zu Gute will ich uns halten, dass die Einsicht in die Notwendigkeit konsequenter Haushaltskonsolidierung groß ist und ebenso die Bereitschaft, auch unbequeme Wege zu beschreiten. Jedenfalls habe ich solche haarsträubenden Luftnummern wie in den Meldungen der letzten Tage von grüner Seite noch nie gehört.

Ein Beispiel: Um ihr Klientelzufriedenheitwachstumsgesetz durchzubekommen erwägt die Bundesregierung, die Länder bei der Finanzierung der Bildungsausgaben „zu unterstützen“. Dass hier ein erheblicher Investitionsbedarf besteht, der die Länder überfordert, ist unbestritten. Unglaublich ist es aber, wenn nun vorgeschlagen wird, dass sich die Länder fiktive Mietkosten für ihnen gehörende Immobilien auf die Erreichung des 10%- Ziels in der Bildung anrechnen dürfen (10% des Bruttoinlandsprodukts sollen in die Bildung fließen). Ein purer Rechentrick, der keine einzige Verbesserung der Bildungsstrukturen bewirkt. Dabei ist es allerhöchste Zeit, dass der oft genannten Priorität für Bildung endlich Taten folgen. Ich halte übrigens nach wie vor viel von unserer Idee, das Aufkommen in der Erbschaftssteuer (da gibt es noch Luft zum Niveau anderer Länder) zu erhöhen und diese Mittel für Bildungsausgaben zu verwenden. Da der Bildungserfolg in Deutschland sehr vom Geldbeutel der Eltern abhängt, wäre das ein guter Schritt auch zu mehr Chancengerechtigkeit. Zusammen mit dem Bildungssoli ließe sich damit schon einiges in die Wege leiten. Wir formulieren aber auch Prioritäten: Z.B. hat der quantitative und qualitative Ausbau der Kinderbetreuung Vorrang vor der Kostenfreiheit – solange über Gebührenstaffelung Kinderbetreuung für alle finanzierbar ist.

Weitere Beispiele: Stuttgart ringt um einen genehmigungsfähigen Haushalt, macht aber weiter beim lediglich schön gerechnet finanzierbaren Projekt S 21 mit. Die FDP in Ba-Wü verkündet, dass es nun wirklich mal an der Zeit wäre zu sparen – demnächst wäre das echt eine gute Idee. Welch tatkräftige Politik einer Regierungspartei – zu den unverantwortlichen Steuersenkungen: kein Wort. Zum Schuldenberg im Bundeshaushalt hat Alex alles gesagt.

Wenn wir nicht jede Gestaltungsmöglichkeit für die Generationen nach uns und für die Zukunftschancen der jetzigen verbauen wollen, müssen wir ran an eine ernsthafte Debatte über Prioritätensetzung. Bequem ist das nicht, aber dringend notwendig.


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17Nov

Grünzeug am Mittwoch 041: wird bestreikt

Genau: das heutige Grünzeug am Mittwoch muss leider ausfallen. Wegen Bildungsstreik. Genauer gesagt, weil ich mit ungefähr acht weiteren Menschen heute noch schnell einen Initiativantrag zur Solidarisierung der LDK mit dem Bildungsstreik schreiben musste. Was dank „Etherpad“ gut gelang: hier nachlesbar.


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08Nov

Baden-Württemberg – Grünes Musterland Nr. 2

Es dauert zwar noch ein wenig, bis zur Landtagswahl 2011. Halte Impulse fest, um mich mit schwarz-gelb noch besser auseinander setzen zu können.

Der Koalitionsvertrag von CDU/CSU und FDP verzichtet auf eine Aussage, dass extremer Reichtum und große Armut nebeneinander existieren und dass die Schere immer weiter auseinander geht. Das ist ärgerlich, denn dadurch wird ein Teil der Wirklichkeit einfach ausgeblendet. Kritisch ist dies, denn wir leben in einem Land, dessen Wohlstand (wie auch immer definiert) von den Leistungen der Bürgerinnen und Bürgern abhängt. Denn nach wie vor haben wir kaum Rohstoffe und beispielsweise hinsichtlich der Energieversorgung gelingt  die Nutzung von Erdwärme (noch) nicht reibungslos. Neben der grundsätzlichen Forderung, dass Menschen ein Recht auf soziale Gerechtigkeit haben, sind ihre Gaben und Fähigkeiten die wichtigsten Ressourcen in unserer Wissensgesellschaft. Damit Menschen diese einbringen können, brauchen sie Perspektiven. Dies bedeutet auch, dass sie sozial abgesichert sein müssen. Deshalb müssen wir die sozialen Sicherungssysteme weiterentwickeln. Dies bedeutet auch, dass in Bildung investiert werden muss, um Chancengerechtigkeit für alle zu schaffen. Bildung ist das Fundament dafür, dass Menschen selbstständig ihr Le­ben gestalten und Verant­wortung für sich selbst, für die Ge­meinschaft und für die Umwelt übernehmen kön­nen. Dies wiederum ist eine Grundlage für eine ökologische, basisdemokratische, friedliche und soziale Welt.

Damit wird an Landesverfassung: „[…  ] die Freiheit und Würde des Menschen zu sichern, dem Frieden zu dienen, das Gemeinschaftsleben nach den Grundsätzen der sozialen Gerechtigkeit zu ordnen, den wirtschaftlichen Fortschritt aller zu fördern, […]“ angeknüpft und weiterentwickelt:

  • Wir setzen uns dafür ein, dass der Staat die Menschen in Ruhe lässt und dass der Kernbereich privater Lebensgestaltung unantastbar bleibt. (Das heißt auch, dass die Freiheit des Internets bleiben soll.)
  • Wir denken Frieden Sicherheit, Gerechtigkeit und Klimaschutz zusammen. Zukünftig soll Baden-Württemberg für einen geregelten Zugang zur Energie und zur Nutzung von natürlichen Ressourcen einstehen. Somit kann Baden-Württemberg einen wichtigen Beitrag zur Friedenspolitikleisten. Darüber hinaus soll die Politik im Land soll davon geprägt sein, dass endliche Rohstoffe durch erneuerbare ersetzt werden.
  • Für uns sollte die Aussage „wirtschaftlicher Fortschritt aller“ die verfassungsmäßige Forderung nach Chancengerechtigkeit sein. Daher müssen die Investitionen in Bildung erhöht werden. Denn die Kompetenzen unserer Kinder sind unsere wichtigste Ressource. Darüber hinaus sollen allen Menschen die Möglichkeiten zum „Lebenslangen Lernen“ offen stehen. Hierfür sind entsprechende Vorschläge wie Bildungs-Sabbat (Fortbildungskonten), Sonderurlaub für Fortbildungsveranstaltungen (Arbeitsplatznah),  Studierenpausen, etc.

Damit unsere Ziele Wirklichkeit werden, haben wir bis zur Landtagswahl 2011 noch viele Menschen von unseren Konzepten und Lösungen zu überzeugen.


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