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Bildung » es verändert sich etwas
03Apr

es verändert sich etwas

Die Schule in Baden-Württemberg ist auf dem Weg der Veränderung. Mit der Regierungsübernahme vor einem Jahr konnten wir endlich beginnen, neue Akzente für ein besseres Bildungssystem in Baden-Württemberg setzen. Es gab und gibt ganz viele Baustellen – aber das Desaster in Hamburg mit der gescheiterten Einführung der sechsjährigen Grundschule hat uns allen deutlich gemacht, dass eine Schulreform tatsächlich nur funktionieren wird, wenn sie von unten kommt, wenn die Bürger_innen, die Eltern, die Schüler_innen und die Lehrer_innen den Weg mitgehen und Einflussmöglichkeiten auf diesen Weg behalten.

Neben der Finanzierung noch von der Vorgängerregierung, aber nicht finanzierten Maßnahmen wie unter anderem die Schaffung von mehr als 700 Lehrerstellen war eines unserer wichtigsten Anliegen die Abschaffung der verbindlichen Grundschulempfehlung. Die CDU in Baden-Württemberg hat bis zuletzt dagegen polemisiert, auch die Lehrerverbände sind nicht alle dafür – die GEW als größte Bildungsgewerkschaft begrüßt diesen Paradigmenwechsel jedoch. Einige Schulleiter an Gymnasien in Südbaden haben wohl versucht, die Grundschulzeugnisse zu bekommen, um wohl doch noch Auslese durch die Hintertür zu betreiben. Vor allem die Entlastung der Grundschule und die Beendigung einer frühen, erzwungenen Auslese und Demütigung ist ein großer Schritt in Richtung mehr angsfreie Schule.  Die Beratungsatmosphäre ist offenbar weitaus entspannter. Es ist ja nicht so, als würden die Eltern hinsichtlich des Wechsels ihrer Kinder auf weiterführende Schulen nicht mehr beraten – aber sie haben das letzte Wort. Und grundsätzlich tun Eltern zunächst einmal nichts, was ihren Kindern schadet. Die neu eingeführte Gemeinschaftsschule wird gut angenommen – es gibt offenbar mehr Anmeldungen als Plätze. Und die verfehlte G8-Struktur, die die CDU geschaffen hat, wird gerade durch die Abstimmung mit den Füßen – den großen Anmeldezahlen beim Schulversuch mit G9 – als das erkennbar, was sie schon immer war: in der Form falsch. STatt prognostizierten 1500 Anmeldungen gab es 2200 Eltern, die ihren Kindern lieber den längeren Weg ermöglicht hätten. Zum G8 und dem Schüler_innenbild bzw. dem Menschenbild, das dahinter steht, könnte man seitenweise Aufsätze schreiben. Trotzdem ist es so, dass eine 100%ige Rückkehr zum G8 so teuer würde, dass alle anderen Reformen hintenan stehen müssten. Insofern werden wir uns hinsetzen und dies so gestalten, dass es zukünftig wieder ein Leben nach der Schule ermöglicht. Und die Gemeinschaftsschule ermöglicht ja ebenfalls einen schülergerechteren Weg zum Abitur. Ich bin sicher, das dieser Paradigmenwechsel sinnvoller ist als eine Rückkehr zum G9 für alle.

Heute morgen lese ich der erzkonservativen Zeitung meiner Region, den BNN, eine Stellungnahme des VBE-Sprecher Michael Gomolzig. Er

sieht das Problem einer Rückflutwelle in zwei Jahren von an Gymnasium und Realschule gescheiterten Schülern

da es zu wenige Anmeldungen an den Haupt- und Werkrealschulen des Landes gibt. Die Eltern reagieren also. Auf die Freiheit. Und auf jahrelang einhergehende schlechtere Ausbildungschancen ohne Abitur oder Mittlere Reife. Aber das hier der VBE-Sprecher die freie Entscheidung auf der Basis der Beratung am Ende der Grundschule massiv in Zweifel stellt, delegitimiert, das ist schon ein starkes Stück. Denn insgesamt zeigt sich, dass die Eltern eben nicht massiv an Gymnasien anmelden und die armen Gymnsiallehrer_innen dann überfordert werden mit doofen Schüler_innen, die eigentlich auf die Hautschule gehörten. Nein, die Eltern und die Schüler_innen entscheiden überwiegend sinnvoll.

Die Lösung für den Erhalt der wohnortnahen Gemeindeschulen wird die Gemeinschaftsschule sein, in der individuelle und inklusive Bildung möglich ist, nach Stärken und Schwächen und nicht nach so homogen wie möglich zusammengewürfelten Klassen. Die Eltern werden richtig entscheiden. Das zeigen nicht nur die Anmeldezahlen in Baden-Württemberg – auch in Nordrhein-Westfalen gehen Eltern mit uns den Weg in eine bessere Bildungslandschaft. Unsere Ideen für eine bessere Bildung hat zuerst die SPD übernommen und verkauft sie heute als ihre eigenen – jetzt setzt sie gemeinsam mit uns diesen Weg um. Grün wirkt.

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Kommentare

  1. G.R.17. April 2012

    Die Selbstbestimmung der Eltern ist an und für sich eine gut Sache, aber wäre es nicht sinnvoller gewesen zuerst die Gemeinschaftsschulen einzurichten? Soo vernünftig scheinen die Eltern dann doch nicht zu sein und produzieren wir auf diese Art nicht viel größere Bildungsverlierer, wenn in zwei Jahren ganze Klassen vom Gymnasium müssen, weil sie den Anforderungen nicht gewachsen sind? Hier wäre es doch vielleicht auch besser gewesen zuerst ein neueres pädagögisches Konzept zu erstellen und einzuführen, das den Lehrern Unterstützung gibt bei einer Individualisierung des Unterrichts. Denn das werden sie brauchen mit den vielen neuen Schülern, die normalerweise erst mal nicht auf dem Gymnasium gelandet wären. Und wieso werden eigentlich in so einer heiklen Übergangsphase die Pädagogischen Assistenten, die sich durchaus positiv bewährt haben, abgeschafft, wo sie doch zur Unterstützung der Lehrer wesentlich beitragen könnten. Ich finde das neue Bildungskonzept der Grünen im Kern gut, aber es wird übereilt und unreflektiert umgesetzt. Schade, das weckt mittlerweile viel Unmut.

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    • Jörg Rupp17. April 2012

      Ich glaube, dass die Eltern im Großen und Ganzen vernünftig sind. Es zeichnet sich allenfalls eine Überbuchung im G9-Bereich ab – aber den wollten wir als Grüne gar nicht. Irgendwo muss man sich auf einen Weg einigen und den dann gehen.

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  2. online magazin19. April 2012

    meine Kinder haben drei Fremdsprachen, auf der Hauptschule gibt es Kinder in dem Alter, die in Englisch schlicht nichts lernen können und im Deutschen noch Probleme zu bewältigen versuchen.Ich sehe nicht, dass es sinnvolle Möglichkeiten gibt

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  3. G.R.23. April 2012

    Das beantwortet aber nicht meine Frage? Ich kenne z.Bsp. eine Mutter, deren Kind in der dritten Klasse auf Sonderschule getestet wurde und nun auf dem Gymnasium angemeldet ist. Und der Run auf G9 ist doch auch ein Zeichen dafür, dass die Eltern der Meinung sind: „Versuchen wir es mal. Mein Kind hat zwar keine Gymnasialempfehlung, aber G9 wird es schon schaffen.“ Wie gesagt, wäre es nicht besser gewesen die Gemeinschaftsschule voranzustellen und dann die Wahlfreiheit? Wenn in zwei Jahren dann die Kinder versagt haben, dann kommen die Grünen und sagen: „Es ist nicht unsere Schuld, die Eltern haben das entschieden???“ Ist das die Art Neuerungen einzuführen ohne verantwortlich zu sein? Hier werden Experimente mit unseren Kindern getrieben, die ich nicht gut heißen kann.

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    • Jörg Rupp23. April 2012

      Und wieso glauben Sie, dsas ein Kind ohne Gymnasialempfehlung das Gymnasium gar nicht schaffen wird? Ich glaube, dass der Run afu G9 vor allem der nicht angepassten Lehrpläne an die verkürzte Schulzeit geschuldet ist. Die G8_Kinder sind oft genug mit Machmittagssschule und dann noch Hausaufgaben überlastet. Eltern erwarten, dass es im G9 ruhiger zugeht – was wohl stimmt. Die Gemeinschaftsschule voran zu stellen und dann die Wahlfreiheit – das wollten wir nicht. Wir möchten, dass sich Eltern zusammen mit ihren Kindern frei entscheiden können, welche Schule sie auswählen.
      Und überhaupt: das Gymnasium verlassen heißt noch lange nicht, dass ein Kind „versagt“ hat. Das ist genau das, was wir abschaffen möchten – die Idee, Kinder könnten versagen. Da alle Schulformen weiter bestehen, sind das auch alles keine Experimente – es gibt für alle Systeme umfangreiche Erfahrungen.

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  4. G.R.2. Mai 2012

    Wenn die hohe Anmeldezahl für G9 tatsächlich nur der Tatsache geschuldet wäre, dass das Lernen entzerrt wird, dann hätte doch G8 weit weniger Anmeldungen erhalten, wo doch die Eltern alle soooo vernünftig sind. Aber so ist es nicht. Wir können alles schön reden und sagen, dass die Kinder nicht versagt haben, wenn sie in zwie ajhren die Schule wechseln müssen, aber Sie können doch nicht bestimmen, wie diese Jugendliche sich zu fühlen haben. Uns wie die sich fühlen, das ist hoffentlich jedem real denkenden Menschen klar, nämlich beschissen.
    Aber die weit größeren Verlierer sind die Gymnasiallehrer, die pädagogisch am schlechtesten ausgebildet sind und es nun mit einer solchen Bandbreite an Bildungsfähigkeit konfrontiert werden, dass Überrforderung und Burnout mehr als bisher vorhersagbar wird! Und Unterstützungsprogramme, wie z.b. die Pädagogischen Assistennten, werden abgeschafft, obwohl m. E. gerade diese auch an den Gymnasien zu Entlastungen führen könnten.

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  5. G.R.1. Juni 2012

    Hier das neueste von der Schulfront. Die letzte Gesamtelternbeiratssitzung brachte folgende Schüleranmeldungszahlen zum Vorschein ( 40 000 Einw.):
    Gymn. gleiche Anzahl an Klassen wie 2011, aber viele sind überbelegt und einige Schüler konnten nicht angenommen werde. So viel zu „realen“ Wahlfreiheit…
    Realschulen insgesamt eine Klasse weniger.
    Hauptschulen: eine sehr gute Hauptschule wird geschlossen.
    Das ist eine traurige Bilanz. An dem Gymnasien sehen sich die Lehrer mit überbelegten Klassen und sehr heterogenen Lernfähigkeiten konfrontiert. Dass das nicht unbedingt beste Vorraussetzungen sind, das weiß jeder. Eine Hauptschule, wo unsere besten Pädagogen sitzen wird geschlossen. Was ist das denn für ein schräges Denken!!

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