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Frauenpolitik & Wirtschaft & Soziales » Kein Geld für Schlecker
08Mrz

Kein Geld für Schlecker

Schlecker ist insolvent. Und so ganz langsam beginnt die Steuergeldmaschine zu rollen, denn Schlecker will rund 12.000 Arbeitsplätze abbauen. 12.000 Arbeitsplätze, beinahe ausschließlich werden Frauen arbeitslos werden, die sich über Jahre in die schlecht bezahlten Jobs haben pressen lassen. Sie verlangen jetzt gesellschaftliche Solidarität. Aber warum sollte die geleistet werden?

Meine Parteifreundin Charlotte Schneidewind-Hartnagel begründet das so:

„Die Tatsache, dass 12.000 Schlecker-Frauen vor dem existenziellen Ruin stehen und sich der Bund bedeckt hält, was die Schaffung von Perspektiven für die Beschäftigten angeht, zeigt einmal mehr, welche Wertigkeit Branchen, in denen überwiegend Frauen arbeiten, haben.“

Also, zunächst mal bekommen die Schleckerfrauen ALG1, was nicht den exitenziellen Ruin bedeutet. Und welche Perspektiven will man schaffen? Seit Jahren findet im Einzelhandel eine zunehmende Konzetration auf wenige Unternehmen statt – dies wird nicht verhindert, sondern durch Ausweisung großer Flächen geradezu gefördert. Ich habe im Einzelhandel mal gelernt – damals gab es noch Lebensmittelsupermärkte mit 500 m² und weniger – heute undenkbar. Nachbarschaftsmärkte sind fast keine mehr zu finden, der Kunde will Einkaufserlebnisse oder zumindest alles unter einem Dach, sodass man nur einen Laden anfahren muss. Kleine Läden, Fachgeschäfte, bleiben dabei auf der Strecke. Hipp ist es höchstens noch, auf einen Markt zu gehen und sich dort mit frischer Ware einzudecken. Also, was soll man mit 12.000 arbeitslosen Verkäuferinnen anfangen auf einem solchen Arbeitsmarkt? Wohin sollen sie qualifiziert werden?

Ich frage das ernsthaft – schließlich ist genau das mein tägliches Brot. In den Bürobereich hinein – kaum möglich. Als kaufmännische Mitarbeiterin ist selbst in 4%-Arbeitslosenquoten-Zonen wie Karlsruhe und Region kaum ein Arbeitsplatz außerhalb von Zeitarbeit zu finden. Ältere Mitarbeiter_innen in diesem Bereich ab Mitte 40 sind auch mit Praktika und Eingliederungszuschüssen nur schwer zu vermitteln.  Was bleibt dann auf der Basis Einzelhandelskauffrau? Call-Center? Möglich, da werden immer Leute gesucht. Und zu ähnlichen Konditionen wie bei Schlecker. Bäckerein boomen. Ich weiß zwar auch nicht, wer die ganzen, schlecht schmeckenden aufgebackenen Teiglinge aus ganz Europa isst, aber scheinbar läuft das gut. Die Bezahlung ist ähnlich wie bei Schlecker schlecht. Aber immerhin gibt’s da zumindest noch ab und an Stellenangebote.

Erzieher_innen werden händeringend gesucht. Aber da will man ja keine einfachen Frauen mit Hauptschul- oder Realschulabschluss, da soll ja mehr Qualität geliefert werden – was ich hier schon kritisiert habe. Meine Antwort mit „einfachen Erzieher_innen“ wäre eine Perspektive – aber dazu müsste sich die Landtagsfraktion (und die Regierung insgesamt) bewegen. Eine gute Option, finde ich immer noch.

Tja, und was machen wir eigentlich mit den anderen 12.072 (2010) durch Insolvenz arbeitslos gewordenen Menschen in Baden-Württemberg. Wer setzt sich für die ein?

Ich finde es völlig unverständlich, dass sich die Landesregierung und die Fraktion so für Schlecker ins Zeug legt. Die Insolvenz von Schlecker ist selbst verschuldet. Sie basiert einerseits darauf, dass der alte Schlecker nichts in die Märkte investiert hat. Klein, muffig, Warenpräsentation unter aller Kanone – das wollten die Kunden bei vorhandener Konkurrenz wie dm und Rossmann mit modernen, großen (sic!) Märkten nicht. Sie basiert darauf, dass die Kunden dort nicht mehr einkauften, weil sie die Berichte über Lohndumping und schlechtem Image leid waren. Boykott einer Ladenkette – nicht mehr überraschend, nachdem sogar LIDL die öffentlich bekannt gewordnen Auswirkungen seines Umgangs mit Mitarbeiter_innen gespürt hat. Und wir wollen nicht vergessen – die Schlecker-Frauen, die jetzt um Solidarität bitten, haben jahrelang die Verhältnisse dort mit beschönigt. Sie verteidigt. Sich trotz bekannter Probleme dort beworben und dort gearbeitet haben.

Nach diversen Rückmeldungen merke ich, dass ich das ein bißchen schräg formuliert habe und möchte das korrigieren. Natürlich kann man aus der Loyalität, die ein Arbeitnehmer seinem Arbeitgeber gegenüber haben muss, kein „selbst schuld“ formulieren – und ist auch nicht so gemeint. Die Jobsituation im Einzelhandel habe ich ja ausreichend beschrieben. Das hat für viele der Schleckerfrauen natürlich zu keiner guten Perspektive geführt.

Es gibt Lösungen für diese Frauen. Wie für andere Arbeitslose auch. Es gibt Qualifizierungsmaßnahmen. Als ALG1-Bezieherinnen sind sie durchgängig besser gestellt als erwerbslose Verkäuferinnen im ALG2-Bezug. Wer kümmert sich um die – und die gibt es auch! Wer geht für die auf die Straße – ist ja leider nicht ganz so öffentlichkeitswirksam wie zusammen mit dem DGB für Schlecker?

Was nicht lösbar ist, ist der problematische Arbeitsmarkt im Einzelhandel.  Konzentration auf wenige Ketten. Schlechte Arbeitsbedingungen. Outsourcing klassischer Verkäufer_innentätigkeiten auf 400-€-Job-Unternehmen, die bspw. Regalservice machen oder Inventuren durchführen – außerhalb der Öffnungszeiten. Mehr und mehr Selbstbedienungskassen in Supermärkten, Warenwirtschaftssysteme, die eigenhändig Bestellungen durchführen, Regale, die überall gleich aussehen und zentral geplant werden. SB-Gemüse, SB-Fleisch, SB-Wurst, SB-Käse, Drogerieprodukte ohne Beratung (Schlcker hat übrigens mit die kleinen Drogerien ersetzt). Kostenreduktion wo immer man hinschaut. Kein Wunder beim Preisverfall in diesen Segmenten. Die Arbeitslosigkeit in diesen Bereichen wird weiterhin hoch sein. Hier findet ein Wandel statt. Wenn es bald nur noch SB-Kassen und externe Auffüller gibt, werden nur noch ein paar türkische und andere kleine Händler Arbeitsplätze anbieten, wie sie jetzt gesucht werden – bei weitem nicht genügend,

Die Probleme liegen anderswo. Es hilft nicht, am Frauentag für Verkäuferinnen auf die Straße zu gehen. Es braucht zahlreiche Initiativen und Flexibilität auch in Hinblick auf andere Berufe. Mehr Geld für die Pflege – und auch hier wie im Erzieher_innenbereich geringer qualifizierte Tätigkeiten. Die Re-Regulierung von Zeitarbeit und vor allem von 400-€-Jobs, die sofort mit einem System ersetzt werden müssten, das Geschäftsmodelle mit 95% Mitarbeiter_innen auf Aushilfsbasis unterbindet.

Als letztes: der Vergleich mit den Jobs in der Autoindustrie ist nicht gerechtfertigt. Dort wurde Kurzarbeitergeld bezahlt – übrigens mit einer Regelung, die für alle Kurzarbeiter egal in welchen Branchen gilt. Das könnte ja Schlecker übrigens auch tun: seine Verkäufer_innen auf mehrere Filialen verteilen und die Arbeitszeit bei ihnen reduzieren. Den Vorschlag hör ich nirgends….

Kein Geld für Schlecker. Die Ursachen bekämpfen, nicht die Symptome.

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Kommentare

  1. Gunther8. März 2012

    Ganz Deiner Meinung, Jörg. Wenn der Staat immer einspringt, wenn „die Großen“ pleite gehen, hat das aus meiner Sicht unverantwortliche Auswirkungen:

    - das Staat greift maßgeblich in das Marktgeschehen ein, weswegen umgekehrt der Einfluss der Wirtschaft aus dem Staat steigt, wann und in welcher Form „geholfen“ werden soll. Am Ende gewinnt, wer die besten Lobbyisten und die besten „Kontakte“ nach oben hat.

    - große Unternehmen werden gegenüber kleinen Unternehmen bevorzugt. Denn wenn ein kleiner Mittelständler vor Ort pleite geht, hilft der Staat auch nicht. Der Staat betreibt also eine aktive Wettbewerbsverzerrung zugunsten der Konzerne und zulasten des Mittelstands

    - verantwortliche Unternehmensführung wird bestraft, riskante Unternehmensführung belohnt. Bei letzten können die Manager im günstigen Fall zahlreiche Gewinne einstreichen, im ungünstigen Fall „springt eben der Staat ein“.

    Manchmal sollten sich die Grünen zur (von anderen oft zu Unrecht angemaßten) ordnungspolitische Stimme der Vernunft aufraffen.

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  2. Christian9. März 2012

    „Erzieher_innen werden händeringend gesucht. Aber da will man ja keine einfachen Frauen mit Hauptschul- oder Realschulabschluss, da soll ja mehr Qualität geliefert werden – was ich hier schon kritisiert habe. Meine Antwort mit „einfachen Erzieher_innen“ wäre eine Perspektive – aber dazu müsste sich die Landtagsfraktion (und die Regierung insgesamt) bewegen. Eine gute Option, finde ich immer noch.“

    Die fachliche Aufwertung des Berufsstands halte ich schon für richtig und wichtig, auch wenn ich die Forderungen nach „studierten ErzieherInnen“ für übertrieben halte. Gerade in der Kita-Phase werden ja die Grundlagen für die spätere Bildungskarriere der Kinder gelegt, mehr noch als in der Grundschule. Hier kommt es zu vielfältigen Konflikten, wenn es etwa um soziale Verwahrlosung oder die Integration von Kindern mit fehlenden Sprachkenntnissen geht, die professionell und gut angegangen werden müssen, wenn die Kinder später im Leben faire Chancen haben sollen. Das ist nur „mit Liebe zu Kindern“ nicht zu schaffen, auch wenn das natürlich die Grundvoraussetzung für jeden Erfolg im frühpädagogischen Bereich ist. ErzieherInnen müssen heute aber einfach sehr viel mehr leisten, als nur irgendwie lieb und nett auf die Kinder aufzupassen, bis die Eltern diese wieder in Empfang nehmen.

    Aber das ist in diesem Blogpost ja eigentlich auch nur ein Nebenthema…

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    • Jörg Rupp9. März 2012

      Klar ist es ein Randthema – aber es ging ja auch um die Perspektiven von Schleckermitarbeiter_innen.
      Wenn Sie bei „was ich hier schon kritisiert habe“ auf „hier“ klicken, landen Sie in meinem Blog, da können wir das gerne diskutieren.
      Grundsätzlich: ich bin für Abstufungen auch bei Erzieher_innen. Das schließt weder das, was Sie schreiben, noch das, was ich schreibe, aus.

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  3. komm10. März 2012

    Da zeigt sich wieder einmal, dass diese sogenannte ökopartei lediglich eine grünlackierte fdp ist. unsozial!

    Frau Hartnagel hat recht, als es um männerarbeitsplätze bei ope ging…
    außerdem geht es echt an die existenz. wer sich die mühe macht, das hat der autor dieses artikels nämlich nicht, wird schnell merken, dass alg 1 auf diesem niveau existenzgefährdend ist.

    als besserverdiendender grünenblogger natürlich kein thema…

    pfui.

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    • Jörg Rupp11. März 2012

      Na, was wissen Sie über meine Einkommen? Nichts! Ich arbeite freiberuflich nahe an der prekären Grenze – in manchen Monaten gibts nicht so viel Umsatz….. Außerdem seit vielen Jahren in der Vermittlung von Arbeitssuchenden bei einem freien Träger. Kenne also „existenzgefährdende Zustände“ sehr gut. Was ist ALG1 auf „diesem Niveau“? Der unterste Tariflohn im Einzelhandel beträgt 1479 € Vollzeit. Laut Presseberichten verdient eine ausgebildete Verkäuferin bei Schlecker 2100 € in einer Vollzeitstelle. Macht über 1200 € ALG1. Das kann ich nicht als existendzgefährdend ansehen. Das ist zweifellos ein harter Einschnitt für die jeweiligen Betroffenen, aber es ist auch leider die Regel, jeden Tag, für viele Menschen in diesem Land. Daher – auch das gehört dann zur Kritik: ich plädiere für mein Kurzarbeitsmodell.
      Auch in Hinblick darauf, das vermutlich einige bei Schlecker nur Teilzeit gearbeitet haben.

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  4. Marina10. März 2012

    Wenn man mal davon ausgeht, dass Schlecker-Frauen mit einem Nettoverdienst von 1.000 € (Vollzeit),
    was realistisch ist,auskommen müssen, kann man sich ausrechnen was
    das unter ALG I mit 60% ohne Kinder und 67% mit Kindern vom errechneten Leistungentgelt, was in etwa dem Nettolohn entspricht, bedeutet. Also 600 oder 670 €.
    Wenn man dann noch Miete zahlen muss ist man bei Hartz IV angelangt. Nicht Existenz bedrohend? Richtig, verhungern
    muss man in Deutschland nicht mehr aber verelenden kann man.

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    • Jörg Rupp11. März 2012

      Entschuldige – politisch kann ich den Nettolohn nicht zugrunde legen. Wenn sie nur rund 1000 € rausbekommen, hat sie vermutlich Steuerklasse 5. Das heißt, sie bezahlt etwas mehr Steuern, ihr Mann dafür etwas weniger. Und am Ende des Jahres gibt es eine Einkommenssteuererklärung, die das insgesamt wieder ausgleicht. Basis der Berechnung ist natürlich das Bruttogehalt. Aber genauso natürlich ist die Beibehaltung der Steuerklasse.
      Zusätzlich zu den Leistungen aus dem ALG besteht natürlich die Möglichkeit, Wohngeld und andere Leistungen anzufordern – sofern Bedürftigkeit besteht. Versteh mich bitte nicht falsch – ich finde schon, dass in der Höhe Hartz IV es sehr schweirig ist und kämpfe seit Jahren für höhere Sätze bzw. ein bedingsloses Grund- oder Basiseinkommen. Eine Arbeitslosigkeit ist ein harter Einschnitt. Ich kenne das aus meinem eigenen Leben gut genug. Mit Kindern. Das das ALG nicht sehr hoch ist, ist dabei auch klar. Es gilt Perspektiven auszubauen – Transfergesellschaft, Qualifikation, Kurzarbeit ist möglich, das gibt es alles heute schon. Nur: eine Beibehaltung des Status Quo geht halt auch nicht.

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  5. komm11. März 2012

    zum einen darf man nicht von vollzeitbeschäftigten ausgehen, da viele schlecker-frauen aufgrund kindererziehung nur teilzeitbeschäftigt sind, zum anderen habe ich mir deine internetseite angeschaut und weiß daher, dass du nur bio und regional kaufst. das machst du nicht, wenn du prekär lebst. du hast wohl keine vorstellung davon, dass du dann nur 128,46 Euro von dem hartz 4 Satz für nahrungmittel ausgeben.

    aber das ist das typisch grüne verständnis von armut. hahaha!

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    • Jörg Rupp11. März 2012

      Doch, man darf von Vollzeitbeschäftigten ausgehen – oder zumindest von Beschäftigungen, die nach dem Dafürhalten der Beschäftigten für sie ausreichen. Vollzeitstellen standen ja zur Verfügung, Teilzeit ist nicht die Regel. Der Staat kann nicht auch noch persönliche Lebensentwürfe absichern. Das geht leider nicht. Bio und regional einzukaufen bedeutet für mich, andere Prioritäten zu setzen. Ich bezahle dafür. Auch unter anderem mit wenig oder fast keinem Urlaub und anderen Dingen, auf die ich dafür verzichte. Aber wir sind nicht arm. Aber wir reden hier auch nicht über Hartz IV, sondern über ALG 1. Ich finde es zudem mehr als dreist, mir eine falschen Aussage zu unterstellen.

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  6. Paul21. März 2012

    oh man…wenn ich das schon lese „zeigt einmal mehr, welche Wertigkeit Branchen, in denen überwiegend Frauen arbeiten, haben.“…Meinen Menschen sowas überhaupt ernst?! So ob die Politik auf sowas achten würde..schon jemanden aufgefallen, dass wir neuerdings eine Kanzlerin haben?? :)

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  7. Karin MÜLLER22. März 2012

    Ich stimme mit Jörg überein. Mich stört vor allem, dass es wohl nicht möglich ist, an das Vermögen der Schlecker-Familie heranzukommen.
    Mit kann keiner erzählen, dass sie es nicht geschafft haben, aus den jahrelangen Gewinnen ihr Schäfchen ins trockene zu bringen. Die Tatsache, dass der Insolvenzverwalten die Vermögensverhältnisse der Ehefrau und der Kinder nicht überprüfen darf, lässt den Schluss zu, dass hier auf Kosten der Steuer- und Arbeitslosenversicherer-Zahler ein Unternehmen saniert wird, in welchem Arbeitnehmerrechte bisher keinen großen Stellenwert hatten.

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  8. Gabi27. März 2012

    Starker Tobak!
    Deine Argumentationskette kurzgefasst:
    Selber schuld die Frauen, wenn sie sich in schlecht bezahlte Jobs pressen lassen. Warum solls nun der Steuerzahler richten? Hat sich der Schlecker doch selbst eingebrockt. Außerdem kann man die Frauen eh nirgendwohin qualifizieren. Außer vielleicht als Erzieherin „light“ zu Billiglohn. Müssen ja auch nur ein bisschen spielen. Oder die Frauen mit kleinerer Teilzeit auf die Restfilialen verteilen und Kurzarbeitergeld bezahlen, aber auf die Idee kommt ja außer dir keiner.

    Gehts noch?
    Informiere dich zuerst, bevor du veröffentlichst!

    Es geht hier um eine Bürgschaft der öffentlichen Hand zur Bildung einer Transfergesellschaft. Dann kann den Frauen längstens für 12 Monate – ja was? – Transferkurzarbeitergeld (!) bezahlt werden. Und sie erhalten Qualifizierungsmaßnahmen. Die brauchen sie auch. Viele Beschäftigte sind über 50, viele ungelernt und seit vielen Jahren beim Schlecker beschäftigt, viele mit Migrationshintergrund, denen ohnehin nicht viele Türen auf dem Arbeitsmarkt offenstehen.

    Die Schlecker-Frauen haben das Missmanagement von Schlecker ganz gewiss nicht zu verantworten. Aber sie müssen die Suppe nun auslöffeln. Das ist besonders bitter für die Frauen, die jahrelang kämpfen mussten für Telefone in den Filialen um einen Notruf absetzen zu können, für einen Tarifvertrag und für Betriebsrätinnen.

    Es war der Gesetzgeber, der es zugelassen hat, dass Schlecker sein Unternehmen führen konnte, wie ein Kioskbüdchen. Keine Kontrolle. Nirgends. Über Jahrzehnte. Nun erleben wir eine Massenentlassung in einer Größenordnung, wie sie die Bundesrepublik kaum gesehen hat. Und da soll die öffentliche Hand noch nicht mal eine Bürgschaft übernehmen? Als in der Krise Tausende von Arbeitsplätzen in der Autoindustrie bedroht waren lief das völlig anders mit dem Kurzarbeitergeld. Über lange Zeiträume. Das Gesetz wurde eigens im Hauruck dafür geändert. Und wie das vergleichbar ist!

    Aber für dich geht es hier doch nur um Frauenarbeitsplätze. Die sollen mal hübsch mit den Kindern spielen. Bisschen Geld dürfen sie dafür dann auch haben. Da bleibt mir echt die Spucke weg!

    Nimm bitte zur Kenntnis: Das ist ein Beruf, der eine hohe Qualifikation erfordert und im übrigen auch besser bezahlt werden muss – gerade im Hinblick auf die Anforderungen, die er stellt. Dann werden ihn auch mehr Menschen ausüben wollen. Auch Männer. Aber das nur am Rande.

    Ebenfalls am Rande: Mit einem Brutto von 2.100 € errechne ich bei Steuerklasse 1 ein Nettoeinkommen von unter 1.400 € und ein ALG II von rund 900 €. Du musst schon zugrundelegen, dass ALG aus dem (standardisierten) Netto berechnet wird und kannst nicht politisch von Annahmen ausgehen, die dir in den Kram passen. Ein ALG II in dieser Größenordnung ist existenzgefährdend und es liegt unterhalb der Armutsgrenze, (in unserem Land bei 960 €).

    Deine Argumentationskette beruht auf falschen Annahmen. Und sie offenbart eine hartherzige und auch eine frauenfeindliche Haltung. Ich finde das erbärmlich!

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    • Jörg Rupp28. März 2012

      Und wer richtet Transfergesellschaften für die Frauen ein, die täglich in kleineren Betreiben arbeitslos – genauso unverschuldet – werden? Und wie ist ein Eingreifen zu rechtfertigen, wenn Familie Schlecker weiterhin von 70.000 € pro MOnat leben kann, weil es Herrn Schlecker gelungen ist, Teile seines Vermögens auf die Familie zu verteilen?
      Du lässt in Deiner Tirade meinen vorgeschlagenen Weg der Kurzarbeit komplett aus, die das Gehalt in der praktisch bisherigen Höhe erhält – bei genügend Zeit, sich weiter zu qualifizieren.
      Es geht übrigens mit der SChließung von einem Lager auch um Männerarbeitsplätze. Ich sehe, dass das alles schlimm ist für die, die betroffen sind. Als vor Jahren Pfannkuch verkauft wurde und viele Filialen schlossen oder manche in personalreduzierte, schlechter bezahlte Schleckerfilialen umgewandelt wurden, da wollte auch niemand was machen. Wieso also heute?
      Der Einsatz für die Schleckerbeschäftigten ist ehrenwert – aber politisch falsch. Es gäbe den Weg über Kurzarbeit – wie bei anderen Unternehmen auch. So bleibt dann alles in der Hand des Betriebes und in der Verantwortung der Beschäftigen, wie es weiter geht. Innerhalb eines Jahres durchaus zu lösen.
      Tut mir leid, ich kann NICHT erkennen, warum ausgerechnet die Schleckermitarbeiter eine Sonderbehandlung bräuchten. Denn sie sind nicht wie in der Autoindustrie an einem Standort konzentriert und damit massiv die gesamte REgion mitbetroffen, sondern über die gesamte Republik.
      UNd was sie dann weiterhin aus ihrem Berufsleben machen – das obliegt ihnen. Wie gesagt, es gibt Ausbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen in vielerlei Hinsicht. Viele andere Menschen in diesem Land bilden sich neben dem Beruf fort – an WOchenenden, abends. Manche nehmen sogar eine Arbeitslosigkeit dafür in Kauf.

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  9. Micha21. November 2012

    Toller Beitrag und eine wirklich spannende Diskussion. Werde den Blog öfter mal besuchen in Zukunft!

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