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Bundespolitik & Grünzeug am Mittwoch » Grünzeug am Mittwoch 118: Lückenfüller?
19Mai

Grünzeug am Mittwoch 118: Lückenfüller?

Bekanntermaßen sitzen mit Winne Hermann und Alex Bonde auch zwei Mitglieder der grünen Bundestagsfraktion in der neuen Landesregierung. Bzw. genauer gesagt: zwei ehemalige Mitglieder der grünen Bundestagsfraktion. Für die beiden rücken jetzt zwei Neue als MdBs in den Bundestag nach. Aus Baden-Württemberg sitzen in der grünen Fraktion im Bundestag elf Leute. Wer rückt nach?

Ab Platz 12 sieht die für die Wahl 2009 aufgestellte Landesliste so aus:

12. Harald Ebner
13. Charlotte Schneidewind-Hartnagel
14. Florian Hassler
15. Andrea Lindlohr
16. Till Seiler
17. Irmgard Zecher †
18. Ulrich Schneider
19. Susanne Kieckbusch
20. Jörg Rupp

Damit ist das mit dem Nachrücken ein bisschen komplizierter als üblich. Neu in die Fraktion eintreten wird zum einen Harald Ebner. Charlotte Schneidewind-Hartnagel und Andrea Lindlohr sind beide gerade neu in den Landtag – und in den Fraktionsvorstand – gewählt worden, und wollen diese Ämter ausüben. Florian Hassler hat ebenfalls einen spannenden Job in Baden-Württemberg gefunden. Damit ist der zweite Nachrücker – etwas überraschend – Till Seiler von Platz 16 der Landesliste.

Wer sind nun die beiden Neuen? Für beide gilt: Noch ist nicht klar, welche Arbeitsgebiete sie in der Mitte der „Laufzeit“ in der Fraktion übernehmen werden. Mal sehen, was dabei herauskommt. Was lässt sich sonst noch über die beiden sagen?

Der Dipl.-Agraringenieur Harald Ebner (geb. 1964) lebt im Hohenlohischen. Er ist Mitglied im grünen Parteirat. In der Bundestagsfraktion würde er aufgrund seiner Biografie und Ausbildung, aber auch aufgrund seiner Schwerpunktsetzung im Wahlkampf am liebsten etwas im Ökologiebereich zu machen, etwa Landwirtschaft, Verbraucherschutz oder Gentechnik. Gerade letztere ist ein großes Thema in Hohenlohe (gentechnikfreie Region …). Er meint dazu: „Ohne ein 100% gentechfreies Baden-Württemberg können wir auch jeden Ökolandbau im Land vergessen.“ Auch die Koexistenz und Kooperation zwischen Naturschutz und Landwirtschaft treibt ihn seit langem um.

Als zweites großes Themengebiet nennt er die Verkehrspolitik. „Gerade auch im ländlichen Raum stehen wir vor großen Herausforderungen im Hinblick auf nachhaltige Mobilität.“ Aber auch Kino – seit zehn Jahren gestaltet er in Kirchberg das Programmkino Klappe mit – und (ökologische) Sportpolitik gehören zu seinen Interessen.

Und wie ist es so, neu in den Bundestag zu kommen, Herr Ebner: „Wie es sich anfühlt? Klasse! Ich habe da aber auch großen Respekt vor der Aufgabe und sehe auch, dass die Zeit ja nicht mehr so lange ist. Da kommt’s drauf an, sich schnell einzuarbeiten, um die verbleibende Zeit zu nutzen. Aber ich nehme die Herausforderung gerne an, schon allein deshalb, weil unsere notorisch mandatsfreie Region endlich, endlich mal ein grünes Mandat verdient hat!“

Auch Till Seiler (geb. 1981) ist seit Jahren auf lokaler Ebene (zuletzt im Stadtrat Konstanz als Fraktionssprecher der Freien Grünen Liste) und auf Landesebene grün-aktiv, u.a. hochschulpolitisch und bei zwei Bundestagskandidaturen in Konstanz.

Die Herausforderung Bundestag-Nachrücker möchte er gerne annehmen. Nach seinem Studium in Konstanz arbeitete Till Seiler dort als Lehrer (Deutsch, Gemeinschaftskunde, Ethik). Gefragt, wie das ist, mitten im Schuljahr zu wechseln, sagt er, dass das nicht einfach wird. „Ich habe die Pflicht als Lehrer mich um meine Schüler zu kümmern und nicht urplötzlich nach Berlin zu verschwinden. Gerade die Übergabe der Klassen an die nachfolgenden Kolleginnen und Kollegen muss auf jeden Fall funktionieren. Zugleich ist es aber auch schön, Zuspruch und Motivation von SchülerInnen und KollegInnen zu erhalten.“

Was er im Bundestag machen wird, kann Till Seiler ebenfalls noch nicht sagen. Vielen in der Partei ist er aufgrund seines bildungspolitischen Engagements bekannt, etwa als vehementer Verfechter der Gemeinschaftsschule. Ein weiteres Thema, mit der landespolitisch profiliert ist, ist die Gesellschaftspolitik – u.a. als Sprecher der Projektgruppe „Lesben und Schwule“ und als Delegierter für die BAG Schwulenpolitik.

* * *

Ich bin mir sicher, dass beide auf jeden Fall eine Bereicherung für die grüne Bundestagsfraktion darstellen werden – und definitiv nicht einfach nur „Lückenfüller“ für Alex Bonde und Winne Hermann darstellen. Gleichzeitig bekommen die Hohenlohe und Konstanz jetzt unverhofft je einen grünen Bundestagsabgeordneten – auch das ein erfreulicher Nebeneffekt der grün-roten Regierungsbildung im Ländle.

Harald und Till möchte ich von dieser Stelle aus viel Erfolg bei ihren neuen Aufgaben wünschen – ich bin gespannt, was ihr aus dem Mandat macht!

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