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Europa & Wirtschaft & Soziales » Ein Pate fuer Frankfurt
30Apr

Ein Pate fuer Frankfurt

Die Spatzen pfeifen es seit einiger Zeit vom Dach: Das Rennen um die Trichet-Nachfolge im Amt des obersten Waehrungshueters laeuft auf Mario Draghi, den Chef der Banca D‘Italia, hinaus. Deutschland, dessen Kollektivgedaechntis von der Hyperinflation gepraegt zu sein scheint, gilt  in der internationalen Elite der Geldpolitiker immer als der Falke unter den Zentralbankern. Dass die Bundesrepublik in den Zeiten von Griechenland-Irland-Portugal, wo die monetaere Politik wichtiger zu sein scheint als die Fiskalpolitik, nicht den Spitzenjob besetzt, haben sich die Verantwortlichen aus Berlin und Frankfurt selbst zuzuschreiben.

Manche scheinen so veraergert ueber den Weber-Rueckzieher zu sein, dass sie nun ihren Dampf an Draghi auslassen. So haelt der Haushaelter der Union Klaus-Peter Willsch Draghi zwar fuer keinen schlechten Mann, faende aber die Wahl eines Landsmannes aus dem Sueden als ein „verheerendes Signal“. Nach dieser verqueren Logik muesste ihm also ein schlechter Volkswirt aus Preussen lieber sein als ein guter Mann aus Rom. Das ist nicht nur dumm, sondern das wirklich „verheerende Signal“, denn eine solche Denke wirft das ueber Bord, was die Europaeische Union ausmacht: Toleranz und Zusammenhalt.

Das Ressentiment gegen die PIIGS-Laender und ihren Fetisch fuer eine Weichwaehrung scheint sich jetzt auch in den Koepfen fuehrender Politiker in Deutschland festgesetzt zu haben – finnischer Rechtsruck laesst gruessen. Es ist ja auch nur zu verstaendlich (Achtung: Satire!), dass Italiener gerne an Kaufkraft verlieren, damit sie fuer Pizza, Pasta und Prada naechsten Monat noch mehr Geld ausgeben muessen.

Ich jedenfalls bin davon ueberzeugt, dass Draghi seine Arbeit sehr gut machen wird.  Er ist der derzeit beste Geldpolitiker den wir haben und einer, der sich den europaeischen – und ja, auch den deutschen Interessen – verpflichtet fuehlt. Preussische Tugenden, liebe BILD-Zeitung, sind durchaus auch im Sueden zu finden.

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