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Bildung & Grünzeug am Mittwoch » Grünzeug am Mittwoch 105: Landtagswahl-Hitparade (Teil II)
08Feb

Grünzeug am Mittwoch 105: Landtagswahl-Hitparade (Teil II)

Ich habe ja einen kurzen Moment lang darüber nachgedacht, ob ich statt grüner Inhalte lieber was zu den sieben Sündenfällen Mappus‘ schreiben soll. Aber die Inhalte haben gesiegt. In Fortsetzung von Teil I geht es hier also weiter mit meiner subjektiven Auswahl der besten Punkte aus dem Landtagswahlprogramm. Und zwar aus dem Bildungsteil.

Über Bildung ganz allgemein: „Bildung ist für uns GRÜNE mehr als der bloße Erwerb von Qualifikationen für den Arbeitsmarkt. Bildung bedeutet auch, die Persönlichkeit zu entfalten, soziale Kompetenzen zu erlernen und die Demokratie wertzuschätzen.“ (S. 93)

Über Kleinkinderbetreuung: „Wir GRÜNEN setzen uns für die vollständige Umsetzung des Rechtsanspruchs auf einen Platz in einer Betreuungs- und Bildungseinrichtung für Kinder unter drei Jahren (U3) ab 2013 ein. Dafür müssen in den nächsten Jahren erhebliche zusätzliche Mittel eingesetzt werden.“ (S. 95)

Über den Übergang in die Schule: „Wir wollen aber Kinder nicht ’schulreif‘ trimmen, vielmehr sollen Lehrkräfte und ErzieherInnen in gemeinsamer Verantwortung den Übergang jedes Kindes von der Kita in die Grundschule konzeptionell vorbereiten und begleiten.“ (S. 96)

Über Gender im Kindergarten: „Da der Anteil des männlichen Personals aktuell bei nur 2 Prozent liegt, müssen gezielt junge Männer als Erzieher angeworben werden.“ (S. 98)

Über die Schulmodelle: „Die Landesregierung blockiert bislang rigoros alle innovativen Schulentwicklungsinitiativen […]. Dies ist Ausdruck der bürokratischen Verkrustung unseres Bildungswesens sowie der Angst vor einer neuen freiheitlichen und lebendigen Schulkultur. Wir GRÜNEN stehen für eine Schulentwicklung von unten und wollen dafür die notwendigen Freiräume schaffen.“ (S. 100)

Über Ethikunterricht: „Wir wollen neben Religion Ethik als gleichberechtigtes Wahlpflichtfach ab der 1. Klasse anbieten. Dies wollen wir im Schulgesetz verbindlich verankern.“ (S. 115)

Über Qualität in der Breite an Hochschulen: „Das einseitige Schielen auf die ‚Elite‘ führt hochschulpolitisch in die Irre. Wir GRÜNEN möchten die Förderung für alle Hochschulen des Landes verbessern,
um Spitzenleistungen an vielen Orten zu ermöglichen.“ (S. 125)

Über weiter geöffnete Hochschulen: „Wir wollen mehr beruflich Qualifizierte, mehr Menschen mit Migrationshintergrund, mehr Arbeiterkinder und mehr ausländische Studierende an unseren Hochschulen. Wir brauchen mehr Teilzeitstudiengänge, weil das berufsbegleitende Studium oder auch das Studieren mit Kindern zunimmt.“ (S. 126)

Über Arbeit an Hochschulen: „Wir wollen die Zahl fester Beschäftigungsverhältnisse im Mittelbau erhöhen und wissenschaftliche Karrieren neben der Professur ermöglichen. […] Wir setzen uns für gute Arbeitsbedingungen an den Hochschulen ein – unabhängig davon, ob jemand befristet oder unbefristet, im wissenschaftlichen Bereich oder in der Verwaltung tätig ist.“ (S. 127)

Über Demokratie: „Zu Recht haben Studierende in den vergangenen Semestern mehr Mitsprache und Demokratie an den Hochschulen gefordert.“ (S. 129)

Über Bologna: „Neue Eckpunkte für eine Reform der Bachelor- und Masterstudiengänge sollen landesweit in einem vom Land moderierten Prozess erarbeitet werden. Hierbei sollen – neben Regierung und Parlament – die HochschulmitarbeiterInnen und insbesondere die Studierenden beteiligt werden.“ (S. 131)

Über Forschung: „Wir treten dafür ein, dass Grundlagenforschung und langfristiges Denken gestärkt werden. Interdisziplinarität und problemlösungsorientierte Forschung wollen wir stärken und dabei den Erkenntnissen aus den Sozial- und Geisteswissenschaften wieder mehr Geltung verschaffen – im Austausch mit den Natur- und Technikwissenschaften.“ (S. 133)

Über Open Access: „Nachhaltige Wissenschaft sucht die Auseinandersetzung mit der Öffentlichkeit, weil sie an der Anwendung ihrer Ergebnisse interessiert ist. Deshalb treten wir dafür ein, dass die Ergebnisse aller öffentlich geförderten Forschungsvorhaben umgehend auch öffentlich zugänglich gemacht werden.“ (S. 135)

Über Hochschulfinanzierung: „Kürzungen der Etats der verschiedenen Hochschulen gegenüber dem heutigen Stand wird es angesichts des enormen zusätzlichen Bedarfs an Studienplätzen und Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung in der Lehre mit uns GRÜNEN in der Legislaturperiode 2011–2016 nicht geben.“ (S. 137)

Über Studiengebühren: „Das Studium muss – unabhängig vom Einkommen der Eltern – für alle Studierwilligen möglich sein; deshalb fordern wir GRÜNEN ein gebührenfreies Erststudium bis zum Masterabschluss bzw. bis zum derzeit noch existierenden Staatsexamen.“ (S. 137)

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Kommentare

  1. Jörg Rupp9. Februar 2011

    Hallo Till,
    vielen Dank. Bildung ist tatsächlich wichtig – und du hast auch fast alles aufgelistet. Wichtig ist m. E. aber auch noch, dass wir auf der Umsetzung der UN-Konverntion zur Inklusion in Kindergärten und Schulen bestehen und endlich die Umsetzung schaffen wollen. Schließlich ist diese Konvention ratifiziert und somit verpflichtend – auch für Baden-Württemberg. Hier geht es um elementare Rechte.
    „Eltern behinderter Kinder sollen selbst entscheiden, ob ihre Kinder eine Regelschule
    oder eine Sonderschule besuchen. Dieses uneingeschränkte Wahlrecht wollen wir
    im Schulgesetz verankern. Dem Wunsch der Eltern nach dem Schulort ist Rechnung
    zu tragen. Kinder mit Behinderungen haben ein Recht auf optimale individuelle
    sonderpädagogische Förderung, unabhängig davon, welche Schule sie besuchen,
    und unabhängig von der Art und Schwere der Behinderung.“
    Das bedeutet natürlich auch, dass sich Eltern gegen die Unterrichtung in der Regelschule oder -kindergarten entscheiden können und andersrum, dass wenn sie sich dafür entscheiden, eine gute Förderung, adäquat zur jetzigen, gewährleistet sein muss.

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  1. […] Noch einmal ein Blick ins grüne Landtagswahlprogramm. Nachdem in den beiden vorherigen Instanzierungen dieses Blogeintrags Umwelt, Wirtschaft und Bildung dran waren, geht’s jetzt u.a. um Sozial- und Gesellschaftspolitik, Bürgerrechte und Netzpolitik – wie immer in subjektiver Auswahl meiner Lieblingspassagen. Und wie immer ist’s nur ein Bruchteil von dem, was im Programm steht. […]

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