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Gesundheit & Umwelt, Klima & Energie » Esst das!
23Jan

Esst das!

zweitverwertet aus meinem Blog:

Biolebensmittel sind nicht billig. Aber oft preisgünstig. Discounter-Massenware dagegen billig. Bei LIDL gibts aktuell Schweine- oder Putenfleisch für 2,39 die Packung – das Kilo 3,42 € oder 6,29 €. Milch für 49 Cent. Völlig utopisch. Und nur denkbar mit Massentierhaltung.

Eine Massentierhaltung,die die Verbraucher_innen eigentlich ablehnen. Und sie doch täglich kaufen. Weil sie billig sind. Weil, wie es Freund einmal formulierte, man für 50 € einen ganzen Wagen voll Ware bekommt. Dafür wird im Bioladen oftmals nur mein Einkaufskorb voll.

22.000 Menschen waren nach Medienberichten am 22. Januar in Berlin, um unter dem Motto „Wir haben es satt“ gegen die aktuelle Agrarpolitik zu demonstrieren. Nun, es ist zumindest mal neu, dass wegen „sowas“ so viele Menschen auf die Straße gehen. Aber erwarten wir tatsächlich, das sich etwas ändert?

Ich tue das nicht. Denn die Liste dessen, was wir uns als Verbraucher_innen zumuten, wird länger und länger. Obwohl jeder und jedem klar sein muss, dass hunderte und tausende zusammengepferchte Tiere nur mit immensen Mitteln an Medikamenten gesund erhalten werden können, sind wir doch immer wieder überrascht, wenn sie in den Lebensmitteln nachgewiesen werden. So, als ginge das Medikament durch Mund, Magen und Darm, verrichtete seine Arbeit und verlässt den Körper dann wieder. Eine naive Vorstellung – aber offenbar weit verbreitet. Aber nicht nur Medikamente, sondern auch Panschereien haben immer wieder von sich reden gemacht. Ich bin gelernter Lebensmitteleinzelhandelskaufmann – insofern habe ich da immer ein besonderes Interesse.

  • 1980 und 88 fand man Wachstumsöstrogene in Kalbfleisch.
    Wenig überraschend, wie ich finde. Schneller wachsende Tiere erhöhen den Umschlag im Stall. Bei Schweinen ist das ja ähnlich: „normalerweise“ werden Schweine im Alter von 6 Monaten geschlachtet. Man bringt sie dazu, in schon 4 Monaten schlachtreif zu sein. So bekommt man drei Generationen pro Jahr anstatt zwei. Umsatzsteigerung: 1/3.
  • 1985 (da begann meine Ausbildung) entdeckte man Glykol im Wein.
  • Ebenfalls 1985 fand man in Nudeln mit Kot verunreinigtes Flüssig-Ei. Dass der Flüssigeiskandal ein Politikum war, hing an der engen Verbindung des Nudelherstellers mit dem baden-württembergischen Ministerpräsdenten. Übrigens waren die Birkel-Nudeln damals recht beliebt – weil preisgünstig.
  • 1987 Seefische mit Nematoden befallen
  • Listeriosebakterien in Weichkäse und Pasteten – wie auch übrigens 2010
  • 1993: verdorbenes Fleisch durch fehlende Hygiene in Supermärkten
  • 1994: Lindan in Babyreis – besonders davon betroffen war der Billiganbieter Schlecker
  • 1996: die Öffentlichkeit erfährt von der Gefahr von BSE-Fleisch
  • 1996: Nikotinrückstände in Hühnerfleisch
  • 1996: „abgelaufenes“ Fleisch wird umdatiert.
  • 1997: wieder Würmer in Seefischen
  • 2001: der Schweinemast-Skandal: Hormone, Antibiotika und Impfstoffe wurden illegal an Schweinezuchtbetriebe verkauft
  • 2001: Schnitzel und Schinken (auch aus Schweinen) und Putenfleisch werden mit Wasser gestreckt. erlaubt ist das übrigens (deshalb wird das Fleisch in der Pfanne kleiner) bis zu 8%
  • 2001: asiatische Shrimps enthalten ein verbotenes Antibiotikum
  • 2001: Räucher- und Wildlachs wird mit zu langem MHD (Mindeshaltbarkeitsdatum) ausgezeichnet bzw. der lachs verdirbt vorzeitig.
    Sowas kann mehrere Gründe haben: entweder verlängert man z. B. das Datum über die Testergebnisse hinaus oder aber die Hygiene stimmt irhgendwo im Produktionszyklus nicht.
  • 2002: mit Antibiotika belastetes Fleisch aus Brasilien und Thailand taucht bei uns auf (wieso muss das denn imortiert werden- wir exportieren doch ebenfalls)
  • 2002: Nitrofen in Ökogetreide
    Das Getreide war in einer verseuchten Halle gelagert
  • 2002: Schweinfelsich mit synthetischen Hormonen im Handel
  • 2002: erneuter Nitrofuranfund in Fleisch
  • 2003: BSE zum x-ten Mal – noch immer wird Tiermehl an Rinder verfüttert, obwohl es seit 1996 verboten ist
  • 2004: MDH-überschrittenes fleisch gerät nach Umetikettierung erneut in den Handel
  • 2004: krebserregende Farbstoffe in Gewürzen
  • 2005: erneut: Umetikettierung – dieses Mal von Hackfleisch. Das ist besonders eklatant, da für Hackfleisch besondere Vorschriften bestehen
  • 2005: der berühmte Ekelfleischskandal: 390 t vergammeltes Fleisch gerät in den Handel
  • 2006: verfaultes Wildfleisch aus Bayern
  • 2006: Gammelfleisch in Döner
  • 2007: verdorbene Eier und Schweinsköpfe (stark stinkende, verschimmelte und vereiterte Schweineköpfe für die Wurstproduktion) wurden verarbeitet
  • 2009: erneut Gammelfleisch beschlagnahmt

Hinzu kommen immer wieder Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in Obst und Gemüse, vor allem aus der Massenproduktion in Spanien und Holland. Das vor allem bei den Produkten, die außerhalb der Saison verkauft werden. Aber auch während der Saison finden sich vor allem immer wieder in Paprika oder Trauben Rückstände über die Grenzwerte hinaus. Und wenn Grenzwerte eingehalten werden, dann oft dadurch, dass verschiedene Wirkstofef eingesetzt werden. Da aber kein Gesamtgrenzwert gilt, kann man für jeden Wirkstoff den Grenzwert einhalten.

Die Liste ist natürlich nicht vollständig. Das ist das, was ich so innerhalb einer Stunde im Internet gefunden habe. Es sind immer wieder gleiche oder ähnlich gelagerte Vorfälle. Und allen gleich ist auch, dass jede_r der könnte, wüsste er oder sie es besser, diese Produkte nicht gegessen hätte. Und es sagt etwas über unsere Produktionsmethoden, wenn man vergammeltes Fleisch so ver“edeln“ kann, das man als Verbraucher das gar nicht mehr schmeckt.

Ich glaube nicht, dass sich etwas ändert. Ich glaube, dass die Menschen wissen, was los ist. Und ich glaube, bei den meisten Verbraucher_innen entscheidet letztendlich der Geldbeutel – und die Bequemlichkeit. Anders ist es kaum zu erklären, warum man zwischenzeitlich Pfannkuchenteig fertig kaufen kann – und da ist sicherlich auch Flüssigei drin. Und auch über die Massentierhaltung sind wir gut informiert -nicht erst seit „We feed the world“

Wiesenhof

Dieser Film über die Behandlung von Hühnern bei Wiesenhof. Wiesenhof, das ja auch Biogeflügel vertreibt. Wie sicher kann man sich da noch sein, das im Wiesenhof-Bio-Hähnchen auch ein Biohähnchen ist – nach all den Erfahrungen mit der Lebensmittelindustrie? Gar nicht.

Die Industrie handelt nach der Maxime: Esst das! – und denkt nicht nach. Und wenn ihr nachdenkt – denkt an den Preis. Wir Verbraucher_innen sind jetzt gefragt. Anders kann es keine Lösung geben.

Dazu gehört auch, das wir wieder lernen, Gerichte selbst herzustellen. Frikadellen kann man genauso selbst herstellen wie Pfannkuchenteig. Dazu gehört weniger Fleischkonsum. Dazu gehört, Fleisch nicht mehr da einzukaufen, wo es besonders billig ist. Nicht bei REWE, nicht bei LIDL, nicht bei ALDI. Das tut weh, ist anstrengend – aber es gibt andere Wege. ich kaufe größere Fleischpakete beim Hofladen meines Vertrauens und friere das Fleisch ein. Und habe so einen günstigeren Preis, als wenn ich alles einzel kaufen würde. Und das ist auch vermutlich der Weg zurück – auch wenn Frau Aigner das nicht so sieht: zurück zum Kauf beim Erzeuger – zumindest beim Fleisch. Wochenmärkte gibt es beinahe überall. Und Tiefkühltruhen und -schränke kann man sich auch kaufen. Und in der Gastronomie isst man dort, wo man weiß, was verarbeitet wird oder man isst vegetarisch. Das schlaueste, was ich gehört habe dazu diese Woche kam übrigens von Sarah Wiener: es muss in den Schulen kochen unterrichtet werden. Für alle. Damit unsere Kinder wieder lernen, wie man Speisen herstellt. Vom Pfannkuchen bis hin zum Rindersteakt, vom Blumenkohl bis zur Forelle.

Wer das nicht möchte, wer lieber weiterhin einfach und billig seine Lebensmittel kaufen möchte – nun, der muss das essen, was ihm oder ihr vorgesetzt wird. Und das auch weiterhin tun.  Dem sag ich schon jetzt: Guten Appetit.

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Kommentare

  1. Tichodroma23. Januar 2011

    Ich vermisse bei der ganzen Diskussion den ethischen Aspekt des Tierschutzes. Bei all den oben aufgeführten „Skandalen“ ist, so weit mir bekannt, kein Mensch gestorben oder anderweitig zu Schaden gekommen. Für die auch von Ihnen empfohlenen Ernährung mit toten Tieren, egal ob aus konventioneller oder aus Bio-Haltung, werden aber im ganz normalen Betrieb unfassbare Zahlen an Tieren ermordet. Für all diese Tiere ist die Haltung als sog. Nutztiere auch dann unerträglich, wenn gerade kein Skandal von BSE über Gammelfleisch bis zu Dixion als aktuelle Sau durchs Dorf getrieben wird. All diesen Tieren ist nur dann geholfen, wenn wir sofort auf eine vegetarische, besser noch vegane Ernährungsweise wechseln. Einfacher geht es gar nicht.

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    • Jörg Rupp23. Januar 2011

      Der Tierschutz ist hier nicht mein Ansatz. ich bin – und werde es wohl bleiben – auch Fleischesser. Und es gibt eben viele Menschen, die das ebenfalls bleiben wollen. Für mich ist nicht das Problem „Töten um zu Essen“ ein solches. Ich finde aber nicht, das die Produktion von Fleisch unter grausamsten Bedingungen für die Tiere stattfinden muss – und mit den Konsequenzen für die Konsumenten. Ich finde, wenn man Tiere soweit als möglich artgerecht aufzieht, dann ist das in Ordnung. Als Politiker kann ich auch nicht Politik nur für meine Klientel machen wollen. Also jetzt als grüne Partei nur Politik für Vegetarier oder Veganer und zu sagen: der Rest soll machen und essen was er/sie will – das geht ja auch nicht.
      Es gibt bei uns eine breite vegetarische Bewegung innerhalb der Partei. Und wir haben bspw beschlossen, auf Parteitagen nur noch vegetarisches Essen anzubieten. Viele unsere Komunalfrationen setzen sich für Veggie-Tage in den städtischen Kantinen ein – mit unterschiedlichen Erfolgen.
      Mir ging es hier darum, dass auch fleischesser das Recht haben, ein gesundes, nicht ekelerregendes, nicht verseuchtes Produkt vorgesetzt zu bekommen. Die Industrie kann und will das offenbar nicht leisten. Daher ist der/die Verbraucher_in gefragt.

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  2. Maria24. Januar 2011

    Die Forderung, dass nun alle Menschen auf Fleisch verzichten sollte halte ich schon aus rein evolutionärer Sicht für fragwürdig. Wer das für sich entscheidet und das auch durch hält – Hut ab. Die Einstellung von Jörg Rupp kann ich als Bio-Fleisch-Anbieter und Bio-Verfechterin nur begrüßen. Denn bei Bio geht es vor allem auch um die ökologische Aufzucht der Tiere. Und insgesamt gilt: lieber weniger und dafür gute Qualität. Gänzlicher Verzicht ist für die meisten wohl kaum möglich.

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  3. Tichodroma24. Januar 2011

    @Maria

    Wenn Sie sagen, „bei Bio vor allem auch um die ökologische Aufzucht der Tiere“, dann würden Sie wohl auch sagen, dass es um das Töten der Tiere nicht geht. Und damit hätten Sie Recht. Auch auf einem Bio-Hof gemästete Schweine und Hähnchen werden auf die selbe brutale Art geschlachtet, wie solche von konventionellen Höfen.

    Ihren Hinweis auf die „evolutionärer Sicht“ kann ich leider nicht ganz nachvollziehen. Der große evolutionäre Vorteil des Menschen ist doch, dass er einen Verstand besitzt und sich über die Konsequenzen seines Handelns Gedanken machen kann. Wir werden nicht wie andere Tiere nur von Instinkten gesteuert. Wir können uns entscheiden, keine Tiere für unsere Ernährung zu tun.

    Ebenfalls unklar ist mir, warum „gänzlicher Verzicht ist für die meisten wohl kaum möglich“ sein soll. Jeder Mensch kann sich vegetarisch ernähren. Für einen Einstieg empfehle ich http://www.vebu.de/einstieg

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    • Jörg Rupp24. Januar 2011

      Die Tier aus ökologischer Haltung werden auch anders geschlachtet, schon anders transportiert als andere Tiere. Es ist ein anderer Umgang mit dem Tier, auch wenn es getötet wird. Ein respektvoller Umgang. Und der ist wichtig.

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  4. Heike Steffens24. Januar 2011

    @ Jörg Rupp
    Sie schreiben, Tierschutz sei nicht Ihr Thema – schön und gut, und was ist mit Umwelt- und Menschenschutz? Sicher haben Sie als grün orientierter Politiker schon einmal am Rande davon gehört, dass die massenhafte Aufzucht von Tieren dem Klima einen immensen Schaden zufügt (Stichwort: CO2-Ausstoß), ganz zu schweigen davon, dass das an diese Tiere verfütterte Getreide und Soja ausreichen würde, die gesamte Weltbevölkerung zu ernähren. Das muss ich an dieser Stelle gewiss nicht mit wissenschaftlich belegbaren Zahlen untermauern, die jedem Interessierten ohnehin öffentlich zugänglich sind und, um es mit Hagen Rether zu umschreiben, „jedem Vollidioten mittlerweile bekannt sein dürften“.
    Wer Fleisch isst, handelt nach dem Gesetz des Stärkeren … solange die Schwächeren die anderen sind!

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    • Jörg Rupp24. Januar 2011

      Hallo Herr Steffens,
      Tierschutz ist – ich hab mich da etwas unklar ausgedrückt – in diesem Zusammenhang nicht mein Thema. Ich denke, es geht aus meinem Artikel hervor, dass ich gegn die >Masentierhaltung bin, wie sie prkatiziert wird. Ich muss auch keine argentinischen Rindersteaks essen. Zum CO2-Ausstoß der Kühe gibt es zwischenzeitlich neuere Erkenntnisse – wenn man Rinder nauf Gras hält – also Freiland, artgerecht – dann ist, da Gras ein guter CO2-Speicher ist Viehhaltung klimaneutral. Natürlich nicht in der Massentierhaltung, mit Fütterung mit Mais und Soja von Feldern aus abgeholztem Urwald – nein, das ist ja nicht das, was ich möchte. Also, keine Massentierhaltung, artgerechte Haltung, Futter soweit als möglich selbst erzeugt.
      Aber man muss auch akzeptieren, dass es eben Menschen gibt, die sich nicht ausschließlich vegetarisch oder vegan ernähren wollen. (So wie ich).

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  5. Heike Steffens24. Januar 2011

    @ Maria
    Wie gut, dass der Mensch am Ende der Nahrungskette steht, nicht wahr? Stellen Sie sich doch einmal für einen Augenblick vor, das Szenario würde sich ändern und plötzlich stünden wir nur noch an zweiter Stelle (würden also den Platz der heutigen Tiere einnehmen). Wären Sie dann immer noch der Auffassung, dass das dann eben so ist? Würden Sie dann auch klag- und protestlos Ihr Schicksal annehmen, dass Sie als Frau so oft wie möglich geschwängert würden, damit die Milchproduktion nicht aufhört? Wäre es für Sie dann ebenfalls in Ordnung, dass man Ihnen Ihre Kinder gleich nach der Geburt wegnimmt und – wenn sie männlich sind – schnell mästet und schlachtet, weil ja ihr Fleisch so besonders zart ist?
    Manchmal bedarf es vielleicht einiger drastischer Vergleiche, um einen Menschen zum Nachdenken zu bewegen. Ich persönlich kann beim besten Willen nicht nachvollziehen, wie man angesichts der erdrückenden Fakten überhaupt noch in Erwägung ziehen kann, Fleisch zu essen. Dass es KEINE Notwendigkeit ist, sondern schlicht und einfach aus rein egoistischen Gründen geschieht, sollte dabei jedem klar sein.

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  6. Tichodroma24. Januar 2011

    @Heike Steffens

    Viele Dank für Ihre klaren Vergleiche. Ich stimme Ihnen vollständig zu.

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  7. Heike Steffens24. Januar 2011

    @ Tichodroma

    … und Ihnen vielen Dank für den Link zu diesem Blog auf der ASS-Seite http://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/medien-uber-vegetarismus-fleischindustrie-in-panik

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  8. Maria24. Januar 2011

    @ Heike und Tichodroma:
    mein Hinweis auf die Evolution bezog sich eher darauf, dass der Mensch schon immer Fleisch gegessen hat. Ich denke, jeder sollte selbst entscheiden dürfen, ob er Fleisch essen möchte oder nicht. Dass ich die Massentierhaltung und ihre Bedingungen nicht befürworte ist klar – sonst würde ich keine Bio-Produkte vertreiben.

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  9. Tichodroma24. Januar 2011

    @Maria

    Ich zitiere mal aus einer Quelle, der ich mich vollständig anschließen kann: http://vebu.de/einstieg/leitfaden-fuer-diskussionen

    „Auch wenn sich Menschen an das Essen von Fleisch gewöhnt haben, muss man sich klar machen, dass ein beachtlicher Teil der Weltbevölkerung schon immer auf Basis einer pflanzlichen Kost gelebt hat und es auch heute noch tut sowie unsere nächsten Verwandten die Menschenaffen.

    Sklaverei, Mord und Krieg sind ebenfalls althergebrachte Praktiken – die Menschen haben dies schon immer getan. Aber rechtfertigt die Gewohnheit derartige Verhaltensweisen?“

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  10. Tichodroma24. Januar 2011

    @Jörg Rupp

    Zum Thema „Jeder muss für sich selbst entscheiden können und das muss akzeptiert werden“ ebenfalls ein Zitat, dem ich mich vollständig anschließe:

    „Meinungsfreiheit steht jedem Einzelnen zu, aber diese muss von Handlungsfreiheit unterschieden werden. Egal ob ein Mensch oder sehr viele Menschen der Meinung sind, dass manches Leben mehr Wert als anderes hat, gibt es ihnen noch lange nicht das Recht, dieses Dogma auch praktisch umzusetzen. Die Freiheit des einen endet dort, wo die Freiheit des anderen beginnt. Oder mit den Worten von Matthias Claudius ausgedrückt: „Die Freiheit besteht darin, dass man alles tun kann, was einem anderen nicht schadet.““

    http://vebu.de/einstieg/leitfaden-fuer-diskussionen

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  11. Tichodroma24. Januar 2011

    @Jörg Rupp

    Und auch zum Argument „Tiere werden respektvoll behandelt und human(!) getötet“ ein Zitat.

    „Die große Nachfrage nach Fleisch zu einem möglichst günstigen Preis führt dazu, dass Schlachtbetriebe versuchen, ihre wirtschaftliche Effizienz mehr und mehr auszubauen. Eine stetige Steigerung der Schlachtgeschwindigkeit führt jedoch unweigerlich dazu, dass das ordnungsgemäße Betäuben und Ausbluten der Tiere nicht mehr gewährleistet werden kann. Bei der Schlachtung von beispielsweise über 600 Schweinen pro Stunde hat der/die Arbeiter_in nur wenige Sekunden Zeit, einen sauberen Stich zum Ausbluten des Tieres durchzuführen. Untersuchungen haben ergeben, dass rund 560.000 Schweine jährlich in Deutschland nicht sachgemäß getötet werden und somit lebendig in den Brühtank geraten.
    Doch die Schlachtbedingungen sind nicht der springende Punkt. Töten ist Unrecht und wird immer Unrecht bleiben – egal wie »human« es auch durchgeführt wird. Würden wir jemals einen Kindermörder von seiner Schuld freisprechen, weil er seine Opfer »human« getötet hat?“

    http://vebu.de/einstieg/leitfaden-fuer-diskussionen

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    • Jörg Rupp24. Januar 2011

      Naja, ich möchte Tiere nicht personalisieren und halte die Gleichsetzung von Tieren und Menschen in diesem Zusammenhang auch nicht für zielführend. Sie dürfen sich sicher sein, dass ich – gerade als GRÜNER – mir schon intensiv GEeanken über diese Problematik gemacht habe. Für mich ist ein für mich vertretbarer Weg, kein Fleisch aus Massentierhaltung zu kaufen. Ich habe selbst als junger Erwachsener an einer Hausschlachtung teilgenommen. Ich für mich esse gerne Fleisch und möchte es nicht vermissen. Industrielle Massentierhaltung lehne ich ab.

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  12. Heike Steffens24. Januar 2011

    @ Jörg Rupp
    [leider kann ich die Anwort-Funktion nicht nutzen]

    „Aber man muss auch akzeptieren, dass es eben Menschen gibt, die sich nicht ausschließlich vegetarisch oder vegan ernähren wollen.“

    Und warum muss man das? Bestimmt wegen der Toleranz, oder? Warum sind wir dann nicht auch toleranter gegen Menschen, die Menschen töten? Ach ja, Menschen sind viel mehr wert als so ein „Nutztier“, das ja schließlich nur für unseren Genuss überhaupt erst existiert – oder wie begründen Sie das?

    Nicht alle Meinungen haben denselben Wert, und es ist eben nicht wahr, dass eine Meinung, die rechtfertigt, Fleisch zu essen so richtig ist wie die Meinung, dass man dies aus ethischen Gründen nicht tun sollte.

    Der italienische Tierschützer Franco Libero Manco hat dies recht provokant einmal so formuliert:
    „[…] die Position, die das Gesetz des Stärkeren über den Schwächeren legitimiert, hat nicht denselben Wert wie die Meinung, die Unschuldige verteidigt. Es wäre, wie zu sagen, dass die Anschauung von Hitler denselben Wert hätte wie die von Jesus.“

    Wenn es allgemein als normal, richtig und legitim gilt, das Fleisch von Tieren zu essen, warum hat dann die überwältigende Mehrheit der „Fleischesser“ nicht den Mut, das Tier eigenhändig zu töten? Warum haben sie nicht den Mut sich anzuschauen, was in der Hölle der Schlachthöfe geschieht? Warum denken sie beim Anblick eines Steaks nicht an die Todesangst und den Schmerz, den ihre Wahl verursacht? Warum wollen sie nicht, dass ihre Kinder anwesend sind, wenn die Tiere, die sie lieben, getötet werden? Wenn sie das Töten als eine verwerfliche, grauenhafte Tat betrachten (die aufgrund ihrer Grausamkeit nur versteckt geschehen darf), als eine Tat, die erschüttern, erschrecken und verstören kann, warum ermöglichen sie sie dann, indem sie sich zu Komplizen machen?

    Kann etwas richtig und notwendig sein, das grausam ist und menschliche Gefühle erschüttert?

    Ich kenne Menschen, die beim direkten Anblick eines leidenden oder verletzten Tieres verzweifelt zurückschaudern und gleichzeitig jenen typischen und heuchlerischen Satz von sich geben: „Das kann ich nicht mit ansehen! Das will ich nicht sehen!“. Später, bei Tisch, essen sie seelenruhig das Tier, dessen Qualen sie zuvor mitangesehen haben.

    Wenn es moralisch gerechtfertigt ist, wenn es natürlich und richtig ist, warum werden dann nicht Besichtigungsfahrten und Ausflüge organisiert, um Schlachthöfe zu besuchen, so wie es doch für landwirtschaftliche Betriebe an der Tagesordnung ist, um unmittelbare Kenntnis über die Erzeugung von Früchten und Gemüse zu erlangen?

    Wenn es gerechtfertigt und richtig ist, das Fleisch von Tieren zu essen, warum weigert sich dann die Mehrheit der Menschen dabei zuzuschauen, wenn sie getötet werden – auch auf einem Bio-Hof??

    Und wenn es weder gerechtfertigt noch richtig ist, warum haben sie dann teil an einer als moralisch nicht gerechtfertigten, ungerechten und grausamen Praxis?

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  13. Tichodroma24. Januar 2011

    @Jörg Rupp

    Ich habe den Eindruck, dass Sie auf die Argumente von Heike Steffens und mir nicht eingehen wollen. Sie ziehen sich auf die Position zurück, dass wir Ihre Meinung respektieren sollen. Das ist zu einfach.

    Wo würden Sie übrigens den Unterschied zwischen Menschen und anderen Tieren sehen? Was folgt daraus für Ihre ethischen Grundsätze?

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    • Jörg Rupp24. Januar 2011

      Nein, es ist nicht einfach zu sagen, das meine Meinung genau so ist. Denn auch meiner Haltung geht ein langer Findungsprozess voraus. Den sollten SIe akzeptieren. Sie erzählen mir ja nicht wirklich Neues, ich habe mich damit befasst und bin zu einem anderen Ergebnis gekommen als Sie.
      Der Mensch ist kreativ, planend, spricht komplexe Sprachen, Abstraktionsvermögen und vieles mehr. Uns unterscheiden viele Dinge.
      Für mich folgt aus der – für mich bestehenden – Tatsache, dass der Mensch überall dort, wo er die Möglichkeit hatte, Fleisch zu essen, sie auch wahrgenommen hat, die Folge, dass Fleischernährung natürlich ist. Für mich ist die Frage, wie ich dem Nutztier begegne, die ethische Frage dar. Und wie ich diese beantworte, steht weiter unten.
      Im Übrigen: wie sinnlos ist es denn, Tiere zu töten, wenn man einfach einen WEg entlang geht? Setzen Sie ihre Füße nur an Stellen, die Sie vorher dahingehend überprüft haben, dass dort kein Tier sitzt? Fahren Sie Auto? Zug? Fahrrad?

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  14. Heike Steffens24. Januar 2011

    @ Tichodroma

    Ich glaube, ich kann Ihnen auch sagen, warum das so ist: Es gibt nämlich keine „echten“ Argumente pro Fleischkonsum, nicht ein einziges! Demgegenüber stehen jedoch zahllose „echte“ Argumente, die wissenschaftlich fundiert, ethisch, gesellschafts- und umweltpolitisch nur positiv bewertet werden können.

    Die Argumente, auf die sich Fleischliebhaber am Ende einer Diskussion zurückziehen, sind schnell aufgezählt und haben – in meinen Augen – stets einen etwas trotzigen Charakter:

    1. „Es war schon immer so“ – wie bereits ausgeführt, waren viele Dinge in der Vergangenheit „schon immer so“ und wurden dennoch, zum Glück, abgeschafft oder geändert. Nur der Homo sapiens sapiens, auf seiner bislang vermeintlich höchsten Entwicklungsstufe ist nicht mehr zu einer derartigen Kulturleistung fähig?

    2. „Man muss Fleisch essen, um gesund zu sein“ – diese These wurde, gerade in letzter Zeit, mehr als einmal wissenschaftlich widerlegt, wird aber zur eigenen Rechtfertigung immer wieder gerne genommen.

    3. „Aber es schmeckt mir halt so gut“ – Zu diesem Punkt habe ich an anderer Stelle (http://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/medien-uber-vegetarismus-fleischindustrie-in-panik#disqus_thread unter dem Pseudonym Heike65 Stellung genommen.

    Fazit: Sicher kann man niemanden zwingen, seine Gewohnheiten abzulegen, aber wenn es gelänge, jedermann dazu zu bringen, seine eigenen Gewohnheiten einmal wenigstens kritisch in Frage zu stellen und objektiv zu bewerten, wäre vielleicht ein erster Schritt getan. Am Ende ist es ohnehin nur eine Frage des ethischen Bewusstseins, der Herzensbildung und ich ahne bereits, dass ich mir mit dieser Aussage sicherlich wieder den Vorwurf der „moralischen Arroganz“ einhandeln werde. Sei’s drum …

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    • Jörg Rupp24. Januar 2011

      Sie vergessen eines: ich möchte Fleisch essen, weil es mir schmeckt. Und die Tiere, die ich esse, leben nicht so, wie Sie es in Ihrem Diskussionsbeitrag darstellen. Es ist mein freier Wille, es zu tun. So wie es Ihrer ist, es zu lassen. Und ich hätte keine Probleme damit, selbst ein Tier zu töten bzw. dem Prozess beizuwohnen, das habe ich schon.
      Ich mag es nicht, wenn man unterstellt, man hätte sein Verhalten nicht hinterfragt. ICH habe das getan und habe ein anderes Ergebnis als Sie. Ich esse nicht NUR Fleisch, sondern auch Obst und Gemüse. Man hat immer den Eindruck, so als Fleischesser, als gingen Vegetarier davon aus, man würde gar nichts mehr anderes essen, man hätte sich keine Gedanken gemacht und man äße nur Fleisch aus Massentierhaltung…..

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  15. Tichodroma24. Januar 2011

    @Jörg Rupp

    Es ist kaum möglich, ein Leben zu führen, ohne auf irgendeine Weise Schaden anzurichten; es liegt aber ein großer Unterschied darin, ob wir bei der Überquerung einer Wiese versehentlich auf einen Käfer treten oder eine Gans wochenlang mästen, um sie dann zu Weihnachten bewusst zu schlachten. Somit ist absichtliche Tierquälerei absolut inakzeptabel, da sie vermieden werden kann. Vegetarier_innen behaupten nicht, perfekt zu sein – sie wenden ihre Ethik einfach auf andere Tiere an, ohne künstlich eine Grenze zu ziehen. Einem Ideal kann man sich zumindest annähern, anstatt es erst gar nicht zu versuchen.

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    • Jörg Rupp24. Januar 2011

      Ja, aber ist es denn notwendig, diese Wiese genau da zu überqueren. Kann man da nicht außenrum? Und welche Tiere mussten sterben, um die Straße…und wenn der Tod den Sinn macht, jemanden zu ernähren, dann ist dieser Tod doch sinnvoller als der, aus Versehen totgelatscht zu werden. Und wer weiß, viellleicht verletzen Sie den Käfer ja nur und er muss noch tagelang leiden. Was ist der UNterschied zwischen einem Käfer und einer Kuh? Oder einem Fisch?
      Und doch, es ist normal, Gänse zu mästen, sie gut zu ernähren. Man muss sie aber nicht zwangsernähren. Und sie so zu züchten, dass sie zu einem gewissen Termin schlachtreif sind. Das ist planen. Ich bin gegen absichtliche Quälerei, das steht im Artikel und habe ich jetzt mehrfach betont. Ich bin gegen Massentierhaltung – wie wir GRÜNEN generell.
      Ich habe mich meinem Ideal soweit angenähert, wie ich es kann. Meine Lösung ist: artgerechte Tierhaltung, stressfreier Transport, die sogenannte „sanfte“ Tötung, möglichst umfassende Nutzung des Tieres. Keine Massentierhaltung, keine Quälerei, keine stundenlangen Transporte, keine Wachstumshormone und unnötigen Medikamente. Gesunde Ernährung.

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  16. Tichodroma24. Januar 2011

    @Jörg Rupp

    Mal eine andere Frage:

    Sie schreiben oben, dass es innerhalb der Partei eine „breite vegetarische Bewegung“ gibt. Kennen Sie irgendwelche Kontaktinformation dieser Bewegung? Gibt es eine BAG oder LAG?

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  17. Tichodroma24. Januar 2011

    Wenn ich zusammenfassen darf: Ihr Ideal ist es, dass das Interesse Ihres Gaumens Vorrang hat vor dem Lebensrecht anderer Tiere.

    Was Sie über „sanfte“ und „artgerechte“ Tierhaltung schreiben, ist für mich nur Augenwischerei. Schade.

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  18. Heike Steffens24. Januar 2011

    @ Jörg Rupp

    Ja, genau darauf habe ich gewartet! Fehlt nur noch, dass Sie jetzt das ebenfalls beliebte Argument bringen, dass Pflanzen schließlich auch Gefühle hätten …..

    Natürlich kann ich es nicht immer vermeiden, Insekten auf dem Weg zu töten. Sie können aber sicher sein, dass ich durchaus darauf achte, wohin ich trete. Vielleicht kennen Sie Albert Schweitzers Aussage zu diesem Thema?

    - „Unschuldig schuldig“ –

    Diese Dinge KANN man leider nicht vermeiden, beim besten Willen nicht.
    Und noch Eines: Ein derartiger Hinweis von einem Fleischesser an eine Vegetarier/Veganer_in ist vollkommen indiskutabel. Damit können Sie erst kommen, wenn Sie schon mal das tun, was Vegetarier/Veganer_innen tun.

    Außerdem wollen Sie dies alles doch nicht ernsthaft damit vergleichen, dass Sie (und Millionen andere) willentlich und wissentlich einzig für den Genuss Tiere quälen und töten (lassen)! Sie schreiben, dass die Tiere, die Sie essen ein ganz anderes Leben führen als hier dargestellt. Dennoch steht an dessen Ende ein gewaltsamer Tod und ob das Leben dieser Tiere artgerecht war, bleibt dahingestellt.

    Unterstelle ich einmal, dass Sie auch verarbeitete Lebensmittel essen, in denen Eier und Fleisch enthalten sind, dann dürfen Sie getrost davon ausgehen, dass diese mit Sicherheit aus der Qualzucht und Massentierhaltung stammen – oder sind Sie hier konsequent und verzichten Ihrem eigenen, hier dargestellten Anspruch gemäß darauf?

    Es ist sehr schade, dass der Großteil der Menschen immer noch in der anthropozentrischen Kultur gefangen ist (vermutlich, weil es einfach die bequemere Denkart ist?), derzufolge der Mensch dem Tier überlegen ist. Wenn demnach der Mensch entscheidet, ein Tier zu töten oder zu versklaven, so muss es ihm freistehen, dies zu tun, ohne dass man sich die Mühe machen müsste oder gar die Frechheit besäße, ihn wegen seines Verhaltens zu kritisieren? Dies ist für mich eine sehr archaische Sicht auf die menschliche Zivilisation.

    Es liegt mir fern, Sie oder andere beleidigen zu wollen, es geht vielmehr darum dazu aufzurufen, Verantwortung zu übernehmen, sich darüber bewusst zu werden wie ungerecht, grausam, schädlich, eines zivilisierten und entwickelten Menschen unwürdig und moralisch herabsetzend es ist, ein Tier zu töten und dessen Körper zu essen. Es geht darum zu bewirken, dass jeder den Mut aufbringt, sich den Konsequenzen seiner Gleichgültigkeit und seines unsinnigen Egoismus zu stellen. Das Argument „Es schmeckt mir halt“ ist absolut ungeeignet und bedeutungslos. Aus diesem Grund liegt es mir nicht, diejenigen „freizusprechen“, für die Tiere lediglich Objekte, Gegenstände sind, die für den Gebrauch und den Konsum des Menschen zur Verfügung stehen. Das wäre so, als wollte man von den Gegnern der Sklaverei verlangen, dass sie diejenigen nicht anklagen, die Sklaven gepeitscht und getötet haben. (Das Weltbild war seinerzeit so, dass dies „in Ordnung“ war, schließlich waren schwarze Sklaven ja auch „weniger wert“ als weiße Menschen).

    Ich frage mich – auch angesichts Ihrer Aussage, dass Sie selbst durchaus imstande sind, ein Tier zu töten –, was den Menschen so gefühllos gegenüber dem Tod und Schmerz anderer, was ihn so gleichgültig hat werden lassen, gegenüber dem Anblick von Blut?
    Wie war es dem Menschen möglich, sich daran zu gewöhnen, anderen Lebewesen den Tod zu bringen, wenn er selbst von Angst ergriffen ist beim Gedanken an den eigenen Tod?

    Wie ist es möglich, an einen Punkt zu gelangen, an dem er vorsätzlich und absichtlich einem Lebewesen Schmerz zufügt, es einsperrt und ängstigt, wenn er über eigenes Leid in Verzweiflung gerät und alles zu tun bereit ist, nur um nicht länger zu leiden?

    Warum ist sein eigenes Leid von Bedeutung, wenn das Leid eines Tieres keinerlei Wert hat, so dass er des Genusses fähig ist, während in der Nähe seinetwegen ein Tier vor Schmerz brüllt?

    Warum haben seine Gesundheit und sein Leben einen so unschätzbaren Wert, dass er bereit ist, alles ihm Mögliche einzusetzen um sie zu erhalten oder wiederzuerlangen, während er der Gesundheit und dem Leben eines anderen überhaupt keinen Wert beizumessen scheint, so dass er es für normal und legitim erachtet, diese zu zerstören?

    Ich denke, DAS werde ich niemals verstehen …

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    • Jörg Rupp24. Januar 2011

      Ich habe schon verstanden, dass Sie das nicht verstehen. Einerseits schreiben Sie: Wenn es allgemein als normal, richtig und legitim gilt, das Fleisch von Tieren zu essen, warum hat dann die überwältigende Mehrheit der „Fleischesser“ nicht den Mut, das Tier eigenhändig zu töten? – nun, da ich schreibe, ich hätte ihn – dann ist es auch wieder nicht recht. Und ja, ich würde ein Tier auch selbst töten.
      Sie sind dogmatisch, meine Beste. Ich glaube und kann jeden Tag, wenn ich die Augen aufmache, sehen, dass auf diesem Planeten Tiere andere Tiere fressen. Ich kann sehen, dass Fleisch essen eine schon immer dagewesene Tatsache ist – und nicht vergleichbar mit „Töten von Kindern“, Krieg oder sonstwas. Das ist eine künstliche Überhöhung.
      Ich DARF Ihnen aufzeigen, dass ich es für doppelmoralisch halte, wenn Sie nicht darauf achten, wohin Sie treten. Wie gesagt, ich bin zu einem anderen Ergebnis bei meinen Überlegungen gekommen als Sie. Das mag für Sie verwerflich erscheinen, bitte. Sie können das scheinbar weder tolerieren noch akzeptieren. Sie beleidigne mich mit Ihrer Unterstellung, ich würde mich mit Fleisch aus Massentierhaltung ernähren. Sie differenzieren nicht. Sie beleidigen mich, wenn Sie meinten und mit Ihren Arguemten versuchen klar zu machen, dass SIE die alleinig seligmachende Antwort gefunden haben. Und ich habe es satt, mich als Fleischesser mit einem Kindermörder oder Sklavenhalter vergleichen zu lassen. Das ist völlig unangemessen. Und ICH übernehme die Verantwortung – aber offenbar nicht so, wie SIE es gerne hätten….
      Aber um all das ging es in diesem Artikel gar nicht – es ging um die Gesundheit der Lebensmittel. Und es ging um Massentierhaltung, dass diese abzulehnen ist. Das steht in diesem Artikel und dabei scheinen wir uns ja einig zu sein. Insofern beende ich an dieser Stelle die Debatte mit Ihnen, die ja doch nicht weiter kommt. Am Punkt: Fleisch essen werden wir offenbar auch nicht mehr zusammen finden.

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  19. Heike Steffens24. Januar 2011

    @Jörg Rupp

    Bevor Sie mir Dinge vorwerfen, die ich überprüfbar NICHT geschrieben habe, sollten Sie vielleicht meine Anmerkungen aufmerksamer durchlesen.

    Ihr einleitender Satz ist polemisch, da er impliziert, ich würde die Sachverhalte rein rational nicht verstehen, was selbstverständlich nicht der Fall ist. Damit demontieren Sie einfach Ihren eigenen Standpunkt.

    Sie werfen mir Dogmatismus vor, haben aber in all Ihren Antworten nicht ein einziges wirkliches Argument vorbringen können, das objektiv rechtfertigt, das Fleisch von Tieren zu essen. Sie beharren auf der mittelalterlichen Vorstellung, der Mensch hätte einen höheren Wert als das Tier. Nun, das rechtfertigt natürlich alles!

    Offenbar haben Sie meinen Satz nicht korrekt gelesen, in dem ich schreibe, dass ich durchaus darauf achte, wohin ich trete. Somit ist Ihr Vorwurf der Doppelmoral ebenfalls hinfällig.

    Ich habe Ihnen nicht unterstellt, sich mit Fleisch aus Massentierhaltung zu ernähren, ich habe lediglich unterstellt (und dies auch noch als Frage formuliert), dass Sie möglicherweise verarbeitete Lebensmittel essen. In diesem Falle würden Sie tatsächlich Fleisch und Eier aus der Massentierhaltung konsumieren. Die Antwort sind Sie vorsichtshalber schuldig geblieben.

    Dass ich weder Sie noch sonst jemanden zu beleidigen beabsichtige, habe ich ebenfalls deutlich zum Ausdruck gebracht.

    Ob ich die – wie Sie meinen – „allein seligmachende Antwort gefunden habe“ – weiß ich nicht, behaupte ich auch gar nicht. Der Unterschied zwischen unseren beiden Ansichten ist allerdings so deutlich wie der zwischen Leben und Tod – daran lässt sich nun einmal nichts ändern.

    Wenn Sie mit Ihrer Haltung glücklich sind, dann nur zu. Die vielen artgerecht gehaltenen Tiere, die das große Glück erfahren dürfen, in Ihrem Magen zu landen, werden bestimmt der gleichen Ansicht sein.
    Ja, das war jetzt polemisch, aber wenn’s reicht, reicht es eben.

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  20. pinusnigra24. Januar 2011

    Ich denke du musst dich fragen warum kaufen die Leute billig produzierte Lebensmittel, einige sicherkich weil sie sich nichts anderes Leisten können die Mehrheit vielleicht weil es ihndén egal ist. Wir brauchen ein anderes Verständniss vom Essen, nicht nur Nahrungsaufnahme sondern auch Genuss und Zeit haben für das Essen. Bernd Murschel fordert Kochunterricht von der Grundschule bis zur Uni, meiner Meinung nach nur ein Teil der Lösung.
    Der andere Teil beinhaltet die Frage warum es nicht möglich ist eine Ethisch, Biologisch korrekte Nahrungsmittelproduktion zu machen die für den Verbraucher bezahlbar und für den Bauern und Gemüsegärtner wirtschaftlich sinnvoll ist.

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  21. Tichodroma24. Januar 2011

    @Jörg Rupp

    Sie schreiben, dass Sie die Verantwortung übernehmen. Wofür genau und wie äußert sich das?

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    • Jörg Rupp25. Januar 2011

      So wie ich es beschrieben habe: ich habe die Problematik erkannt, geprüft, darüber nachgedacht und mein Handeln dem angepasst. Und ich stehe zu dem was ich tue und unterstütze sogar weitergehende Interventionen wie die der GJ zum Thema.

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  22. Eva31. Januar 2011

    Sehr gut und klar beschrieben.
    Viele Dank für Ihre klaren Vergleiche.Ich stimme Ihnen vollständig zu

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  1. […] inhaltlicher (bei der Gelegenheit erlaube ich mir noch einen Hinweis auf den unbedingt lesenswerten Nahrungsbeitrag von Jörg Rupp kurz vor diesem – und die dort stattfindende […]

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