Weiter zum Inhalt
Bundespolitik & Innen, Demokratie & Recht & International » Kaserne trotz Aussetzung der Wehrpflicht?
01Dez

Kaserne trotz Aussetzung der Wehrpflicht?

Die heranwachsenden Schüler (wohlgemerkt SchülER!) können sich freuen: Die Wehrpflicht soll zum Sommer des kommenden Jahres ausgesetzt werden. Für die Politik dagegen stellen sich damit einige Fragen, auf die Antworten gefunden werden müssen, beispielsweise was mit dem Zivildienst in der Bundesrepublik geschehen soll? Eine Frage die ich mir stelle, auch weil ich einmal persönlich damit konfrontiert gewesen war, ist die nach den Konsequenzen für Doppelstaatler.

Als Inhaber von zwei Pässen ist grundsätzlich auch in beiden Ländern – sofern eine entsprechende Staatsbürgerschaft eine Pflicht zum Militärdienst mit sich bringt – die Wehrpflicht bzw. ein Ersatzdienst zu leisten. Viele Länder haben im Laufe der Zeit mit Abkommen auf die Lage reagiert, um den Doppelstaatlern eine dopplete Einberufung zu ersparen. Es wäre schon eine unvorstellbare Belastung, wenn ein Sommerurlaub in Antalya mal eben um einen einjährigen Kasernenaufenthalt im syrisch-irakischen Grenzgebiet verlängert wird.

Wird nun die Wehrpflicht in Deutschland ausgesetzt, droht jungen, volljährigen Doppelstaatlern (z.B. aus Griechenland, Zypern, Finnland, der Türkei oder Russland) die Einberufung in die „Heimat“, weil sie ohne Beglaubing über den Dienst in Deutschland in den jeweiligen Botschaften auflaufen werden. Konsequenz: Antreten!

Mag sein, dass in Zeiten der Globalisierung „Auslandserfahrung“ ein hohes Gut ist. (Ich habe mir von einigen anhören müssen: „Kurdisches Grenzgebiet wird dir gut tun: Da lernste richtig türkisch und machst‘ mal richtig Sport!“) Aber mir wird der Großteil wohl zustimmen, dass Auslandssemester, Work&Travel etc. die angenehmere Alternative ist.

Ich kann über die Zahl der in Zukunft Betroffenen nur speukulieren, gehe aber von ein paar Zehntausend Im Jahr aus. Was also machen, wenn ab nächstem Jahr die Bescheide eintrudeln? Ich glaube für Grüne mit einem Bewusstsein für ein modernes Staatsbürgerschafstrecht ist der Schlaumeier-Vorschlag „Gib den Pass doch ab!“ wenig seriös. Ich sehe zwei Möglichkeiten: Erstens muss mit dem Aussetzen der Wehrpflicht eine Möglichkeit zum freiwilligen Dienst – und zwar an der Waffe ODER am Altenbett – angeboten werden, die auch vom Zweitstaat dann als absolvierte Wehrpflicht anerkannt wird.

Zweitens bieten Länder wie beispielsweise die Türkei Möglichkeiten zum „Freikauf“ an. Der militärische Ablasshandel kostet dann gute 5.000 Euro, was zwar kein schlechter Preis für ein Lebensjahr „Freiheit“ ist, aber eben auch keine Summe, die 18-jährige mal eben in der Tasche haben. Eine gangbare Lösung wäre hier etwa ein über den relevanten Betrag zinsloses Darlehn, dass der Betroffene dann im Zuge eines freiwilligen sozialen oder ökologischen Jahrs dann „abarbeitet“. Ich glaube wir sind uns einig darüber, dass wir diese Art von Gemeinschaftsarbeit deutlich höher einstufen, zumal sie auf deutschem Boden stattfindet.

Bislang wurden 3 Kommentare hinterlassen. Du kannst hier einen Kommtenar schreiben.
Hier ist die TrackBack URL und der Kommentar-Feed des Artikels. Du kannst den Artikel auch auf Twitter oder Facebook posten.

Kommentare

  1. Beate Dürer6. Dezember 2010

    Ich finde auf die Problematik des Zivildienstes sollte noch mehr eingegangen werden. Diesen wird man natürlich ebenfalls nicht in der Form aufrecht erhalten können wie es bislang der Fall war. Die Konsequenz wird evtl. sogar ein Zusammenbruch der sozialen Versorgung sein!

       0 likes

    Antworten
  2. Andreas Moser23. Dezember 2010

    Die Wehrpflicht war doch die letzten Jahre sowieso nur mehr ein Witz: http://andreasmoser.wordpress.com/2010/12/22/das-war-die-wehrpflicht/

       0 likes

    Antworten
  3. Justus Böhler20. Februar 2011

    In diesem Falle würde ich persönlich auf die 2. Staatsbürgerschaft verzichten.

       0 likes

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Valides XHTML & CSS. Realisiert mit Wordpress und dem Blum-O-Matic -Theme von kre8tiv.
48 Datenbankanfragen in 0,623 Sekunden · Anmelden