Weiter zum Inhalt
23Sep

Hoch im Kurs

Eine Umfrage bleibt eine Umfrage – und sie ist eben nur die Antwort auf eine theoretische Sonntagsfrage. Und es lässt sich eben nur darüber spekulieren, wie sehr die Grünen von eigenen Stärken und den Schwächen von (allen) anderen profitieren. Aber keine Frage: In den derzeitigen Umfragehochs spiegelt sich eine Menge Kredibilität und Vertrauensvorschuss. „Die Grünen sollen (mit-)regieren“ – anders lässt sich die Message nicht interpretieren. Wer da von Bequemlichkeit und Beliebigkeit schwadroniert, oder von Nostalgiephantasien, der unterschätzt den Intellekt unserer Bürgerinnen und Bürger.

Aber manchmal lohnt es sich auch, Stimmung und öffentliche Meinung ein wenig herunter zu brechen. Nicht um als Klientelpartei zu wirken, denn das können andere offensichtlich viel besser. Nein, es geht schlichtweg darum zu sehen, wie politische Inhalte, die historisch nicht unbedingt zur Grünen Kernkompetenz zählen, in einem speziellen Bevölkerungsteil wahrgenommen werden. So hat die Financial Times Deutschland bei der Europawahl im letzten Jahr die Wahl der Grünen empfohlen: „Sie haben nicht nur das längste, sondern auch das ausgefeilteste Programm. Sie geben sich bei Europas zentralen Zukunftsthemen als marktfreundlicher Innovationsmotor.“

Und jetzt legt das Handelsblatt, das mit in seinem Business-Monitor regelmäßig Entscheider und Führungskräfte aus der Wirtschaft befragt, nach: Demnach bekommen die Grünen aus der Wirtschaft die beste Benotung aller Parteien, ein absolutes Novum! Dabei hieß es doch lange, die Grünen seien Innovationsfeinde, hätten von Wirtschaft keine Ahnung und keine Sensibilität für geistiges Eigentum. Warum also dieser Paradigmenwechsel? Natürlich geschieht so etwas nicht über Nacht. Die Grünen haben sich langsam dahingearbeitet: Ökosteuer und Erneuerbare-Energien-Gesetz waren Pionierarbeit bei der Versöhnung von Umwelt- und Wirtschaftspolitik. Und dem Grundsatz ist man bis heute treu geblieben: Marktwirtschaftliche Anreize bilden die beste Grundlage einer nachhaltigen Wirtschaftspolitik. Grüne Marktwirtschaft und der Green New Deal sind zum Markenzeichen geworden.

Dazu kommt das Gesellschaftsbild: Einwanderung von qualifizierten Arbeitskräften, moderne Work-Life-Balance-Modelle, beste Bildungschancen ab dem Kleinkindalter und die Förderung von Frauen in Spitzenposition. Das ist heute die Benchmark für eine moderne Volkswirtschaft! Wen wundert’s, dass das eben jetzt auch von der Wirtschaft honoriert wird, wie jüngst die Handelsblatt-Umfrage zeigt.

Bislang wurde kein Kommentar hinterlassen. Du kannst hier einen Kommtenar schreiben.
Hier ist die TrackBack URL und der Kommentar-Feed des Artikels. Du kannst den Artikel auch auf Twitter oder Facebook posten.

Schreibe einen Kommentar

Valides XHTML & CSS. Realisiert mit Wordpress und dem Blum-O-Matic -Theme von kre8tiv.
42 Datenbankanfragen in 0,573 Sekunden · Anmelden