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15Aug

Google demokratisieren

Zweitverwertung aus meinem Blog auf www.joergrupp.de

Die letzten Tage erlebe ich einen Medien-Hype um Google Street View. Bis der Konzern vor wenigen Tagen ankündigte, dss der neue Dienst Ende 2010 starten wird, habe ich die Nachrichtenlage eher als kritisch eingestuft. Nun wendet sich langsam das Blatt. Eine ganze Reihe von Blättern, von Spiegel bis Stern sprechen sich für Street View aus. Auch die taz berichtet zwischenzeitlich eher positiv darüber.

Ich halte allerdings die Freude über die Usability dieses Dienstes für den falschen Ansatz, wenn man bewerten möchte, was da gerade passiert – was passiert, seit es Google überhaupt gibt.

Ich bin seit 1996 online, ich kenne das Netz aus der Zeit vor Google. Ich weiß um den Komfort und die Verbesserung der Suchergebnisse, seit googeln ein Synonym für “im Netz suchen” geworden ist. Ich erinnere mich an Glaubensfragen, ob jetzt Yahoo oder Lycos besser waren oder sind, ob man Web.de benutzen soll. Erinnere mich an meinen ehemaligen Arbeitgeber AOL Deutschland, der ja mit seinem proprietären Webzugang ähnlich wie Google heute versucht hat, einen eigenen Filter vors Netz zu setzen. Denn nichts anderes tut Google: es bietet eine ganze Reihe von Diensten an, die das Netz nach den Krierien, die Google erstellt (hat), das Netz filtern. Nichts anders tut jede Suchmaschine. Google tut das offensichtlich so, dass die Ergebnisse für den Anwender “gut” sind – man findet “mehr”, höre ich immer wieder – und meine eigene Erfahrung ist ähnlich. Aber ist es nicht so, dass Webprogrammierer sich in der Optimierung zwischenzeitlich daran orientieren, dass man gut in Google gefunden wird? Was war zuerst – Google oder die Suchmaschinenoptimierung? Was wäre Google wert, würden sich alle weigern, ihre Websites zu googletimieren? Und was passiert darüber hinaus?

Google bietet eine ganze Reihe von interessanten Diensten an. Maps ist ein gerne genutzter Dienst. Wer nach Landkarte fahren kann, braucht keinen Routenplaner und bekommt eine nach seinen Wünschen detailierte oder grobe Übersicht über sein Zielgebiet ( a propos – werden Atomkraftwerke eigentlich auch online vernebelt?) Gleichzeitig kann man sich die Satellitenansicht anschauen, wird gerne genutzt und man kann stundenlang so über die Welt surfen (statt Daily Soaps zu gucken zum Beispiel – oder sich um die Kinder zu kümmern, je nachdem halt). Wenn ich mir jetzt aber vorstelle, Google sammelt anderweitig Daten über mein Online-Nutzer-Verhalten, welche Nachrichten ich via Google-News lese (früher machte man das mit Paperball) und vielleicht noch, welche der von Ihnen eingesacannten Bücher ich angeschaut habe, welche Seiten ich mir sonst über Google angesehen habe – der Cursor springt bei Aufruf ja automatisch in die Suchzeile und ich sehe täglich in meinen Kursen, dass die wenigsten Menschen, slebst die mit Interneterfahrung, eine Adresse wie www.arbeitsagentur.de in die Browserzeile eingeben, sondern in die Google-Suchzeile, dann wird mir doch ein bißchen anders. Dann, könnte ich mir vorstellen, wäre Google in der Lage, jede meiner Bewegungen und Beweggründe nachzuvollziehen – inklusive eines Fotos meines Hauses, ind em ich wohne – denn irgendwo in Googles Speicher leigt ja doch das Originalfoto. Wenn ich dazu weiß, dass Google mit der NSA kooperiert, dann wird mir das ganze doch sehr unangenehm.

Es geht bei der Frage Street View nicht um die Frage, ob dieser Dienst gefährlich ist. Ob man in Hinterhöfe sehen kann, meinen Nachbarn im Rotlichmilieu, meine Nachbarin nackt auf der Liege, Fenster, Umfeld etc. Es geht nicht darum, dass auch andere Daten online oder per Internet abrufbar sind. Das springt zu kurz. Für mich geht es darum: möchte ich, dass alle diese Informationen bei einem privaten Konzern abrufbar sind. Ein privater Konzern, der in in finanzielle Schwierigkeiten kommen könnte. Dessen Mitarbeiter erpressbar sind. Der mit all diesen Daten, die eigentlich allen gehören, Geschäfte macht. Mit den Informationen, wie ich mich in der virtuellen Realität bewege. Verbunden mit den Daten, was ich offline mache.

Menschen wie ich nutzen das Netz intensiv. Ich informiere mich über Dinge, die ich kaufen möchte, online. Treffe eine Vorauswahl. Schau mir Landkarten und Wege an. Drucke aus. Äußere mich politisch. Manchmal auch, gerade in Hinblick auf Militär, sehr kritisch. Aus all dem lässt sich etwas schließen, dass, würde sich unsere Gesellschaft aufgrund was weiß ich welcher Ereignisse weg von einer pseudodemokratischen zu einer diktatorischen, was mich und vielleicht auch mein Umfeld in Gefahr bringen könnte. Könnte. (wenn man sich erinnert, wie schnell GRÜNE bereit waren, die Friedenspolitk über den Haufen zuwerden und militaristische Sichtweisen äußern, dann weiß man, wie schnell sich Dinge ändern können). All diese Informationen, die mehr und mehr zusammenlaufen bei einem privaten Konzern.

Nicht Street View ist das Problem, ein schöner Dienst. Toll. Das Problem ist, dass es ein einziger Konzern ist, der all das heute anbietet. Oder kauft. Bzw. diese Dienste bei einem Dienst so stark genutzt werden, dass man durchaus von einem Monopol reden kann. Die Macht hat, wenn er will – und vielleicht einzelne Mitarbeiter wollen, Daten zu filtern, Ergebnisse zu verfälschen, so wie sie wollen. Völlig ohne Kontrolle. Ein Konzern, der im Rahmen von Street View nicht nur Fotos von Häusern macht, sonder parallel dazu – rein zufällig und ohne dass es irgendwer gemerkt haben will – die Daten aus WLANs gespeichert hat, die er kriegen konnte. Die Unmengen von Daten hat er über Jahre gespeichert und keiner hat es gemerkt. Wie glaubwürdig ist das denn? Und wenn so etwas schon nicht glaubwürdig ist – wie sollte ich einem solchen Laden vertrauen, dass er mit den von mir gespeicherten Daten sorgfältig umgeht,sie nicht verkauft, anderweitig wem auch immer zur Verfügung stellt?

Eigentlich seiner Macht bliebe uns nichts anderes übrig, als Google schnell einer demokratischen Kontrolle zu unterwerfen. Das scheint mir der einzige, sinnvolle Weg zu sein. Wenn ich mir allerdings anschaue, dass dies einer internationalen Vereinbarung bedürfte, dann, ja dann, weiß ich, dass dies mehr als illusorisch ist. Aber an der Notwendigkeit ändert das nichts.

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Kommentare

  1. Michaela16. August 2010

    Nun Google unterliegt ja bereits einer demokratischen Kontrolle, nämlich der Kontrolle der Eigentümer. Ja Google ist eine Aktiengesellschaft, wo jeder der das möchte, Anteile erwerben kann. Wer ein Anteil hat, hat dann auch gewisse Rechte in der Hauptversammlung (ich nehme an, daß diese ähnlich aussehen wie hier in Deutschland).
    Klar, das die Eigentümer von Google, die Aktionäre, wahrscheinlich nicht das im Auge haben, was Du in Deinem Artikel beschreibst, aber eine Verstaatlichung einer Firma hat noch nie zu einer Verbesserung der Situation geführt und eine demokratische Kontrolle über Google wäre ja dann wohl eine Verstaatlichung. Aber damit hätten dann ganz andere Organe Zugriff auf die Daten von Google und ich weiß nicht ob das so wünschenswert ist. Aber diese Diskussion ist müssig, denn Google hat seinen Sitz in Amerika, wo ganz andere Wertmaßtäbe existieren, was Datenschutz und Demokratie anbelangt.
    Wenn man sich darauf verlassen kann, daß die von Google erhobenen Daten nur anonym weiter verarbeitet werden, sehe ich keine Probleme mit den Daten, die Google im Rahmen seiner unternehmerischen Tätigkeit gewint. Sollte allerdings der Verdacht aufkommen, daß diese Anonymität nicht mehr sicher gestellt ist, bin ich sicherlich eine der Ersten, die ihre Google-Accounts meiden wird wie die Pest. Denn wir Verbrauchen haben es in der Hand, ob wir die Dienste von Google nutzen oder nicht. Solange keine besseren Angebote wie von Google gibt, werden diese wohl auch genutzt werden.

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  2. Patrick16. August 2010

    Den vorletzten Abschnitt zum WLAN überlese ich mal jetz, weil klar wird, dass der Autor nicht genau weiß, was da passiert ist. Und diese Äußerung den restlichen Beitrag etwas runterzieht.

    Wenn man Google als solches bewerten will, gibt es zwei Fragen, die man sich stellen muss.
    1. Welche meiner Daten kann Google wissen? Je nach Nutzungsintensität und Gegebenheiten könnte Google einen großen Teil der Browser-History und verwendete Wörter in EMails einem Pseudonym zuordnen. Meine Kontodaten, meinen Namen oder Anschrift kann nicht mit dem in Beziehung gebracht werden.
    Da sind soziale Netzwerke wie Facebook, die den Realnamen und mitunter Anschrift kennen schon bedenklicher.

    2. Wie kommt Google an die Daten? Die Antwort ist durch mich. Ich kann, ohne größere Kenntnisse haben zu müssen, meinen Browser soweit konfigurieren, dass Google seine Werbeanzeigen nicht auf mich anpassen kann, weil zu wenig Daten existieren.
    Stichwort Medienkompetenz, das muss den Leuten aber auch klar gemacht werden, dass nur das gesammelt werden kann, was sie von selbst preisgeben. Und das, was sie preisgeben, auch irgendwo irgendwie gesammelt wird.

    Wenn nun eine demokratische Kontrolle (sind die einzelnen Nationen und deren Rechtssprechungen nicht demokratisch legitimiert?) – was auch immer das sein soll… habe Angst, dass das verstaatlichen heißen soll – für Google gefordert wird, so müsste man dies konsequenterweise auch für sämtliche andere Suchmaschinen, Soziale Netzwerke, EMail-Anbieter tun, die alle die von dir freigegebenen Daten zur Optimierung von Werbeeinblendungen benutzen können…

    Ich finde daher eine Debatte nur um Google ziemlich willkürlich. In der Intensität wurde in den Medien und von Politikern nichtmals die aus Datenschutzsicht viel bedenklichereren Vorgänge so stark thematisiert…

    PS: einfach mal auf die Werbeeinblendungen achten. Je stärker diese tatsächlich einen ansprechen, desto eher sollte man sein Nutzungsverhalten überdenken

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