Weiter zum Inhalt
Bundespolitik & Familienpolitik & Grünzeug am Mittwoch & Wirtschaft & Soziales » Grünzeug am Mittwoch 070: Sozial geht anders
08Jun

Grünzeug am Mittwoch 070: Sozial geht anders

Es ist ja schön, dass im Windschatten des Sparpakets auch die eine oder andere Ökosteuer auftaucht (Brennelemente, Flugbenzin), und dass beispielsweise über den Unsinn der Wehrpflicht jetzt doch geredet wird. Auch, dass überhaupt über einen ausgeglichenen Haushalt nachgedacht wird, kann als positiv bewertet werden.

Leider bleibt die Einnahmenseite weitgehend tabu. Innovativere Ideen wie das Abschmelzen des Ehegattensplittings werden gar nicht erst angedacht. Stattdessen finden sich harte und sehr konkrete Einschnitte im Sozialbereich – bei den Schwächsten der Gesellschaft. Als ob das nicht schlimm genug wäre, geriert sich Familienministerin Schröder als Marie Antoinette und twittert zur geplanten Streichung des Elterngelds für Hartz-IV-Familien:

Eine Familie in Hartz IV, 2 Kinder, erhält inkl. Elterngeld 1885 € vom Staat. Netto! Ist das gerecht gegenüber denen, die arbeiten?

Sie ignoriert den sozialen Charakter des Elterngeldes, das eben keine reine Lohnersatzleistung ist, sondern einen 300-Euro-Sockel hat (zum Glück: sonst würden beispielsweise studierende Eltern auch kein Elterngeld erhalten!). Sie hantiert mit Zahlen, die künstlich maximiert sind (und auf vier Personen runtergebrochen, wenn davon Miete und Essen bezahlt werden sollen, gar nicht mehr so hoch sind). Ihr Gerechtigkeitsbegriff ist eindimensional – etwa, weil AufstockerInnen ausgeblendet bleiben. Kurz: die Familienministerin kürzt bei den Schwächsten und fackelt zur Begründung eine Neiddebatte an. So bitte nicht!

Bislang wurden 3 Kommentare hinterlassen. Du kannst hier einen Kommtenar schreiben.
Hier ist die TrackBack URL und der Kommentar-Feed des Artikels. Du kannst den Artikel auch auf Twitter oder Facebook posten.

Kommentare

  1. Henning Schürig9. Juni 2010

    Kann ich als Alleinerziehender mit einem Kind nicht sogar ohne weiteres auf mehr als das genannte Geld kommen?

    359 EUR für das Elternteil, 129 EUR für ein Kind unter sieben Jahren, dazu Kindergeld 184 EUR und dann die Übernahme der Miete inkl. Nebenkosten, was in Stuttgart bei einer 1-2-Zimmer-Wohnung wohl auf mind. 500 EUR käme.

    Macht alles zusammen 1172 EUR, also weit mehr als die Hälfte des obigen – ganz ohne Elterngeld. Also müsste die Familienministerin eigentlich vehement für eine Kürzung von Hartz IV eintreten und nicht nur das Elterngeld für Hartz-IV-Empfänger streichen wollen.

    Ist eigentlich klar wie sie überhaupt auf den Betrag kommt? Entweder hab ich irgendwas falsch gemacht oder sie. Aber irgendwie gehen die Zahlen nicht so recht zusammen.

       0 likes

    Antworten
  2. Till Westermayer9. Juni 2010

    Kindergeld wird verrechnet, und ob für eine(n) Erwachsene(n) plus Kind 500 Euro Miete übernommen werden, weiss ich nicht.

    Eine richtige Quelle für den Betrag gibt es immer noch nicht – hier habe ich einen Kommentar gefunden, wo plausibel gerechnet wird. Abgesehen davon kursierte 1885 Euro schon 2006 durch die Talkshows – vielleicht ist das die Quelle.

       0 likes

    Antworten
  3. Henning Schürig9. Juni 2010

    Okay, das mit dem Kindergeld wusste ich nicht. Wegen der Unterkunft müssten 500 EUR in Stuttgart für zwei Personen übernommen werden, wenn schon in Berlin für zwei Personen 444 EUR gezahlt werden: http://de.wikipedia.org/wiki/Arbeitslosengeld_II#Kosten_der_Unterkunft_und_Heizung_.28KdU.29

       0 likes

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Valides XHTML & CSS. Realisiert mit Wordpress und dem Blum-O-Matic -Theme von kre8tiv.
48 Datenbankanfragen in 0,728 Sekunden · Anmelden