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25Nov

Grünzeug am Mittwoch 042: das Klima essen

Am Wochenende hatten wir ja Landesparteitag (alle Infos dazu) – mit durchaus revolutionärem Charakter. Nicht nur, dass unser Vorsitzendenteam komplett ausgetauscht wurde, nicht nur, dass Milchbauern und Studiproteste Thema waren, nein es gab auch einen kleinen, aber extrem kontroversen Beschluss, der eine Auszählung einer Abstimmung über einen Geschäftsordnungsantrag zur Folge hatte.

Die Rede ist vom Beschluss „Verantwortungsvoll essen“ (pdf). In diesem kurzen Beschluss wird dargestellt, warum vegetarische Ernährung aus umweltpolitischer Sicht sinnvoll ist, und dann heißt es (einige ehemalige AktivistInnen der Grünen Jugend kennen diese Debatten):

Die Landesdelegiertenversammlung von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Baden-Württemberg möchte daher ein Zeichen setzen. Um auf die genannten Problematiken einzugehen, sollen auf zukünftigen LDKen und Landesausschüssen, wenn organisatorisch möglich, alle Gerichte vegetarisch und mindestens eines vegan sein.

Ich finde das gut. Weil ich mich persönlich seit Jahren vegetarisch ernähre und das Problem, in einer Messehalle ein leckeres vegetarisches Essen zu finden, gut kenne, vor allem aber, weil die Klimabilanz des Fleischkonsums erschreckend ausfällt.

Trotzdem kann ich nachvollziehen, dass das leicht als moralischer Rigorismus gedeutet werden kann – und dass hier ein Konflikt zwischen Klimaschutz- und Tierschutzzielen und der grünen Landwirtschaftspolitik (regionale angepasste Tierhaltung) besteht. Trotzdem wird auf unseren Parteitagen auch in Zukunft niemand verhungern. Panik ist also – passend zu „42″ – nicht angebracht.

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Kommentare

  1. Dieter Janecek25. November 2009

    In Bayern haben wir ähnliches beschlossen fast zeitgleich: http://www.gruene-bayern.de/fileadmin/Dateien/LDK_2009_Bamberg/A4%20Lebensmittel.pdf
    Finds prinzipiell auch gut

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    • Till Westermayer25. November 2009

      Sieht ja fast nach einer koordinierten Aktion der Grünen Jugenden aus ;-) – wie wurde bei euch über den Beschluss diskutiert?

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      • Christian27. November 2009

        Recht witzig wurde diskutiert:
        Antrag vorgestellt, Änderungsantrag: „nur noch vegan“
        Gegenrede gegen Änderungsantrag: „Dies würde auch die Milch im Kaffee betreffen und lokale Bauern…“
        Änderungsantrag abgelehnt.
        Gegenrede gegen eigentlichen Antrag: „Vegan ist zu viel“ Zwischenruf: „Der eigentliche Antrag enthält nicht ‚vegan‘“ … „na dann bin ich auch dafür“

        (Natürlich leicht verkürzt dargestellt, aber im Prinzip war es so)

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    • Timothy Simms26. November 2009

      Also: den bayrischen Antrag finde ich wesentlich besser, weil informierter formuliert. Es stimmt: Fleischkonsum in den Industriestaaten ist zumeist klimaschädlich. Aber: Der Konsum von regional erzeugtem und mit regionalen Futtermitteln aufgezogenen Tieren, auf den treffen maßgebliche Argumente einfach nicht zu. Z.B. ist im baden-württembergischen Antrag die Rede davon, dass durch Fleischkonsum die Welthungerproblematik verschärft wird. Wo hier der Zusammenhang mit dem Bio-Schnitzel aus dem Schwarzwald besteht, soll mir die grüne Jugend bitte mal erklären. Auch Regenwaldflächen werden für dieses Schnitzel nicht gerodet. Tierquälerische Massentierhaltung vermag ich da auch nicht zu sehen. Und davon, dass z.B. das Schießen von Wild – ja auch das ist Fleisch – für eine nachhalrtige Forst- und Landwirtschaft so unwichtig nicht ist, mal ganz abgesehen.
      Ich ernähre mich übrigens einen Großteil der Woche über auch vegetarisch und habe auch kein Problem damit, auf Parteitagen auf Schnitzel, Wurst und Co. zu verzichten. Und in der Tat konsumieren viele Leute zuviel Billig-Fleisch, das alle aufgeführten schlimmen Begleiterscheinungen im Regenwald nach sich zieht. Aber: Das hat nichts mit den Lamnndwirten und ihren Produkten zu tun, die regional und ökologiosch arbeiten und an deren Seite ich als Grüner (und Feinschmecker) solidarisch stehe.

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      • Till Westermayer26. November 2009

        Wir hatten uns ja auch schon außerhalb des Netzes darüber unterhalten, und ich hätte auch keinerlei Probleme mit einem Antrag, der eine „Fleisch nur regional, bio und mit möglichst geringen Klimawirkungen“-Klausel enthält.

        Allerdings ist auch die Klimarelevanz von regional produziertem Fleisch wohl größer als die von veganen Lebensmitteln (bei Milchprodukten ist die Situationen unklarer). Das wäre jedenfalls mein Schluss aus diesen Studien des Öko-Instituts bzw. des IÖW (beide pdf).

        Ich meine mich auch zu erinnern, mal eine Tabelle gesehen zu haben, die genau das gegenüberstellte – also Klima-Impact von regionalem vegetarischen Bioessen vs. regionalem Biofleisch vs. konventionellem vegetarischen Essen vs. konventionellem Fleischgericht – die finde ich aber leider gerade nicht. Hinweise nehme ich gerne entgegen.

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      • Michael Oberst26. November 2009

        Das klingt nach einer intersessanten Quelle:
        Jungbluth, N., Leuenberger, M., 2009. Ökoprofil von vegetarischen und fleischhaltigen Grossküchenmahlzeiten. Bericht im Auftrag WWF Schweiz. ESU-Services. Uster, 2009
        Den Artikel habe ich nicht gleich im Netz gefunden, den Quellenverweis habe ich vom WWF Schweiz.

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  2. Till Westermayer26. November 2009

    (Bzw., wenn ich nochmal so drüber nachdenke: eigentlich noch viel besser wäre ein Antrag, die Klimaemissionen grüner Parteitage insgesamt zu minimieren – da spielt dann nicht nur die Ernährung eine Rolle, sondern auch die geographische Lage/Fahrtwege der Delegierten, die Hallen- und Haustechnik usw. Könnte ergänzt werden durch Ablasszahlungen für die nach Minimierung noch bestehenden CO2-Äquivalente).

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  3. jw26. November 2009

    @till das finde ich mal einen richtig sinnvollen Ansatz. Mich stört an dem Antrag in dieser Form (obwohl ich versuche auf Fleisch zu verzichten, wenn ich nicht weiß, wo es herkommt) der moralische Unterton des Antrags. Ich esse häufig vegetarisch, aber auch gerne mal regional produziertes Fleisch. Vegetarisch ist für die Ökobilanz sicherlich sinnvoller, aber dafür versuche ich mich in vielen anderen Dingen beim Energieverbrauch einzuschränken

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  4. Gondlir26. November 2009

    Ich halte nichts davon, „vegetarisch“ mit „gut“ oder „gesund“ gleichzusetzen. So mag ich z.B. Dirk Bach sehr, doch sein Buch „Vegetarisch schlemmen“, welches ich mal gewonnen habe (handsigniert), propagiert nun wirklich keine gesunde Lebensweise. Das Resultat dieser Ernährung kann man ja auch regelmäßig im Fernsehen bewundern…

    Ich bezeichne mich selbst als Semivegetarier, weil ich nur wenig Fleisch esse, und dann meist Geflügel. Und ich mag es nicht, wenn man mir quasi vorschreiben will, mich rein vegetarisch zu ernähren. Das finde ich ebenso schlimm, wie die Tatsache, daß es früher in vielen Restaurants keine vegetarischen Mahlzeiten gab. Und nun soll der kulinarische Zwang umgekehrt werden? Ich bin stattdessen nicht nur als Grüner, sondern auch musikalisch und kulinarisch ein Freund der Vielfalt.

    Sinnvoll fände ich dagegen, sich (z.B. bei Konferenzen) auf ökologisch angebaute bzw. hergestellte Lebensmittel zu beschränken. Das sollte doch ein Nenner sein, auf den wir uns bei den Grünen problemlos einigen könnten.

    Ich habe nichts gegen Vegetarier, Klimaschützer, Christen oder Muslime – nur gegen Fundamentalisten und Fanatiker, die meinen, sie müßten auch den Rest der Welt zu ihrem Glück zwingen. Denn ich möchte bei Konferenzen auch nicht auf aufregende Diskussionen verzichten, nur weil diese die Atmung beschleunigen, und damit den CO2-Ausstoß erhöhen… ;-)

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    • Till Westermayer26. November 2009

      @Gondlir: Es sind ja eigentlich zwei Debatten – die Frage, wie grüne Parteitage so gestaltet werden, dass sie möglichst nachhaltig sind – und die Frage, ob der gesellschaftliche Konsum von Fleisch insgesamt nicht drastisch zurückgefahren (pdf) werden muss, um CO2-Äquivalenz-Einsparziele überhaupt erreichen zu können – und wie das erreichbar wäre. Bewusstseinswandel als Strategie funktioniert hier nicht wirklich. Eine Ökosteuer auf die CO2-Emissionen aller Produkte? (Die dann aber Fleisch und wohl auch Käse möglicherweise um den Faktor 10 verteuern würde?) Der Einbezug der Landwirtschaft in den Emissionshandel? Oder wie kriegen wir es sonst hin, dass der Mainstream-Lebensstil sich deutlich verändert?

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  5. Enegier infos12. Februar 2010

    Regional produziertes BioFleisch is ok . Eine Schwedische Studie fand heraus das Rinder die mit weidegras großgezogen werden 40 % weniger CO2 ausstoßen als Rinerd die Mit Kraftfutter aufgezogen werden . Des weiteren fallen Transportkosten und damit CO2 Ausstöße für den Transport von Futtermitteln und dem Endprodukt Fleisch beinahe weg. Die Qualität des Fleisches ist um ein Vielfaches höher , und das Tier wird gschont (Falls man bei einer tötung von schonung sprechen kann ) .
    Auch ich esse gerne Fleisch , aber bewusst vom BioBauern meines Vertrauens und relativ selten !

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  1. […] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von GRÜNE Baden-W'berg und Till Westermayer, Till Westermayer erwähnt. Till Westermayer sagte: Grünzeug am Mittwoch 042 widmet sich dem kontroversen Vegetarismus-Beschluss der grünen #LDKbw. http://tinyurl.com/y8n7r5l […]

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  2. […] ausbauen. Ich wage allerdings zu behaupten, dass die Mehrheit des Volkes mit moralinsauren Anträgen nicht viel anfangen kann: Die Landesdelegiertenversammlung von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN […]

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