Am letzten Wochenende wurde gewählt. Henning Schürig fasst die für Grüne richtig guten Ergebnisse der drei Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und im Saarland zusammen. In NRW wurde kommunal gewählt, ebenfalls mit grünen Erfolgen. Natürlich gilt wie immer, dass jede Partei sich jetzt als Wahlsieger sieht.
Als Grüner müsste ich jetzt restlos zufrieden sein. Dass ich es nicht bin, liegt nicht nur am Wiedereinzug der NPD in Sachsen und am Doch-knapp-ohne-Grüne-Auskommen für Rot-rot in Thüringen, sondern vor allem an der medialen und parteipolitischen Logik.
Wie Spiegelkritik richtig hinweist, wird die Berichterstattung dem Charakter einer demokratischen Wahl (Was wollten die WählerInnen eigentlich?) nur bedingt gerecht. Als Akteure treten vor allem – personifizierte – Parteien auf. Dass fast alle Medien – neben Bundestagswahlspekulationen – die (angeblich) geleakten Exitpolls zum großen Thema machten, sagt ebenfalls etwas über journalistische Schwerpunkte aus. Die üblichen Medienmechanismen bedeuten viel zu Koalitionswünschen (FAZ, WELT, SPIEGEL hätten beispielsweise gerne endlich mal Jamaika), sehr viel zu Personen und Konflikten (Wer kann mit Lafontaine, wer war mit wem Pizza essen?), und sehr sehr viel zur Bundestagswahl (Merkel: doch rote Socken?).
Was fehlt? Bei Medien wie Parteien mehr Sachlichkeit hinsichtlich der Koalitionsoptionen. Und vor allem: bei beiden Analysen zu den inhaltlichen Konsequenzen unterschiedliche Koalitionen für die jeweiligen Länder!
Tags:Journalismus, Koalition, Landtagswahl, Medien, Parteien, Saarland, Sachsen, ThüringenHier ist die TrackBack URL und der Kommentar-Feed des Artikels. Du kannst den Artikel auch auf Twitter oder Facebook posten.









Schöner Beitrag. Ich vermisse in der Medienberichterstattung und in den Wahlanalysen auch den klaren Bezug zu den politischen Gegebenheiten in den Ländern vor Ort. Aber für die Medien ist es wohl leichter, immer Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Vor allem macht es auch medienwirksam viel mehr her, wenn man Jamaika oder Rot-Rot-Bündnisse gleich auf die Bundesebene übertragen will…
Die Analyse des Problems der Berichterstattung teile ich.
Gerade deshalb hätte ich mir von Dir noch ein wenig mehr zu Deiner Bewertung der Koalitionsoptionen unter inhaltlichem Gesichtspunkt gewünscht. Über Twitter hast Du ja für’s Saarland eine Jamaika-Koalition getippt: Was heißt das für grüne Bildungspolitik im Saarland? Gerade im Bereich der Bildungspolitik sehe ich eher rot-rot-grün auf einer Wellenlänge. Was könnten die Grünen inhaltlich im Saarland durchsetzen?
Keine Ahnung – mein Twitter-Tipp war tatsächlich auch weniger ein Wunsch als vielmehr eine – aus dem Bauch raus getroffene – Annahme darüber, was wohl das wahrscheinlichste, eher sogar noch erwünschteste Ergebnis sein wird. Also ganz in der hier von mir kritisierten Logik.
Ein bißchen was zu den inhaltlichen Fragen habe ich in diesem taz-Artikel gefunden (der am Schluss dann aber auch wieder auf die persönliche Ebene einschwenkt). Demnach scheint die CDU nicht zu einer Abschaffung von Studiengebühren bereit, wohl aber zu einer Lösung, die in etwa dem Hamburger Modell entspricht, und ist auch in der Schulpolitik klar strukturkonservativ. Bleibt spannend.
(BTW: Die Grünzeug-am-Mittwoch-Beiträge haben eine selbstgesetzte Begrenzung von 200 Wörtern – auch deswegen liegt der Schwerpunkt hier auf der Analyse Berichterstattung)