Zum zehnjährigen Jubiläum des CSD in Stuttgart war es für den Landesverband auch an der Zeit, mit einer eigenen Veranstaltung am rund zweiwöchigen Rahmenprogramm teilzunehmen. Unter dem Motto „queerSport im Abseits?“ waren der Präsident des FC St Pauli Corny Littmann, vom VfB Fanclub Stuttgarter Junxx Christian Deker sowie vom Stuttgarter schwul-lesbischen Sportverein Abseitz e.V. Michaela von der Höh und Manfred Heller eingeladen. Rund 80 Menschen folgten der Einladung ins Schlesinger.
Natürlich stand gleich zu Beginn der Diskussionsrunde die Frage im Mittelpunkt, wie lange es noch dauere, bis ein aktiver schwuler Fussballspieler sich öffentlich outet. „Darauf können wir noch lange warten“, meinte Littmann. Er machte hierfür drei Gründe geltend: Erstens gehe es im System Profifussball für einen Spieler darum, binnen 15 Jahre aktiver Laufbahn möglichst viel Geld zu verdienen. Ein Outing wäre aber ein großes Risiko für die Karriere. Zweitens sind Fussballmannschaften heutzutage international zusammengesetzt.
Nicht überall ist die Akzeptanz von Homosexuellen aber so hoch wie in Deutschland. Drittens könnte es für die Mannschaftsdynamik bedeuten, dass ein Schwuler in einer Mannschaft als Störpotenzial empfunden wird und deswegen Nachteile erleiden könnte. Letztlich sei der Fussball auch ein großes Business, und die Boulevardpresse interessiere neben der sportlichen Leistung des Spielers auf dem Platz eben auch, wer Oliver Kahns neue Affäre sei. Beim Thema Outing ist die Regenbogenpresse aber zurückhaltender: „Die kennen einige Spieler und haben auch entsprechende Fotos. Sie halten die aber zurück und zeigen zumindest an dieser Stelle Verantwortungsbewusstsein“. Manfred Heller widerprach Littmanns Thesen. Einer müsse eben den Anfang machen. Er erinnerte daran, dass ein Outing im Sport vergleichbar sei mit dem Outing in seiner persönlichen Umgebung. In der Diskussion ergab sich auch ein Unterschied zwischen Profi- und Breitensport. „Bei uns sind auch viele Heteros Mitglied mittlerweile. Sie kommen, weil ihnen die Atmosphäre in unserem Verein gefällt“, meinte Michaela von der Höh von Abseitz. „Und natürlich sind die auch willkommen“, fügte sie hinzu. Gerade die Arbeit des mittlerweile rund 700 Mitglieder starken und in 18 Abteilungen aktiven Vereins Abseitz e.V. zeige, dass man in der Gesellschaft „verändert durch erleben“.
Christian Deker von den Stuttgarter Junxx berichtete, er sei „mit offenen Armen beim VfB empfangen worden“. Auch der Kontakt zu DFB Präsident Theo Zwanziger sei ausgezeichnet. „Da hat beim DFB eine Revolution stattgefunden“, so Deker. Littmann, der locker von der Seele plauderte, berichtete noch von seinen Erfahrungen als Fussballpräsident und freute sich auch, dass Vertreter von St.Pauli Fanclubs anwesend waren.









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