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26Mai

Grünzeug am Mittwoch 016: Altklischeesammlung

Manches alte Stück ist abgetragen. Also weg damit, in die Altklischeesammlung. Der Hut vom Herrn Professor Walter zum Beispiel. Meint immer noch, Linkssein ginge nur im Proletariat, Solidarität nur unter Facharbeitern. Die dann bitte SPD wählen. Er gibt gerne gute Ratschläge. Hergeben will er’s allerdings nicht, das Klischee von den bürgerliche-satuierten Grünen, die eigentlich längst FDP und CDU sind. „Die Grünen von 2009 sind so, wie die Grünen 1983 die CDU beschrieben haben: furchtbare Bürger, elitär, selbstgefällig.“ Soll er’s halt behalten.

Oder der Herr Miersch. War mal bei der taz, nannte sich mal links-alternativ. Heute: er provoziert. Immer feste druf, auch wenn das Altklischee inzwischen spannt, an den Scham-Nähten aufplatzt. Zuletzt im Deutschlandradio: „Sie repräsentieren ein Milieu, das in den späten 70er-Jahren herangewachsen ist […] die Generation Angst.“ Die Miersch’schen Klischeegrünen glauben an Naturromantik, kaufen bei Manufactum, handeln irrational und wollen vor allem nicht einsehen, dass nur technische Lösungen – wie damals bei der SPD – wirklich helfen. Also: verstockte FanatikerInnen. Wird gerne als Beleg genommen, hilft aber nicht.

Beiden Herren sei berichtet: ich erlebe meine Partei oft als jung, vernunftorientiert und pragmatisch, als solidarisch links, ökologisch klug und bürgerrechtlich liberal. Nur in alten Büchern steht was anderes. Oder ist auch das nur ein Zerrbild?

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Kommentare

  1. Dietmar Beckmann27. Mai 2009

    Den Herrn Miersch möchte ich gerne nach Duisburg einladen, in den Norden, dorthin, wo Thyssen-Krupp nach wie vor hunderte von Tonnen gemessenen Feinstaub abbläst (den nicht gemessenen können wir ja nicht qantifizieren). Dorthin, wo der „Fortschritt“ 180 m hohe Kühltürme in den Himmel wachsen läßt, politisch gestützt von der Willy-Partei.
    Ob wir uns am 06.Juni zur Demo in Krefeld treffen ?

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  2. Fischer28. Mai 2009

    Links? Sorry, ihr macht euch da echt was vor. Die Grünen sind vom Wesen her wertkonservativ, links ist hier nur das diffus gefühlte Selbstverständnis.

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    • Till Westermayer28. Mai 2009

      Kommt vermutlich drauf an, an was das Linkssein festgemacht wird, oder?

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      • Fischer28. Mai 2009

        Naja, so gesehen ist die CDU auch ne Ökopartei: Irgendwo im Programm find ich sicher was zum Umweltschutz… ;-)

        Ernsthaft, wo sind denn bei den Grünen die linken Inhalte? Wie isses mit der Befreiung des Menschen durch Technik und Entwicklung? Der klassische Fortschrittsoptimismus? Ich denke doch eher nicht…

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      • Till Westermayer28. Mai 2009

        Na, da kommen wir der Sache schon näher. Ich würde nämlich „Fortschrittsoptimismus“ (SPD als traditionelle Partei des Fortschritts, wie sie sich in ihrem Twitter-Profil schimpft) und „Linkssein“ nicht in eins setzen. Ich würde darunter nämlich beispielsweise Dinge wie ein Grundbekenntnis zu Gerechtigkeit und zur gesellschaftlichen Solidarität, das Streben nach Emanzipation des Menschen (im Sinne von Befreiung), die materielle Absicherung von Freiheit sowie sowas wie einen kritischen Blick auf Kapitalismus fassen.

        Das Grüne Grundsatzprogramm fasst dieses Verständnis von Linkssein – nicht traditionell, sondern eher an Ideen der Neuen Linken der 1960er und 1970er Jahre ausgerichtet – noch etwas schöner in Worte:

        Selbstbestimmung verwirklicht Freiheit
        Wir treten ein für Emanzipation und Selbstbestimmung. Vielfältige emanzipatorische Bewegungen, libertäre und liberale Traditionen prägen gemeinsam diese freiheitliche Orientierung. Wir wollen eine Gesellschaft, in der die Menschen eine Chance haben ihr Leben selbst zu gestalten – frei von Bevormundung.
        Wir wissen, dass die Freiheit der Einzelnen an rechtliche und soziale Voraussetzungen gebunden ist. Wir setzen uns dafür ein, dass nicht nur eine privilegierte Minderheit die Freiheit wahrnehmen kann, ihr Leben selbst zu gestalten. Selbstbestimmung schließt ökologische und soziale Verantwortung ein.“ (S. 11)

        Dass ist ein Verständnis von Linkssein, das ich mir gerne zu eigen mache – und das ich im Parteienspektrum vorrangig bei den Grünen finde.

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      • Fischer28. Mai 2009

        Das ist ja auch alles gut und richtig, deswegen mach ich da ja auch immer (wenn auch gelegentlich zähneknirschend) mein Kreuzchen. Aber erstens ist es ganz schön gewagt, „libertäre und liberale Traditionen“ unter „links“ zu subsumieren, und zweitens ist der Absatz nicht viel mehr als eine Ansammlung von allgemeinen Bekenntnissen zum Schönen, Wahren, Guten, die praktisch überall stehen könnte. Was ist daran spezifisch links?

        Es steht ja nicht z.B. auf der Webseite der CSU: „Wir sind für eine Gesellschaft, in der alle Menschen geknechtet werden außer dem Parteivorstand und ihm nahestehende privilegierte Subjekte“? ;-)

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      • Till Westermayer28. Mai 2009

        Nun, das Zitat ist aus dem Einleitungsteil des Grundsatzprogramms – da stehen meistens allgemeine Aussagen über das Schöne, Wahre, Gute. Spannend wird es natürlich da, wo diese allgemeinen Wertsetzungen in konkreter Politik münden: und da bin ich mir sicher, dass eine derartige Positionierung (die allerdings, ehrlicherweise, auch nur eine von mehreren innerparteilichen Traditionslinien bezeichnet), z.B. in der Arbeits- und Sozialpolitik oder in der Bildungspolitik zu ganz anderen Positionierungen und politischen Handlungsweisen führt als eine staatsautoritäre Variante von Links oder als ein ungezügelter Wirtschaftsliberalismus.

        Zum Thema „libertäre und liberale Traditionen“ – wenn die so wie hier ausformuliert werden, habe ich kein Problem damit, sie unter dem Label „links“ zu subsumieren.

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  3. gregor1. Juni 2009

    schöner text @till…und sicher hast du recht. die grünen sind verdammt viel in einem…sie sind eine generationen-partei, einer links-libertär gestarteten/gepolten generation, ihrer kinder und des gesellschaftlichen einflusses den diese generation erlangt hat…

    das was viele kritisieren ist dann auch mehr der staatstragende, gesetzte, „vernünftige“ charakter dieser partei, das satte, das zufriedene und auch etwas selbstzufriedene bzw die verstellung des blickes auf die akuten sozialen misstände von der heimischen eigenheims-terrasse aus…

    m.e. letztendlich das schicksal eine jeden bürgerlichen linken – auch der partei DIE LINKE – wenn sie nicht dranbleibt an einer grundsätzlichen kapitalismus-kritischen haltung, die mehr will als „sich einsezten“, sondern den kapitalismus überwinden…

    hier liegt doch der hase im pfeffer…gutmenschliche verwalter der sozialen ungerechtigkeit hier und in der welt braucth man ja nicht wirkllich…auch wenn der moralische grundansatz richtig und im grunde edel ist…

    gruß
    gregor

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