Hochschulpolitische Woche. Was war? Eine produktive Sitzung der Bundesarbeitsgemeinschaft Wissenschaft, Hochschule, Technologiepolitik, im Anschluss daran am Montag die Tagung „Un(i)gerecht“ der grünen Bundestagsfraktion. Was wird? Am Donnerstag startet die Böll-Stiftung ihre Campustour – in Freiburg.
Mir sind auf der (leider wenig partizipativen) Fraktionstagung zwei Dinge deutlich geworden. Erstens könnte ein Resümee der Tagung lauten, dass Hochschulen sich in einer desaströsen Lage befinden: chronisch unterfinanziert, sozial geschlossen, im Bologna-Prozess in eine tückische Studienstrukturreform hineingeschwemmt, mehr oder weniger autonom, zugleich politischer Steuerung (von innen, vom Land und trotz Föderalismusreform vom Bund) unterworfen und mit vielfältigsten gesellschaftlichen Erwartungen zwischen Ausbildung und Humboldt, New-Public-Management, Unternehmensuni und Elfenbeinturm konfrontiert. Bafög-Lücken, Studiengebühren, die ignorierte soziale Dimension von Bologna. In Frauenförderung fließt mehr Rhetorik als Geld; wissenschaftliche Karrierewege bleiben risikoreich und familienunfreundlich.
Zweitens habe ich mich ein bißchen mit einem unterhalten, der seit 1968 Hochschulpolitik macht. Der heute sagt, er hat keine Lust mehr dazu. Weil die Lösungsvorschläge gleich geblieben und die Probleme gewachsen sind. Statt klarer Fronten vernetzte Verteilungsspiele in einem heterogenen, unüberschaubar sumpfigen Feld. Ohne intellektuellen Anspruch. Passend dazu wunderte sich Krista Sager über das fehlende Interesse der Partei-Alphatiere an der Hochschulpolitik.
Bleibt die Frage: Ist’s wirklich so schlimm, oder trifft hier bloß akademische Zwangsselbstreflektion auf Wahlkampfzuspitzungen?
Tags:1968, bafög, Bologna, bundestagsfraktion, Hochschulpolitik, krista sagerHier ist die TrackBack URL und der Kommentar-Feed des Artikels. Du kannst den Artikel auch auf Twitter oder Facebook posten.









Hast du eine Antwort auf die Frage? Für mich wäre es interessant zu erfahren, wie die Grünen zur Hochschulpolitik stehen. Nicht nur in Baden-Württemberg, sondern vor dem Hintergrund der anstehenden Bundestagswahl auch in Gesamtdeutschland.
Ich hätte gerne auf die Seite der Bundestagsfraktion verlinkt, wo die oben genannte Tagung bis vor kurzem prominent beworben wurde. Da stand nämlich einiges, was auch zu dieser Frage gepasst hätte. Nur funktioniert die URL dazu nicht mehr, seit die Tagung vorbei ist.
Abgesehen davon finde ich die Frage, wie die Grünen zur Hochschulpolitik stehen, ein bißchen groß. Dieser kurze Artikel auf gruene.de fasst die Leitlinien ganz gut zusammen. Im Wahlprogramm ist’s etwas detailliertert; wenn die 24 Änderungsanträge, die die BAG Wissenschaft, Hochschule, Technologiepolitik am Wochenende beschlossen hat, durchkommen, wird’s noch etwas detaillierter. Und ansonsten gibt es auf bag-wht.de nach und nach alle wichtigen grünen Beschlüsse (die Seite ist noch neu, bisher steht das Archiv der BAG noch unter basis.gruene.de/bag.hochschule.
Und auch die Rubrik Hochschulpolitik der grünen Fraktion ist ganz informativ.
Sorry für’s Zuschütten mit Links ;-)
Nachtrag: eine Zusammenfassung der Tagungsergebnisse aus Sicht der Bundestagsfraktion ist inzwischen auch online.
Hi,
ich muss ehrlich sagen, dass ich die aktuelle Hochschulpolitik der GGrünen absolut befürworte!
Weiter so!