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13Mrz

Nach Winnenden

Wir Grüne waren und sind gut beraten, uns seit Mittwoch nicht in den vielstimmigen Chor derer einzumischen, die 2 Stunden nach dem Amoklauf bereits wussten, wie die Lösungen aussehen. Diese „Klugscheißerei„ ist mir extrem zuwider. Taten wie die in Winnenden zeigen uns jenseits der sterilen Aufgeregtheit des Nachrichtenmarktes in Wirklichkeit unsere Grenzen auf, derartige Handlungen von Menschen überhaupt verstehen zu können.
Gründlich nachdenken und abwägen und dabei keine Tabus mehr zulassen, darum wird es aber dann ab den nächsten Tagen gehen.Mich irritiert dabei ebenso die Unbeirrbarkeit von Elternbeiräten, dass es nur am dreigliedrigen Schulsystem liegt (warum gab es dann im PISA-Siegerland Finnland auch einen schrecklichen Amoklauf?), wie das sofortige Vorpreschen der CDU mit der ganzen Phalanx ihrer Innenminister, deren Hauptbotschaft ist: Das Waffenrecht darf nun auf keinen Fall verschärft werden.
Nicht nur wir sehen es als wichtige Voraussetzung an, dass so weit wie nur irgend möglich die genauen Umstände der Tat und ihrer furchtbaren Folgen aufgeklärt werden.
Und dann sollten wir in Ruhe die ganze Bandbreite diskutieren. Und das gründlich.
Es geht dabei zentral und unausweichlich um eine neue Kultur des Sich-Umeinander-Kümmerns. Es geht um die Notwendigkeit, dass den Schülerinnen und Schülern mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden muss. Es geht um die Frage, ob unsere individuelle Förderung und Betreuung ausreicht, ob wir bereits in der Lage sind, verdeckte Signale von SchülerInnen mit Problemen tatsächlich zu erkennen. Es geht um die Frage, was brauchen wir konkret? Vor allem zur Verbesserung der Betreuung. Sind SchulpsychologInnen und SchulsozialarbeiterInnen, die einmal pro Woche in der Schule sind, tatsächlich der Schlüssel für bessere Betreuung? Oder müssen es nicht einfach mehr LehrerInnen sein, muss nicht mit allem Ernst um eine neue Kultur des Vertrauens zwischen SchülerInnen und LehrerInnen gerungen werden?
Und wir brauchen eine nüchterne Diskussion über sonstige Konsequenzen. Dabei ist natürlich auch zu prüfen, ob und wie die Kontrolle der bestehenden Waffengesetze verbessert werden kann und ob weitere Verschärfungen des Waffengesetzes notwendig sind. Warum gehört es zur individuellen Freiheit eines Sportschützen oder Jägers, eine Zahl X scharfer Waffen und Munition in unbegrenzter Höhe zu Hause aufbewahren zu dürfen?
Das sind nur einige der bohrenden Fragen, die anstehen. Und ich fände es gut, wenn wir gerade vor Ort da eine gute und konstruktive Rolle spielen. Dazu sind gerade Eure Beiträge und Eure unterschiedliche Lebenserfahrungen erwünscht und sie werden sehr stark gebraucht! Mischt Euch bitte ein!

Bislang wurden 8 Kommentare hinterlassen. Du kannst hier einen Kommtenar schreiben.
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Kommentare

  1. Andrea Lindlohr13. März 2009

    Lieber Uli, ich finde, dass Du die richtigen Fragen stellst. Viele angeblichen Antworten auf Winnenden waren so reflexhaft und ohne Tiefe, wie Du es beschreibst. Dennoch bin ich selber doch sehr erschreckt von der Tatsache, dass so viel mehr Waffen legal in Privathaushalten vorhanden sind, als ich mir das vorgestellt hatte. Und als ich es für richtig halte.
    Bei allen Rufen nach Schulpsychologen u.ä., die für die Schulwelt insgesamt sicher nicht falsch sind, sollte man bei dem Einzelfall nicht vergessen, dass der jugendliche Täter nicht vollständig verborgene, sondern sogar diagnostizierte Probleme hatte. Er war bereits in ärztlicher Behandlung. Sind da nicht einfach auch Grenzen erreicht, was mit Maßnahmen in Schule und Gesellschaft getan werden kann, um so etwas zu verhindern – außer natürlich den Zugang zu Waffen zu vereengen?
    Wer kennt nicht auch einen Erwachsenen mit profunden psychischen Problemen, selbstgefährdet, der keine Behandlung will oder sie wie Tim K. abbricht?

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  2. Michael Henke13. März 2009

    Gut geschrieben. Gefällt mir und liest sich angenehm. Grüne sammelt bei mir Sympathiepunkte!

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  3. Beate Müller-Gemmeke14. März 2009

    @Uli – du hast es auf den Punkt gebracht. Der Medienrummel ist unerträglich und alle vorschnellen Stellungnahmen ebenso. Die Menschen, ob jung oder alt, haben fast keinen Platz sich bewusst zu machen, was passiert ist. Es bleibt kaum Platz für Trauer und Betroffenheit. Ich meine auch, dass vieles diskutiert werden muss – auch wenn ich weiß, dass "Winnenden" wieder passieren kann. Diese Tat ist außerhalb unserer Vorstellungskraft. Viele Dinge müssen zusammen kommen, dass ein junger Mensch so durchknallt. Eine Ergänzung möchte ich dennoch ansprechen. Wir müssen auch an die Lehrerinnen und Lehrer denken. Auch sie leben mit dieser Angst und gleichzeitig werden die Anforderungen an sie noch höher. Lehrerinnen und Lehrer brauchen mehr "freie" Zeit mit ihren Schülerinnen und Schüler. Nur so können sie eine Kultur des "sich umeinander kümmern" in der Schule aufbauen. Im normalen Schulalltag wird das nicht funktionieren.

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  4. Marco Jandke14. März 2009

    Absolut auf den Punkt gebracht, dennoch werden all die gestellten Fragen keine konkreten Antworten bekommen. Man kann Gesetze verschärfen bis zum bitteren Ende und dennoch wird es wieder einen geben der sie einfach bricht. Man kann noch so viele Schulpsychologen beschäftigen und trotzdem wird so etwas wieder passieren. Vielleicht sollte man unsere "heiss" geliebte Presse ein klein wenig in Ihrer Berichterstattung einschränken… Es ist einfach nur schlimm ansehen zu müssen wie mit Halbwarheiten, Vermutungen und Unterstellungen versucht wird dem Zuschauer ein Welt vorzugaukeln in der es bereits Gründe für diese Bluttat gibt. Warscheinlich ist jetzt wieder das Internet schuld, das Computerspiel Counterstrike und überhaupt die ganze Gesellschaft !!! Es ist schlimm was da passiert ist, ganz furchtbar schlimm… aber ein schärferes Waffengesetz wird (und hätte) das auch nicht verhindern können. Wenn es das Computerspiel Counterstrike nicht geben würde wäre dieser Amoklauf vielleicht genauso geschehen… Amokläufe an Schulen hat es bereits lange vor dem Zeitalter des Computers gegeben.

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  5. Linda14. März 2009

    Wir sind Eltern von 3 gr. Söhnen und haben “viel” erlebt.
    Waffen gehören nicht in Wohnräume u./o. Wohnhäuser, NUR in Vereinsräume.
    Die Gesetzgeber sollen sich ihrer Verantwortung stellen.
    Die “Ursachen” stehen nicht an 1. Stelle.
    (Die Frau von der Leine setzt sich für Sammelklassen ein und schickt ihre Nachkommen auf Prtivatschulen.)
    LG

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  6. Torsten24. März 2009

    Hallo,
    der Amoklauf von Winnenden und alle ähnlichen sind schrecklich. Die Punkte von Uli sind gut, besonders der, in dem er fordert, in Ruhe über längere Zeit über angemessene Reaktionen nachzudenken.
    Zum Thema Waffen: wir haben in der BRD eines der schärfsten Waffengesetze der Welt. Legale Waffenbesitzer sind zum Besitz von Tresoren etc verpflichtet. Aber wie in Winnenden gesehen stellt leider nicht jeder Waffenbesitzer seine Waffe da hinein. Es gibt in Deutschland ca. 6 Millionen legale Waffen bei Sportschützen und Jägern. Illegal wahrscheinlich um die 40 Millionen. Für die illegalen gibt es keinerlei Aufbewahrungsvorschriften…
    Gegen eine zentrale Aufbewahrung von Waffen spricht die dadurch erleichterte Beschaffung von Waffen bei einem Einbruch in den Aufbewahrungsort (Schützenverein o.ä.). Man kann nicht aus jedem Schützenverein ein Fort Knox machen.
    Torsten

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  7. Wilderer25. März 2009

    Gegenfrage: Macht es einen Unterschied, ob jemand eine, vier, sechzehn oder vierzig Waffen zu Hause hat? Glaubt wirklich jemand, dass schärfere Waffengesetze etwas bringen?

    http://hunsrueckwilderer.blogspot.com/2009/03/winnenden-das-waffengesetz-der-spiegel.html

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  8. lars27. März 2009

    Natürlich brauchen Jungs Computerspiele.

    ABER: nur die doofen Jungs kaufen sich welche.

    Die intelligenten Jungs erfinden sich die Computerspiele nämlich gleich selber (ohne digitale Unstimmigkeiten wie Pixel, schlecht gemachte Lichtverhältnisse, Zuckeln, etc).

    In meinem Kopf habe ich zum Beispiel eine hyperreale Voll-Simulation der gesamten Geschichte der Menschheit (inkl. alle Kunstwerke), vier Flugsimulatoren, drei ego-shooter und vier Rollenspiele.

    Da wird mir auch im Zug nie langweilig… (ich habe auch weder Handy noch X-Box noch Fernsehen – brauche ich ja nicht; mein Kopf liefert mir ja alles frei Haus).

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