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09Feb

Genial getrickst

Ich war schon bei der Ankündigung des Berichts über den Frauenanteil in den baden-württembergischen Kommunalparlamenten gespannt: Wie würde wohl Carmina Brenner, Leiterin des statistischen Landesamtes und ehemalige CDU-Landtagsabgeordnete, den miserablen Frauenanteil der CDU in den Gemeinderäten im Land schön reden. Schließlich sind nur klägliche 16,8 Prozent der CDU-GemeinderätInnen weiblich.

Erstens: Brenner rechnet in Ihrer Statistik alle alternativen Listen den Wählervereinigungen zu.
Zweitens: Brenner benennt nicht den Frauenanteil der Parteien und Listen, sondern den Anteil der Parteien an allen gewählten Frauen.

Die Folge dieser statistischen Spielchen: Da die CDU nun mal die Partei mit den meisten Mandaten ist, sieht ihr Beitrag von 25 Prozent aller weiblichen Gemeinderätinnen gar nicht so schlecht aus. Ganz anders bei uns Grünen: Weil wir landesweit weit weniger Mandate haben, und uns die Alternativen Listen auch noch rausgerechnet wurden, kommen wir gerade mal auf marginale sechs Prozent aller gewählten Frauen.

Deshalb: Nebelkerzen verscheuchen und Spot on auf die Fakten:

  • Frauenanteil bei den Grünen in den Gemeinderäten: 44,6 Prozent
  • Frauenanteil bei der CDU: 16,8 Prozent
  • Frauenanteil im Landesdurchschnitt: 21 Prozent

Wer ernst machen will mit Halbe-Halbe macht’s wie wir: Quotierte Listen! Das würde auch Carmina Brenner die Tricksereien mit den Zahlen ersparen.

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Kommentare

  1. nicolas9. Februar 2009

    Die Original-Pressemitteilung ( http://www.statistik.baden-wuerttemberg.de/Pressemitt/2009028.asp?Wahlen ) ist zwar minimal besser, ist aber dennoch sehr einseitig:

    „Trotz des höchsten Frauenanteils in den Fraktionen (47 Prozent) kamen die GRÜNEN landesweit lediglich auf 247 Gemeinderätinnen. Das waren 6 Prozent der gewählten Gemeinderätinnen.“

    Dass die Grünen den höchsten Frauenanteil haben wird also nicht verschwiegen, allerdings in ein (zu unrecht) schlechtes Licht gerückt. Schließlich ist die Absolut-Zahl und der Gesamtanteil völlig irrelevant. Gleichzeitig wird der schlechte Frauenanteil bei der CDU einfach überhaupt gar nicht erwähnt.
    Es zeigt mal wieder: Statistiken dienen in der Regeln denen, die sie erstellen.

    Antworten
  2. Carsten Preiss9. Februar 2009

    Wobei ein statistisches Landesamt nicht die Pressestelle der CDU ist. Von daher ist eine so gewagte Ausdeutung von Zahlen besonders traurig.

    Antworten
  3. Daniel Mouratidis9. Februar 2009

    Das ist schon ein Beispiel für Statisitktrickserei. Wäre doch glatt was für ein Lehrbuch!

    Antworten
  4. marcuhlig9. Februar 2009

    gibt es denn derzeit nichts wichtigeres als frauenquote? sollten wir nicht langsam soweit sein, dass das geschlecht eines menschen schlicht und einfach keine rolle spielt?

    quotenreglungen sind einfach dumm, und machen ueberhaupt keinen sinn.

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  5. Till Westermayer9. Februar 2009

    Abgesehen davon funktionieren sie, wie das im obigen Artikel dargestellte empirische Material anschaulich vor Augen hält. Insofern ergeben sie – leider – einen Sinn.

    Antworten
  6. tilo9. Februar 2009

    @marcuhlig
    Es wäre schön, wenn wir soweit wären, dass – wie Du schreibst – „das geschlecht eines menschen schlicht und einfach keine rolle spielt“. Denn das würde bedeuten: Es gäbe keine Benachteiligung aufgrund des Geschlechts mehr – wir hättten gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Die Realität sieht aber leider noch immer anders aus. Das macht das Lohngefälle zwischen Männern und Frauen ebenso deutlich, wie die von Sabine Schlager genannte Tatsache, dass in BaWü nur 21 Prozent der Gemeinderats-Mitglieder weiblich sind. Und solange das der Fall ist, ist auch eine Frauenquote sinnvoll. Grundsätzlich sollte gelten: Die Hälfte der Macht und der Verantwortung für Frauen – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

    Antworten
  7. Beate Müller-Gemmeke9. Februar 2009

    @marcuhlig
    ich kann tilo und Till nur Recht geben. Leider brauchen wir noch immer die Frauenquote. Ich möchte es auch noch aus einer anderen Richtung heraus begründen. Derzeit organisiere ich verschiedene Kommunalwahllisten. Durch unsere Frauenquote habe ich wenig Probleme Frauen zu motivieren. Ich kenne aber die Probleme der „bürgerlichen“ Listen Frauen zu gewinnen. Wir garantieren den Frauen „Gleichstellung“ und damit wird der Schritt in die Verantwortung leichter. Bei Männer dominierten Listen hingegen fühlen sich Frauen häufig als Feigenblatt oder nicht ernst genommen. Es ist schon gut, dass wir die Frauenquote haben und irgendwann brauchen wir sie nicht mehr.

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  8. Brigitte Lösch10. Februar 2009

    Es ist ja leider Fakt, dass der Frauenanteil in Gremien und Parlamenten zu niedrig ist- die Einführung der Quote ist bislang das einzig mir bekannte erfolgreiche Modell um den Frauenanteil in allen Entscheidungsgremien zu erhöhen – das mag mann blöd finden oder nicht.
    Bei der Kommunalwahl 2004 hat sich der Frauenanteil um 2,4% erhöht. Wenn diese ‚rasante’ Entwicklung beibehalten wird, werden wir erst bei den Gemeinderatswahlen 2059 annähernd eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern erreichen. Deshalb haben wir als Landtagsfraktion auch einen Gesetzentwurf zur Änderung des Kommunalwahlgesetzes eingebracht, damit die paritätische Besetzung der Listen gewährleistet ist.
    Warum etwas was in Frankreich mit dem Parite-Gesetz funktioniert, nicht auch bei uns übernehmen?

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  9. Christian10. Februar 2009

    Ich persönlich finde es bedauerlich, dass die Frauenquote immer noch so viel Aufmerksamkeit erfährt. Bei der Aufstellung einer Liste potenzieller Mandatsträger sollten nach bestem Wissen und Gewissen diejenigen Kandidaten oder Kandidatinnen zuerst berücksichtigt werden, welche die Fähigkeiten, die politischen Ideen und die Motivation mitbringen, um eine Position bestmöglich zu besetzen.

    Ich habe schon erlebt, wie Frauen sich mit dem einzigen Argument auf einen Listenplatz beworben haben, dass ja noch zu wenig Frauen auf der Liste stünden – und subsequent gewählt werden mussten, um die vorgeschriebene Quote zu erfüllen, während männliche Bewerber, die mit konkreten Plänen und Ideen angetreten waren, leider das Nachsehen hatten.

    Frauenquoten halte ich allein schon deshalb für einen Anachronismus – und finde es schade, dass es gerade hier auch wieder Frauen sind, die dafür kämpfen. Ich denke, es würde beim Bürger nicht schlecht ankommen, wenn er sich sicher sein könnte, dass die Personen auf der Liste nach ihren Fähigkeiten ausgewählt wurden, und nicht nach ihrem Geschlecht…

    Antworten
  10. Sabine Schlager10. Februar 2009

    Ich freue mich auf die Zeit, in der die Frauenquote ein Anachronismus sein wird – hoffentlich erlebe ich sie noch. Derzeit gibt es in Baden-Württemberg immer noch 58 Kommunen ganz ohne Frauen im Gemeinderat. Und es gibt viele reine Männerfraktionen. Auch beinharte Quotenkritiker können sich vielleicht vorstellen, welche Kompetenzen, Erfahrungen und Einblicke in die kommunale Wirklichkeit dort fehlen. Selbst der noch so ernst gemeinte männliche Versuch, stellvertretend für die Frauen zu entscheiden, ist bei weitem nicht so demokratisch wie die direkte politische Macht von Frauen.

    Antworten
  11. Christian10. Februar 2009

    @Sabine Schlager: Es ist doch nun aber leider nicht zu bestreiten, dass in unserer Gesellschaft auch gegen andere Gruppen teils heftig diskriminiert wird, die wiederum ebenfalls besondere Bedürfnisse und Sichtweisen in den parlamentarischen Prozess einbringen könnten. Denken Sie an Homosexuelle, Übergewichtige, Ausländer, Behinderte etc. pp.

    Der Versuch, mögliche Mandate zu gleichen oder auch prozentual ermessenen Anteilen an all diese Gruppen zu verteilen, würde doch allein schon aus organisatorischen Gründen fast zwangsläufig zur Unregierbarkeit führen. Dennoch könnte man für jede diese Gruppen – einzeln betrachtet – mit der gleichen Begründung eine Quotenregelung fordern, wie Sie dies im Falle des Frauenquorums tun.

    Auch beinharte Quotenkritiker – wie ich – können sich leicht vorstellen, welche Erfahrungen und Einblicke in die kommunale Wirklichkeit fehlen, wenn andere Gruppen unterrepräsentiert sind. Warum also gibt es „nur“ eine Frauenquote?

    Meines Wissens nach hat jedes Mitglied in jeder bundesdeutschen Partei das Recht, sich z.B. auf einen Listenplatz zu bewerben. Wenn in der Gruppe der geeignesten Bewerber letztendlich mehr Frauen als Männer sind – gut. Wenn es mehr Männer als Frauen sind – auch gut. Man sollte in solchen Fällen nicht damit anfangen, geeignete Kandidaten durch vielleicht weniger geeignete Kandidatinnen zu ersetzen, nur um einer Quote gerecht zu werden.

    Das Vorhandensein einer Quote sagt doch nichts weiter aus, als dass man die eigene Basis für latent sexistisch hält. Mit der Quote wird mehr oder weniger direkt unterstellt, dass die Basis männliche Kandidaten auch besser geeigneten Kandidatinnen vorzieht, weil diese dem „falschen“ Geschlecht angehören – und dass man eben die Quote benötigt, um diesen Sexismus zu korrigieren.

    Ich kann mir kaum vorstellen, dass dies bei der Grünen-Basis der Fall ist (oder irre ich mich da?). Wenn nicht – warum dann eine Quote?

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  12. Markus Nagler10. Februar 2009

    @Christian
    Ohne jetzt in eine Debatte über die vielfältigen und teilweise subtilen Mechanismen der Diskriminerung einsteigen zu wollen: Der Sinn der Quote ist einfach der, dass wir alle, Männer und Frauen, uns anstrengen, möglichst gute Kandidatinnen zu finden, um genau das zu vermeiden, was du beschreibst: weniger qualifizierte Quotenfrauen.
    Sonst bleiben leider auch bei den Grünen aus Bequemlichkeit historisch benachteiligte Gruppen auf absehbare Zeit hinter ihren Möglichkeiten zurück.

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  13. Till Westermayer11. Februar 2009

    @Christian: da, wo es wirklich drauf ankommt – auf den vorderen Listenplätzen bei der Kommunalwahlliste, der Europaliste oder bei der Bundestagsliste – ist meine grüne Erfahrung die, dass, wenn es nicht vorher schon Absprachen gab, die überhaupt das Gegeneinanderantreten faktisch verunmöglichen, doch sowohl bei den Frauenplätzen wie auch bei den offenen Plätzen immer mehrere Personen antreten. Eine Frau, die alleine mit dem Argument, sie sei Frau und müsse deswegen jetzt gewählt werden, antritt, hat bei Grünen keine Chance. Wie das bei anderen Parteien aussieht, weiss ich nicht.

    Letztlich ist die Quote für mich eine instituionalisierte Norm, also ein ständig mitgeführter Aufruf (auch an die eigene Parteibasis, die oftmals nicht weniger sexistisch ist als ein milieuadäquater Gesellschaftsquerschnitt), daran zu denken, dass Männer wie Frauen aufgestellt werden sollen. Würde das alles dem freien Spiel der Kräfte überlassen, käme vermutlich ein Frauenanteil heraus, der leicht unter der Mitglieder/Delegiertenrepräsentanz liegen würde, und die ist auch bei Bündnis 90/Die Grünen kleiner als 50 % (nach meinem Kenntnisstand sind etwa 35-40% der Mitglieder Frauen).

    Warum gerade eine Geschlechterquote, und keine nach anderen Unterrepräsentierungen? Historisch: weil Bündnis 90/Die Grünen auch frauenbewegte Wurzeln haben, pragmatisch, weil eine Aufhäufung von Quoten kaum nach handhabbar ist, und weil 50:50 ein einigermaßen anwendbarer Verteilungsschlüssel ist. Zugleich habe ich das Gefühl (und da wären wir wieder bei der institutionalisierten Norm), dass die ständig mitgeführte Frauenquote eben auch daran erinnert, Ausgewogenheit zu berücksichtigen. Die These ist also, dass Angehörige anderer Gruppen, die im politischen Prozess unterrepräsentiert sind, aufgrund des Vorhandenseins einer Frauenquote leichter politisch argumentieren können (was faktisch auch immer wieder vorkommt: „wir brauen noch jemand Junges auf der Liste, und deswegen kandidieren ich“, „Grüne stehen immer auch für Migrantenpolitik, und deswegen bitte ich euch, mir die Stimme zu geben“, usw.). Ich gehe davon aus, dass diese Argumentationsweisen weniger Gewicht hätten, wenn nicht die Frauenquote bei jeder Wahl daran erinnert, dass demokratische Verfahren normalerweise keine Repräsentanz der Grundgesamtheit hervorbringen.

    Antworten
  14. Sabine Schlager11. Februar 2009

    @Christian
    Deine These auf die Spitze getrieben bedeutet: überall dort, wo es keine Frauenquote gibt, zählt bei den Listenplätzen ausschließlich die Qualität. Dass landesweit vier mal mehr Männer als Frauen aufgestellt werden, hieße dann, dass es vier mal mehr politisch kompetente Männer als Frauen gibt. Schon ein flüchtiger Blick auf die Männerdomänen Politik macht diese These unhaltbar. Es geht bei der derzeitigen Bevorzugung männlicher Kandidaten eben doch ums Geschlecht – unausgesprochen wird politische Kompetenz und Mannsein miteinander verknüpft.

    Antworten
  15. Henning Schürig11. Februar 2009

    Ich find’s echt gut, dass die Diskussion hier so sachlich und entlang von Argumenten läuft. Das habe ich – von beiden Seiten – schon ganz anders erlebt.

    Und willkommen, Christian, in unserem Blog! Schön, dich nun (auch) hier zu sehen. :-)

    Antworten
  16. Christian12. Februar 2009

    @Till Westermayer:

    Es fällt mir schwer zu glauben, dass

    „Wir brauen noch jemand Junges auf der Liste, und deswegen kandidieren ich.”

    und

    “Grüne stehen immer auch für Migrantenpolitik, und deswegen bitte ich euch, mir die Stimme zu geben.”

    vollkommen normal sind, aber

    „Auf der Liste sind noch zuwenig Frauen, und deshalb möchte ich mich aufstellen lassen.“

    bei den Grünen nie vorkommt bzw. von vornherein zum Scheitern verurteilt wäre. Aber ich will mich da nicht streiten – vielleicht gibt es tatsächlich Kreis- oder Ortsverbände, in denen sowas nicht vorkommt – das wäre natürlich eine schöne Sache. Ansonsten bin ich der Ansicht, dass die Probleme, die eine Quote mit sich bringt, ruhig offen angesprochen werden sollten – ich habe in Diskussionen mit Quotenverfechtern auch kein Problem damit, die Schwierigkeiten zuzugeben, die sich bei einem völligen Verzicht auf eine Quote ergeben würden.

    Ebenso sollte es aber auch umgekehrt möglich sein, auch über die Schwierigkeiten zu reden, die sich ergeben, wenn die Quote noch irgendwie erfüllt werden muss oder soll. Hier macht es meines Erachtens nach keinen Sinn, sich auf den Standpunkt zurückzuziehen, sowas würde „bei uns“ nicht vorkommen. Ich kann mir da im Falle der Grünen natürlich kein abschließendes Urteil erlauben, kann aber versichern: Bei CDU und FDP kommt sowas durchaus ab und zu vor. Es würde meinen bisherigen Erfahrungen in der Kommunalpolitik erheblich widersprechen, wenn das bei den Grünen vollkommen anders wäre…

    Antworten
  17. Christian12. Februar 2009

    @Sabine Schlager: Ist Politik denn wirklich eine „Männerdomäne“? Auf Bundesebene werden momentan sechs von fünfzehn Ressorts von Frauen geleitet, ganz abgesehen davon dass auch unsere aktuelle Regierungschefin eine Frau ist. Ich bin mir daher nicht sicher, ob politische Kompetenz und „Mannsein“ im Bewußtsein der Bevölkerung wirklich so eng miteinander verknüpft sind…

    „Deine These auf die Spitze getrieben bedeutet: überall dort, wo es keine Frauenquote gibt, zählt bei den Listenplätzen ausschließlich die Qualität. Dass landesweit vier mal mehr Männer als Frauen aufgestellt werden, hieße dann, dass es vier mal mehr politisch kompetente Männer als Frauen gibt.“

    Gibt es denn in BW noch Orts- oder Kreisverbände, in denen es tatsächlich keine Frauenquote gibt (bei den Grünen oder anderswo)?

    Antworten
  18. Christian12. Februar 2009

    @Henning Schürig: Vielen Dank – konnte der Versuchung nach Deiner Twitter-Werbung nicht widerstehen. Bloggende Politiker gibt es in den anderen Parteien ja leider (noch) viel zu wenig…

    Antworten
  19. Thomas Kölschbach16. Februar 2009

    Hier ein kleines Beispiel, wie man diese Statistik auch noch anders missbrauchen kann: Ich selber bin Gemeinderat (nur Männer!) eines Offenen Bürgerforums in einer kleinen Gemeinde im Landkreis Tuttlingen. Auf meiner Suche nach weiblichen Kandidaten hatte ich bis dato wenig Erfolg. Durch Zufall erfuhr ich, dass sich in der Gemeinde eine reine Frauenliste formiert. Zu meinem Erstauen war die Initiatorin dieser Liste auch GRÜNEN Mitglied. Auf Anfrage, ob wir gemeinsam nicht eine paritätische Liste aufstellen sollten, bekam ich die Antwort, dass die liebe Frau Brenner die Meinung vertritt, nur eine reine Frauenliste hätte Erfolg bei Kommunalwahlen.
    Unglaublich, aber wahr.

    Antworten
  20. Markus Ritter19. Februar 2009

    Da bei den Kommunalwahlen die Listenplätze ja eher zweitrangig sind, würde mich mal interessieren, wie ihr das macht, wenn mehr Männer als Frauen gewählt werden. Verzichten dann die Männer so das Frauen nachrücken?

    Antworten
  21. Till Westermayer19. Februar 2009

    @Markus: Nein. Dann gibt es eben keine ausgeglichene Quote. Aber je nach Größe der Stadt etc. sind die Listenplätze schon wichtig, und zumindest ist mal sichergestellt, dass es ein Angebot von 50 % Frauen gibt. Bei der grünen WählerInnenschaft kann es dann im übrigen auch passieren, dass mehr Frauen als Männer in der Fraktion sitzen, die so zustande kommt.

    Antworten
  22. Markus Ritter20. Februar 2009

    @Till: Ich komm halt vom Dorf, da werden diejenigen gewählt, die man kennt, völlig egal auf welcher Liste die betreffende Person steht :-)
    In grossen Städten ist das sicher anders.

    Irgendwie kommen mir die Zahlen aus der Pressemitteilung aber komisch vor:
    Die Grünen stellen 247 Gemeinderätinnen. Insgesamt stellen die Grünen (bei einem Frauenanteil von 47%) ca. 526 Gemeinderäte. Wenn man das auf die Gesamtzahl der Gemeinderäte bezieht (19353) wären das gerade mal 2,7%. Die Grünen hatten 2004 aber einen Anteil von 8,2%.

    Oder schnell zurückgerechnet. Die Grünen hatten ein Ergebnis von 8,2%. Das wären dann ca. 1600 Gemeinderäte, davon ca. 750 weiblich.

    Erklärt’s mir bitte einer? Das so viele Stimmen unter den Tisch fallen kann ich mir nicht vorstellen.

    Antworten
  23. Till Westermayer20. Februar 2009

    @Markus: Einen Punkt hat Sabine ja oben schon angesprochen: die vielen, vielen unabhängigen Listen mit grüner Beteiligung (gerade auf dem Dorf) wurden alle den Freien Wählern zugeschlagen.

    Und dann stimmen die 247 definitiv nicht. Die GAR spricht für die Kommunalwahl 2004 von 1239 grünen Mandaten in Gemeinderäten, Kreistagen und in der Stuttgarter Regionalversammlung. Davon waren 2004 217 Sitze (pdf) Kreistagssitze (davon 88 Frauen = 40,6 %; hier dürfte die Stadt/Land-Differenz eine Rolle spielen). Für die Gemeinderäte und die Region Stuttgart (12 Sitze) ergeben sich 1022 Mandate (wie die sich bzgl. grüner Listen und alternativer Listen im einzelnen zusammensetzen, kann hier (pdf) nachgelesen werden; Frauenanteil nach der eigenen Berechnung 44%).

    Damit sind wir dann immerhin schon mal bei einem Anteil von 5,3 % der Sitze. Bei den Stimmen waren es laut statistischem Amt 8%, bei den Sitzen zählt das statistische Amt nur 525 „echte“ Grüne, d.h. 2,7 %.

    Die Diskrepanz hat also, um das ganze zusammenzufassen, zwei Ursachen:

    1. sind etwa die Hälfte der grünen Mandate nicht auf Parteilisten,

    2. verfälscht D‘Hondt den landesweiten Wählerwillen beträchtlich – aus 8 % der Stimmen werden knapp 3 % der Sitze.

    Antworten
  24. Till Westermayer20. Februar 2009

    Nachtrag: auch das statistische Landesamt unterscheidet bei genauerem Hinsehen zwischen GRÜNEN, GRÜNEN/WV und „grünen Listen“. Zusammen hatten diese 2004 sogar 11,8 % der Stimmen – und erhielten 1033 Mandate (frag mich nicht nach der Differenz zu den von der GAR genannten 1022 Mandaten …), also 5,3 % der Sitze. Von diesen Sitzen – Grüne / Grüne auf Listen von Wählervereinigungen / grüne Listen – entfielen 2004 43,4 % auf Frauen.

    Antworten
  25. Christian20. Februar 2009

    Ich kann ehrlich gesagt gar nicht begreifen, wie es möglich ist, dass offenbar keine eindeutigen Angaben zur Zahl der Mandatsträger vorliegen. Ich muss das bei nächster Gelegenheit mal für meinen Kreis – den Harzkreis in Sachsen-Anhalt – erfragen, eventuell ist es da ja genauso. Bevor ich hier also zuviel meckere…

    Antworten
  26. Till Westermayer21. Februar 2009

    @Christian: Hat vermutlich was damit zu tun, dass die Kommunalwahl bottom-up stattfindet: jede örtliche Liste stellt halt ihre Leute auf, und das wird dann für diese Gesamtzahlen nach oben weitergegeben – so kommen jedenfalls die grünen Zahlen zustande. Zudem können sich die Zahlen im Lauf der Legislatur auch noch ändern, wenn es Übertritte, … gibt. Und dann weiss ich nicht genau, ob nicht möglicherweise das statistische Landesamt ein paar der grün-alternativen Listen, die in Konkurrenz zu Grünen antreten (gibt’s auch) als „grüne Listen“ führt. Aber vielleicht kann Sabine Schlager da noch mehr zu sagen (wäre auch einen eigenen Blogbeitrag wert, die Kommunalwahlstatistik).

    Antworten
  27. Sabine Schlager25. Februar 2009

    Die GAR hat die Gemeinderatsmandate in Baden-Württemberg unmittelbar nach der Wahl 2004 auf folgende Weise erfasst: 1. Wir haben die vorhandene Liste aller Fraktionen fortgeschrieben und 2. wir haben bei allen grünen Orts- und Kreisverbänden nachgefragt, welche grünen, grün-nahen und alternativen Listen es in ihrem jeweiligen Gebiet gibt. Die Wahlergebnisse dieser Listen haben wir dann in Prozentangaben und nach Zahl der Mandate veröffentlicht. Eine Fehlerquelle in der Größenordnung von knapp einem Prozent ist bei diesem Verfahren immer drin: Das Sofortergebnis und das festgestellte Endergebnis kann sich um einige wenige Mandate verschieben und die eine oder andere Liste hat sich nicht als grünnah bei ihrem Kreisverband gemeldet und ist uns zu Recht oder zu Unrecht durch die Lappen gegangen.

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